"Rund
2000 Jesidinnen werden noch vermisst", sagt die deutsche Jesidin und
Filmemacherin Düzen Tekkal, die mit ihrem Film Jiyan den
Genozid des IS an den Jesiden erneut dokumentiert, im
Zeit-Gespräch mit Sebastian Kempkes. Sie ärgert sich über die deutsche
Toleranz gegenüber IS-
Rückkehrern und kritisiert das Oberlandesgericht Lüneburg, das entschied, den Jesiden würde im Irak keine Verfolgung mehr drohen. Außerdem fordert sie weitere
Präsenz der Bundeswehr im Irak: "Kurdische und irakische Streitkräfte genügen nicht als Schutzmacht gegen den IS. Wenn der Westen in der Region keine Präsenz zeigt, übernehmen wieder die Islamisten. Der
Hass ist noch da, die Jesiden würden sofort wieder in Lebensgefahr schweben. Nachbarn, die zum IS übergelaufen waren und gemordet haben, sind zurück in ihren Orten und leben weiter, als wäre nichts passiert. Wo Deutsche stationiert sind, ist Hoffnung und Sicherheit."
Nach 1945 kann es keine "
machtfreie Kommunikation" mehr zwischen Deutschen und Juden geben, sagt der jüdische Soziologe
Nathan Sznaider in einem von der
NZZ publizierten
Vortrag, den er bei einer Berliner Tagung zum Thema Erinnerungskultur hielt. Er verteidigt das
israelische Recht einer exklusiven Erinnerung an den
Holocaust: "Israel sieht sich als den rechtlichen und moralischen Nachfolger der Opfer des Holocaust. Die Erinnerung an den Holocaust in Israel wird immer in der Spannung zwischen dem partikularistischen Charakter eines jüdischen Staates und dem universalistischen Anspruch einer demokratischen Gesellschaft hin- und hergerissen sein. Innerhalb der jüdischen Tradition konnte der Holocaust
nur ein jüdisches Problem bleiben. Den Holocaust zu universalisieren, hieße, das einschneidende Ereignis der jüdischen Geschichte zu einem
Bruch mit der Moderne werden zu lassen."
Dass
Peking zu "archaischen" Maßnahmen greift und das
chinesische Wuhan unter
Quarantäne stellt, um die Ausbreitung des
Coronavirus zu stoppen, dabei allerdings die "
Menschenrechte Millionen gesunder Menschen einschränkt", wundert Jörg Häntzschel im Feuilleton-Aufmacher der
SZ nicht, sieht er doch das
Ende des globalen Mobilitätszeitalters eingeläutet. Methoden, die einst für die Seuchenbkämpfung eingesetzt wurden, finden heute wieder in der
Terrorismusabwehr und bei der Regulierung von
Migration Anwendung, schreibt er: "Gesucht werden Hybridformen von Grenzen, die smart und flexibel sind. Durchlässig für die einen, geschlossen für die anderen und jederzeit flexibel steuerbar. Eine global vernetzte Stadt wie Wuhan soll per Dekret vorübergehend wieder lokal werden. Uiguren werden am Reisen gehindert, Han-Chinesen aber nicht."