Der Deutsch-Iraner
Jamshid Sharmahd, der sich gegen das Mullah-Regime engagierte, wurde im Iran
hingerichtet. 2020 wurde er von den Schergen des Regimes auf einer Geschäftsreise aus einem Hotel in Dubai entführt. Für mehrere Jahre hörte Sharmahds Familie nichts, in der Haft erhielt der an Parkinson Erkrankte keine medizinische Versorgung, die
Zähne wurden ihm ausgeschlagen. Im iranischen Fernsehen wurde er vorgeführt und schließlich zu einem Geständnis eines konstruierten Verbrechens gezwungen,
erinnert Gilda Sahebi in einem Hintergrund-Artikel in der
taz.
Auf
Zeit-Online schildert Sahebi den unermüdlichen Kampf von Sharmahds Tochter
Gazelle Sharmahd für seine Freilassung und erhebt schwere
Vorwürfe gegen die deutsche Regierung. Denn während in den letzten Jahren "französische, dänische, belgische, US-amerikanische, schwedische und österreichische Staatsbürger aus iranischer Geiselhaft befreit worden" sind, wurde Sharmahd offiziell nicht einmal als "politische Geisel" bezeichnet, so Sahebi. Die deutschen Regierungen "verhalten sich gegenüber dem iranischen Regime schon seit Jahrzehnten traditionell eher konziliant, mit Kritik wurde sich oft zurückgehalten. Gezeigt hat sich diese historische Nähe erst im Mai dieses Jahres wieder, als Bundeskanzler Olaf Scholz nach dem Tod des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi durch einen Hubschrauberabsturz der Islamischen Republik
offiziell kondolierte. Raisi soll, wie der in Schweden verurteilte Nouri, an den Massenmorden der Achtzigerjahre maßgeblich beteiligt gewesen sein. In diesen Momenten wirkt die
stille Diplomatie der Deutschen wie ein Geschenk für die iranischen Machthaber."
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Auch die
ARD-Korrespondentin Natali Amiri glaubt in der
SZ nicht, dass die deutsche Regierung alles getan hat, um Sharmahds zu befreien.
Olaf Scholz ließ auf X verlauten, die Hinrichtung sei "ein Skandal": "Ein Skandal?", fragt Amiri, "Ist eine Hinrichtung so etwas wie Pfusch am Bau - oder ist es das
schlimmstmögliche Staatsverbrechen? Wer verfasst für den Kanzler solche Tweets? Eine KI?" Von
Annalena Baerbock (die die Exekution "aufs Schärfste" verurteilt und "schwerwiegende Folgen" ankündigt) wüsste Amiri gern: "Was werden die schwerwiegenden Folgen denn sein? Und gibt es nur Folgen oder auch Konsequenzen? Folgen gibt es immer wieder mal, zum Beispiel folgt ein Tag auf den anderen. Konsequenzen muss man selber ziehen. Und: Was hat die sogenannte Taskforce unternommen, um Jamshids Leben zu retten? Könnte man das Bemühen der Bundesregierung transparenter darstellen? Bis dahin wirkt es leider
absolut unglaubwürdig, so zu tun, als habe sich Deutschland in der Angelegenheit mit seinem Handelspartner Iran ernsthaft ausgetauscht."
Die iranische
Schriftstellerin Atefe Asadi floh 2022 aus dem Iran, nachdem ihre Bücher verboten und sie verhaftet wurde. Im
FR-Interview mit Judith von Sternburg
erklärt sie die Rolle von Social Media für den iranischen Widerstand und betont, dass die einzige Hoffnung der iranischen Bevölkerung in der
Unterstützung von außen liegt: Die Menschen im Iran "haben alles getan, was in ihrer Macht lag. Sie haben lautstark Nein zur Islamischen Republik gesagt. Sie sind ins Gefängnis gegangen. Sie wurden verletzt, getötet. Es hat alles nicht gereicht, um das Mullah-Regime zu stürzen. Die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft ist unerlässlich. Die Welt muss verstehen, dass die Islamische Republik sich nicht verändern wird und zum Wohle des iranischen Volkes, des regionalen und globalen Friedens und der Sicherheit zerschlagen werden muss. Die Welt muss politische und ökonomische Interessen hintanstellen und die letzten Verbindungen zum Regime kappen. Sie muss die
Revolutionsgarden als terroristische Organisation einstufen. Solange das alles nicht geschieht, werden wir, das iranische Volk, isoliert bleiben. Das ist uns voll bewusst. Wir werden aber nicht umkehren. Wir werden den Weg, den wir eingeschlagen haben, weitergehen."
"Es ist schon seit einer Weile erkennbar ein israelisches Kriegsziel, die
UNRWA aus Gaza hinauszudrängen, womöglich sogar aus der Region im Ganzen", meint der britische, beim
European Council on foreign Relations tätige UNO-Experte
Richard Gowan im
Spon-Gespräch. Das habe "mit dem Mandat der UNRWA zu tun, das auf dem Grundsatz beruht, dass die Palästinenser ein
Recht auf Rückkehr haben. Die Israelis wollen dieses Mandat effektiv auslöschen und für ungültig erklären." Dass es "eine
Unterwanderung der UNRWA durch die
Hamas" gegeben habe, räumt Gowan ein: "Genauso, wie es eine Unterwanderung der UNRWA durch
israelische Geheimdienstagenten gab." Israel werde allerdings jede Kritik aus Generalversammlung ignorieren, glaubt er: "Wenn Israel damit durchkommt, ist das ein grünes Licht für jedes Land, das einen Teil des Uno-Systems aushebeln will. Wie gesagt: Wer soll dann einem Staat wie
Mali vorwerfen, dass es die
Blauhelme rauswirft? Wer will Ländern wie
Myanmar oder
Burundi Vorschriften machen, die seit Langem Uno-Beamte rauswerfen, die sie nicht mögen. Das wäre ein enormer Schaden für die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen." (Über die konkreten Vorwürfe Israels gegen die Unrwa findet man in den Medien erstaunlich wenig. Einen ganz guten
Überblicksartikel, der auch die Kritik an der Untersuchungskommission der Uno behandelt, die diese Vorwürfe abtat, findet man bei der
NZZ.)
Gestern warnte noch Barack Obama afroamerikanische Männer, sie könnten Trump zum Wahlsieg verhelfen, weil sie oft keine Frau wählen wollten (
mehr hier). Heute sind es die
Deutsch-
Amerikaner, die den Wahlausgang beeinflussen könnten, meint Nicolaus Bernau, der in der
FAZ die Geschichte der größten, aber weitgehend unerforschten "
Minderheit" Amerikas erzählt: "Sogar die scheinbar so unmotivierten Angriffe Trumps auf die heutige Bundesrepublik und seine Lügen über scheiternde Windräder und neue Kohlekraftwerke appellieren an kollektive Erinnerungen gerade der verborgensten Minderheit der USA. Ihre Vorfahren, ist das weit verbreitete Selbstbild, flohen vor einem zerstrittenen, ineffizienten, altmodischen und
antifreiheitlichen Deutschland. Auch Trumps Verbeugungen vor totalitären Herrschern und sein als
Friedenspolitik behaupteter Isolationismus knüpft an jenen an, mit dem sich viele Deutsch-Amerikaner seit 1914 und dann seit 1933 dagegen wehrten, in den Krieg gegen die Heimat der Vorfahren verwickelt zu werden. Eine Multistrategie allerdings, gegen die Kamala Harris und Tim Walz bisher kein Rezept gefunden haben. Es könnte also tatsächlich sein, dass Deutsch-Amerikaner Donald Trump zu einer zweiten Amtszeit verhelfen."
Außerdem: Der Amerikanist
Manfred Berg zeichnet in der
SZ die Geschichte des amerikanischen Wahlsystems nach und erklärt das "popular vote".