
Krithika Varagur schickt eine herzzerreißende
Reportage aus
Nigeria über das Paar Nkechi und Subomi Mabogunje, die beide Träger der
Sichelzellenanämie (Sickle Cell Disease, SCD) sind, einer Erbkrankheit. Nigeria ist die Hauptstadt dieser Krankheit auf der Welt. Auf seine Einwohner entfallen
etwa die Hälfte aller jährlich neu auftretenden Fälle weltweit. Für junge Paare ist es zumindest in den Großstädten fast schon üblich geworden, einen
entsprechenden Test zu machen, bevor man sich enger bindet. "Angesichts der
Bedeutung der Ehe in Nigeria, der relativ geringen Verbreitung von Pränataltests und des Abtreibungsverbots in den meisten Fällen festigt sich rasch eine
gesellschaftliche Norm, die zwei Menschen mit Sichelzellgenen davon abhält zu heiraten oder sich auch nur zu verabreden. Aber nicht jeder trifft diese Entscheidung. Eine Studie aus dem Jahr 2015 ergab, dass eine von fünf Personen, die aufgrund ihrer vorehelichen Untersuchungen wussten, dass sie in einer AS-AS-Beziehung lebten, trotzdem heirateten. Einige Gesetzgeber haben versucht, in dieser Grauzone zu intervenieren. Staaten sowohl im Norden als auch im Süden haben Maßnahmen verabschiedet, um voreheliche Tests vorzuschreiben; im Jahr 2020 debattierte der nigerianische Senat über ein
SCD-
Management-
Gesetz, das unter anderem auch voreheliche Tests fördern würde. Während dieser Diskussionen deutete Chukwuka Utazi, ein Senator aus dem Bundesstaat Enugu, an, dass er selbst eine genotypbedingte Trennung erlitten hatte. Er wisse, wie schmerzhaft eine solche Entscheidung sein könne. Aber in Afrika, so meinte er, 'heiraten wir
für Kinder,
nicht für die Liebe'. (In Nigeria wird die Intimsphäre bereits reglementiert: Öffentliche Zurschaustellung
homosexueller Zuneigung ist zum Beispiel illegal, und die Strafen für gleichgeschlechtlichen Verkehr reichen von Gefängnisaufenthalten bis zur Hinrichtung durch Steinigung). Ein anderer Senator meldete sich zu Wort: 'Wir werden nicht zulassen, dass die Liebe uns
das Beste aus unseren Ehen wegnimmt.' Heterosexuelle nigerianische Paare, die an diesen genetischen Scheideweg kommen, überlegen nicht nur, ob sie sich trennen oder heiraten sollen. Sie überlegen auch, was ein gutes Leben ausmacht, sowohl für sich selbst als auch für ihre zukünftigen Kinder. SCD ist kein Todesurteil - vor allem nicht in einer Stadt wie Lagos -, aber es ist in der Regel ein lebenslanges Urteil.... Ihre Bedenken sind im Großen und Ganzen auch für den Rest von uns relevant, die wir im Zeitalter der Gentests und ihrer neuartigen Entscheidungsfindungsmethoden leben. Werdende Eltern stellen sich die Frage: Auf
welche Krankheiten sollten wir testen? Wie riskant ist es, ein bestimmtes Merkmal zu vererben?"