
Die
Erben von Schriftstellern haben es Biografen schon immer schwer gemacht, mit dem Nachlass zu arbeiten,
stellt Leo Robson fest, entweder um das Ansehen der Gestorbenen nicht zu gefährden - wie
Percy Shelleys Witwe oder
Jane Austens Schwester. Oder um besser bei Broadway und Fernsehen abkassieren zu können - wie die Erben von
T.
S.
Eliot, die keinen Biografen an dessen unveröffentlichte Manuskripte ließen, aber nichts dabei fanden, dass
Andrew Lloyd Webber Eliots Gedichte gegen dessen ausdrücklichen Wunsch für "Cats" vertonte. Mittlerweile ziehen sich immer mehr Biografen an die Universitäten zurück oder schreiben wie
Peter Ackroyd über unbelebte Sujets wie "London" oder "Die Themse", aber manchmal rächen sie sich auch fürchterlich, erzählt Robson fröhlich: Die Autorin Lee Israel etwa wurde beim Schreiben einer Biografie von
Estée Lauder übel ausgebootet, verlor alles Ansehen und endete als Alkoholikerin: "Israel war von Bestseller-Apanagen
auf Sozialhilfe abgestürzt, wie sie in ihren Erinnerungen 'Can You ever Forgive me' beschwingt schreibt, und sie entschied sich, um ihre Brötchen zu verdienen, zu einer Form symbolischer Biografen-Vergeltung: Mit Hilfe alter Schreibmaschinen begann sie, Dutzende von literarischen Briefen zu fälschen, die sie an unerfahrene oder skrupellose Händler in New York verkaufte. Israels Fälschungen richteten sich vor allem gegen eine Person, die besonders hartnäckig biografische Anstrengungen vereitelt hatte: die Dramatikerin
Lillian Hellman, eine eiserne Testamentsvollstreckerin ihres Mannes Dashiell Hammett und ihrer Freundin Dorothy Parker. Israels Quelle für die Hellman-Imitationen war ein Brief, den sie selbst erhalten hatte und der ihr ein Interview für ihr Bankhead verwehrte: 'Sie war
eine schwierige Frau, aber zum Glück war ihre Handschrift einfach.'"