
So wie Ärzte vor gut siebzig Jahren
Lobotomie als Wundermittel gegen psychische Störungen propagierten, so propagieren heute Pharmakonzerne und Ärzte Medikamente gegen das
ADHS-Syndrom,
erzählt Alan Schwarz in einer großen Reportage. Inzwischen werden die Medikamente oft für Kinder mit jeder Art von vermeintlich abweichendem Verhalten ("ist manchmal unkonzentriert") verschrieben. Jetzt sind
auch die Erwachsenen dran: "Weil Studien gezeigt haben, das ADHS bei mehreren Familienmitgliedern vorliegen kann, nutzen die Pharmakonzerne den Markt für Kindern, um den für Erwachsene zu erschließen. Ein Pamphlet von 2008 von Janssen, dem Hersteller von Concerta - mit der Überschrift 'Wie die Eltern so das Kind?' - behauptet, 'ADHS ist eine
häufig vererbte Störung', obwohl Studien zeigen, dass auf die meisten Eltern von ADHS-Kindern diese Diagnose
nicht zutrifft."
Adam Fisher
schildert in einer beeindruckenden Reportage den geradezu gargantuesken Aufwand, den
Google treibt, um die Welt von oben und unten und allen Seiten und in den kleinsten Details zu kartografieren, bis sie - wie in der Erzählung "Über die Genauigkeit von Wissenschaft" von
Jorge Luis Borges - identisch wird mit ihrer Karte. Allerdings gibt es hier etwas, das man sich auch in anderen von Monopolisten beherrschten Gebieten des Netzes wünschens würde: einen Konkurrenten aus der Open Source-Szene,
OpenStreetMap, eine Art Wikipedia für Kartennarren, und ein Projekt das beträchtlichen Erfolg hat, seit Google seine Programmierschnittstelle für Google Maps teilweise kostenpflichtig gemacht hat. Seitdem sind nämlich Unternehmen wie
Apple und Foursquare zu O.S.M ausgewichen - ohne es sich unter den Nagel reißen zu können: "Die O.S.M.-Daten sind kostenlos, aber ihre Nutzung hat
einen Widerhaken. Jede Verbesserung oder Änderung an den O.S.M.Karten muss zur Zentrale zurückgesandt werden. Das ist eine clevere Taktik, die die Konkurrenten dazu zwingt, entweder Google allein zu bekämpfen oder sich einem Bündnis anzuschließen, das bei Erfolg zugleich die
Unmöglichkeit eines Monopols im Kartenwesen sicherstellen wird."
Außerdem in einer sehr reichhaltigen Woche der
New York Times: Grauenhaft und unheimlich liest sich Jon Mooallems
Reportage über die "
Crazy Ants", Ameisen, die in riesigen Massen über ganze texanische Landstriche herfallen. Gerne kriechen sie in elektrische Geräte oder wandern einem die Waden hoch: "In Südamerika, wo Wissenschaftler ihren Ursprung vermuten, haben sie Hühnern die Nasenhöhlen verstopft. Sie kriechen auch
in die Augen von Kühen. Bis heute sind sie nicht aufzuhalten." Ernüchternd liest sich Ben Sisarios
Recherche zu Musikstreaming-Diensten wie
Spotify, deren zahlbare Angebote offenbar nur zögernd benutzt werden und den Musikern zu wenig Tantiemen bringen.