
Im neuen
Heft des Magazins
stellt Isabel Hilton eine Trendwende fest in
Britanniens China-
Politik: "Es dürfte nicht überraschen, dass Boris Johnson kaum über eine seriöse und gut informierte Sicht auf China verfügt. Die Ansichten seiner eigenen Hinterbänkler aber entgehen ihm nicht. So lässt sich prophezeien, dass Johnson seine Meinung zu China wiederum ändern wird: Nachdem er die Brexit-Welle mit dem Versprechen auf
neue Möglichkeiten in Asien und China im Besonderen genommen hat, bereitet er sich auf eine 180-Grad-Wende vor, die Restriktionen von chinesischen Investitionen in GB sowie die Aufhebung des umstrittenen Versprechens Chinas Telekom-Riesen
Huawei zum 5G-Netz im Land zuzulassen bedeuten wird. Andere Investitionen in kritische Infrastruktur, Atomkraft etwa, würden ebenfalls infragegestellt. Vergleichbare Optionen Britanniens in China, die tatsächlich nie so groß waren, wie die Brexiteers es suggerierten, werden ebenso unwahrscheinlicher. Zwei Entwicklungen stehen hinter Johnsons Entscheidung. Die erste, deutlich sichtbar, ist der
wachsende Wettbewerb zwischen den USA und China, ein Kampf, in dem beide Supermächte zunehmend darauf bestehen werden, dass kleinere Länder wie Britannien sich für eine Seite entscheiden. Die zweite ist eine
Kehrtwende bei der Haltung zu China innerhalb der Konservativen Partei. Noch vor einigen Jahren schworen ihre Parteiführer ewige Freundschaft mit der Volksrepublik. Heute stehen die Zeichen auf Feindschaft. Die Anfänge der Wende gehen auf die Zeit vor der Pandemie zurück, aber der Prozess wurde verstärkt durch Chinas Verhalten nach Ausbruch der Seuche, seine Propaganda und durch das
Sicherheitsgesetz für Hongkong, das Chinas Vereinbarung mit Britannien in Stücke reißt, Hongkong 50 Jahre lang sich selbst zu überlassen."
Im Aufmacher des Magazins
betrachtet John Gray mit verlässlichem Pessimismus den
Zustand Britanniens. Woanders sieht es allerdings auch nicht besser aus, weshalb
die Tories durchaus auch die nächsten Wahlen gewinnen könnten: "Das öffentliche Vertrauen in die Regierung hat in den letzten Wochen gelitten, und die Einhaltung der sozialen Distanzierung hat spürbar nachgelassen. Aber die Welt bewegt sich in diesen Tagen ziemlich schnell vorwärts. Vor den nächsten britischen Parlamentswahlen könnten die
Scharmützel in Ladakh zu einem größeren Konflikt zwischen China und Indien eskaliert sein. Nach der Zerschlagung des Modells 'ein Land, zwei Systeme' in
Hongkong könnte die
Unabhängigkeit Taiwans aktiv bedroht sein. Eine
rechtsextreme Matteo-
Salvini-
Regierung könnte in Italien an der Macht sein und die
Zukunft des Euro in Frage stellen. Sollte es weitere Ereignisse wie in der Stadt
Dijon geben, die im vergangenen Monat Schauplatz von Zusammenstößen zwischen Algeriern und Tschetschenen wurde, könnte Emmanuel Macron bei den Präsidentschaftswahlen 2022 sogar
gegen Marine Le Pen verlieren. Wenn die Pandemie in den USA völlig außer Kontrolle gerät, könnten die Todesfälle katastrophale Ausmaße annehmen. Sollten die Szenen der Anarchie in den US-Städten über den Sommer andauern, könnte
Trump im November noch gewinnen; verliert er, könnte er das Ergebnis anfechten. Eine Präsidentschaft von Joe Biden könnte unter einem linken Deckmantel den Protektionismus und Neoisolationismus von Trump fortsetzen."
Außerdem: William Davies
überlegt anlässlich von Corona, wann und warum wir
Regeln einhalten oder nicht.