Zwischen Israel und der Hamas ist ein fragiler Waffenstillstand ausgehandelt worden, die Hoffnung in Israel wirkt eher zaghaft. Der Politikwissenschaftler
Chuck Freilich, der lange als stellvertretender nationaler Sicherheitsberater tätig war, glaubt im
Zeit-Online-Gespräch nicht, dass der Krieg nach dem
Geisel-
Abkommen mit der Hamas beendet ist: Aber "es wird zumindest zeitweise für Ruhe sorgen, während der Deal über Wochen hinweg umgesetzt wird. Danach besteht die Hoffnung auf eine zweite Phase, aber auch diese Verhandlungen könnten sich hinziehen. Die Hamas könnte daran interessiert sein, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen, als Teil ihres
psychologischen Kriegs und als Garantie für die Sicherheit ihrer Führung. Was danach kommt, bleibt abzuwarten. Die Hamas bleibt eine Terror- und Guerillaorganisation. Sobald Israel sich zurückzieht, sind sie bereit, sich
neu zu formieren. Aber Israel ist dieses Mal entschlossen, ihnen nicht die Möglichkeiten zum Wiederaufbau zu lassen wie beim letzten Mal." An die Zweistaatenlösung glaubt er nicht mehr, aber "eine
jordanisch-
palästinensische Konföderation, in der die palästinensische Komponente gut 90 Prozent des Westjordanlands ausmachen würde", hält er für machbar.
Auch der Historiker
Amir Teicher sieht in der
SZ wenig Grund zum Feiern: "Meine Zweifel liegen ... darin begründet, dass dieser 'Deal', und zwar genau dieser, schon
vor einem Jahr hätte besiegelt werden können. Damit hätten viel Leid und Tod verhindert werden können."
Die
Hamas ist nicht mehr in der Lage, Krieg zu führen, vermutet im
Tagesspiegel-Gespräch
Hans-Jakob Schindler, Senior Director des internationalen Counter Extremism Project: "Ihre Infrastruktur ist zerstört, viele Kommandeure sind tot. Sie werden wohl noch
kleinere Anschläge auf das israelische Militär im Gazastreifen verüben können. Aber die Tage, in denen die Islamisten koordinierte und komplexe Operationen wie das Massaker vom 7. Oktober 2023 durchführen können, sind vorbei." Dennoch warnt er: "Das
Führungspersonal ist längst außerhalb der palästinensischen Gebiete, genauso wie das Geld."
Auf
Zeit Online zieht Jörg Lau Bilanz: Die Hamas "hat Israel in die Position gebracht, die
Hisbollah und den
Iran existenziell zu schwächen. Selbst der
Fall des Assad-Regimes geht mittelbar auf die Hybris der Hamas-Führung zurück. Denn die Gelegenheit für die HTS-Rebellen, nahezu ungehindert auf Damaskus zu marschieren, entstand durch die Schwächung der Hisbollah und des Irans unter israelischen Pager-Attacken und Bomben. Die
Fehlkalkulation der Hamas hat eine Neuordnung der Region angestoßen, die erst in den Anfängen steckt." Aber auch die israelische Bilanz fällt düster aus: "Israel wird gefürchtet, ist aber auch
weltweit verhasst wie noch nie. Jüdisches Leben überall außerhalb von Israel ist gefährdet und bedrängt wie lange nicht mehr - eine deprimierende Bilanz nach diesen 15 Monaten, die mit dem antisemitischen Pogrom der Hamas begannen."
"Propalästinensische" Aktivisten behaupten zwar, kein Leben sei mehr wert als ein anderes, aber nun kommen nur
33 israelische Geiseln frei, während die Palästinenser sich auf die Rückkehr von
tausend Häftlingen, darunter natürlich auch eine Menge Terroristen, freuen können. Und im Gazastreifen feiert man, obwohl diese Proportion so demütigend ist. In Israel ist inzwischen die Sorge über den
Gesundheitszustand der Geiseln groß,
schreibt Sabine Brandes in der
Jüdischen Allgemeinen: "Es ist nicht bekannt, wie und ob die kranken und verletzten Menschen in über einem Jahr der Gefangenschaft behandelt wurden. Das
Rote Kreuz hat sie
nie besucht, nach Gaza gelieferte
Medikamente kamen wahrscheinlich nicht bei ihnen an. Zu den Gekidnappten gehören junge Menschen mit chronischen Krankheiten." Auch "bewegt das Schicksal der
einzigen beiden Kinder, die noch immer Geiseln sind, die gesamte Nation. Es ist nicht bekannt, ob die kleinen Jungen
Ariel und Kfir Bibas und ihre Mutter Shiri noch am Leben sind. Angehörige bestätigten mehrfach, dass sie 'während der ganzen Zeit
kein einziges Lebenszeichen von ihnen erhalten haben'."
=============Ziemlich abenteuerlich klingt, was Matthias Rüb auf der Medienseite der
FAZ aus Artikeln der
New York Times und italienischer Zeitungen kompiliert: Die im Iran festgenommene italienische Journalistin
Cecilia Sala wurde freigelassen, nachdem
Elon Musk einen Deal mit den
Mullahs ausgehandelt hat und erreichte, dass der in Italien festgenommene Iraner Mohammad Abedini freigelassen wurde, so die Geschichte. Und das obwohl die aktuelle Biden-Regierung Abedinis
Auslieferung nach Amerika betrieb, weil er für den Tod von drei amerikanischen Soldaten verantwortlich sei. "Außenminister Antony Blinken habe bei seinem Besuch in Rom vom 9. und 10. Januar
heftig gegen eine Freilassung Abedinis im Gegenzug für die Rückkehr Salas nach Italien protestiert, der Deal zwischen Rom und Teheran sei zu diesem Zeitpunkt aber schon beschlossen gewesen. Nach der Ausreise des Iraners zeigte sich das US-Justizministerium 'enttäuscht über die Entscheidung, die Verhaftung von Mohammad Abedini aufzuheben'." Das mit KI generierte Foto eines
Spaghetti essenden Musk sei lanciert worden um zu zeigen, wie er seinen Triumph auskostet, so Rüb.