Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 17.06.2014 - New York Times

Im Magazin erzählt Sam Dolnick die unglaubliche Geschichte des 90-jährigen Drogenkurieropas Leo Sharp, der jahrelang für das mexikanische Sinaloa-Kartell arbeitete. Passionierter Taglilienzüchter und Weltkriegsveteran, wurde Sharp schließlich Schlangenlinien fahrend in einem Pick-up voller Kokain geschnappt. "Ist der Mann senil oder richtig clever? Sein Anwalt argumentiert, das Kartell habe ihn und seine Demenz ausgenutzt; bei Demenz habe man es mit schlechtem Urteils- und Entscheidungsvermögen zu tun … Sharp fuhr kreuz und quer durchs Land, Strecken, die einen halb so alten Mann erschöpft hätten, von Florida über North Carolina und Arizona bis Michigan in acht Tagen. Er genoss großes Vertrauen. Normalerweise parkt ein Drogenkurier seinen Wagen mit steckenden Schlüsseln, ein anderer fährt den Wagen weg und Stunden später steht der Wagen mit dem Stoff wieder da. Der Kurier sieht keine Gesichter. Bei Sharp war es anders. Er fuhr von einem Drogenlager in Tucson, Arizona zum nächsten und holte die Ware ab, ein immenses Risiko. Doch so effektiv und vertrauenswürdig Sharp auch war, er war zunehmend auch eine Belastung. Einmal fuhr er den Wagen mit dem Koks an Bord in die Werkstatt. Ein anderes Mal musste ihn jemand in Detroit abpassen und zum Übergabeort dirigieren." Andererseits: So schlecht kann Sharps Urteilsvermögen nicht gewesen sein, eine Million Dollar jährlich fuhr er mit seinem "Nebenjob" ein.

In der Sunday Book Review freut sich A.O Scott über die Wiederentdeckung Stefan Zweigs in der angelsächsischen Welt, woran nicht nur Wes Anderson mit seinem Film "Grand Budapest Hotel" Anteil hat, sondern auch George Prochniks Biografie "Stefan Zweig at the End of the World": "Prochnik versucht alles auf einmal zu erfassen. Das Ergebnis ist ein intellektuelles Festmahl aus unzähligen Kanapees. Am Ende hat man eine Menge Einsichten und Informationen über jüdische Literatur, über Wiener Sexualbräuche und literarischen Klatsch verdaut. Es ist ein unsystematisches Buch über einen Mann, zu dessen nachhaltigsten Vorzügen der Dilettantismus gehörte."

Magazinrundschau vom 11.06.2014 - New York Times

Scott Anderson hat für die New York Times mehrfach Bosnien besucht und beschreibt in einer langen Reportage, wie der "Friedensprozess" sich entwickelt hat. Geschossen wird nicht mehr, aber die Situation ist deprimierend: Amor Masovic sucht und findet immer noch Massengräber. Viele Muslime versuchen die Ereignisse zu vergessen. Ein Holländer, der damals bei der UN-Truppe war, die dem Massaker von Srbrenica zugeguckt hat, ist zurückgekehrt und lebt jetzt dort. Und serbische Politiker arbeiten erfolgreich an einer Relativierung der Ereignisse, etwa Milorad Dodik, Präsident von Srpska. "Vor den Präsidentschaftswahlen 2010 veröffentlichte Dodiks Regierung einen Report, wonach es in Srebrenica nicht nur keinen Genozid gegeben habe - auch die Zahl der Opfer sei stark übertrieben. Statt Dodik zu zensieren, drängte ihn das O.H.R. [das Büro des Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina] mild, "seine Schlüsse zu überdenken". Stattdessen nutzte Dodik den Gedenkgottesdienst in Bratunac am fünfzehnten Jahrestag des Massakers in Srebrenica, um zu behaupte: "Wenn ein Genozid stattgefunden hat, dann an den Serben in dieser Region, wo Frauen, Kinder und Alte in Massen getötet wurden." Die Wirkungskraft dieses Wandels ist klar. Als Moderater konnte Dodik 1998 nur Premierminister werden, indem er eine Koalition mit anderen politischen Parteien bildete. Als Ultranationalist erhielt er 2010 mehr Stimmen als die anderen neun Kandidaten zusammen."

In der aktuellen Weltcup-Ausgabe des Magazins generiert ein Artikel von Sam Borden gerade besonders viele Kommentare. Kein Wunder, Borden fragt, wie Jürgen Klinsmann den amerikanischen Fußball reformieren will. Etwa indem er, reichlich unamerikanisch, schon mal erklärt, dass man gegen Ghana, Portugal und Deutschland kaum eine Chance haben werde. Oops. Laut Borden allerdings eine realistische Aussage: "Anders als andere Teams arbeiten die USA immer noch an den Grundlagen. Lange oder kurze Bälle? Eine aggressive Defensive, die aus der typisch amerikanischen Kraft schöpft? … Klinsmann jedenfalls scheint der Richtige zu sein, den Graben zwischen Europa und den Staaten zu überbrücken. Er lebt mit seiner amerikanischen Frau in Kalifornien, trägt gern T-Shirt und Sneakers und fliegt in seiner Freizeit gern Hubschrauber … Wenn es um Fußball geht, ist er allerdings europäisch."

Den Aufmacher widmet Jeffrey Himmelblau dem seiner Ansicht nach größten Fußballspieler der Welt, Lionel Messi.

Magazinrundschau vom 06.06.2014 - New York Times

Im New York Times Magazine porträtiert Jesse Lichtenstein die junge amerikanische Indie-Lyrikerin Patricia Lockwood. "Motherland Fatherland Homelandsexuals" heißt ihr neuer Gedichtband, darin stehen solche Sachen: "Emily Dickinson was the father of American poetry and Walt Whitman was the mother. Walt Whitman nude, in the forest, staring deep into a still pool - the only means of taking tit-pics available at that time." Auf Twitter, wo Lockwood 38.000 Follower hat, schreibt sie ihre berüchtigten "Sexts": "I am a water glass at the Inquisition. You are a dry pope mouth. You pucker; I wet you." Die Fans lieben sie dafür und inzwischen auch die Verleger. Lockwood selbst umreißt ihre Poetik in aller Kürze: "Ein guter Nebeneffekt davon, nie ins College gegangen zu sein, ist der Umstand, dass es mir niemals peinlich ist, etwas nicht zu wissen. Ich weiß einfach zu viel nicht. Würde man mein Gehirn anschauen, es würde so sein, wie das jener Taxifahrer, die nur einen großen Hirnlappen haben mit nichts als Richtungen drin. Bei mir wären es halt Metaphern. Eine echte Ausnahmeerscheinung."

Magazinrundschau vom 30.05.2014 - New York Times

Das Magazin der New York Times hat einen Themenschwerpunkt Gesundheit. Ein spannender Beitrag von Michael Behar behandelt das Feld Bioelektronik und die Hypothese, dass zwischen Nerven- und Immunsystem eine Verbindung besteht. Kann die elektrische Stimulation des Vagusnervs Entzündungskrankheiten wie Arthritis abwenden? Und wenn ja, wie geht die Sprache dieser Krankheit? "Eine Herausforderung besteht darin, Krankheitssignale aus der Fülle "gesunder", neuronaler Signale herauszufiltern und zu verstehen, wie die Krankheit mit dem Nervensystem kommuniziert. So wie Computer sprechen auch Neuronen eine binäre Sprache, ihr Vokabular funktioniert nach dem Prinzip an/aus. Abfolge, Intervall und Intensität des An/Aus bestimmen die Informationsübertragung. Da jede Krankheit jedoch ihre eigene Sprache spricht, braucht es einen Übersetzer. Der Harvard-Physiker Adam E. Cohen und seine Kollegen setzen auf Optogenetik. Anstatt mittels Licht Neuronen zu aktivieren, verwenden sie Licht, um Neuronen-Aktivität aufzuzeichnen." Bleibt die Frage der Sicherheit. Auch wenn Bioeletronik weniger Nebenwirkungen verspricht als konventionelle Medizin, arbeitet sie doch mit Mitteln, die heikel sind. "Bioelektrische Implantate arbeiten mit kabelloser Justierung und Updates, so wie die Software auf einem iPhone. Kabellos aber bedeutet "hackable", manipulierbar. Eine beunruhigende Tatsache."

Außerdem: Jeneen Interlandi berichtet von einer neuen revolutionären Behandlungsmethode für posttraumatische Belastungsstörungen. Und Gretchen Reynolds berichtet von einer Studie mit neuen Erkenntnissen zum Abnehmen. Auf den Technologieseiten warnt Danny Hakim, dass es mehr als ein Gerichtsurteil braucht, um im Netz "vergessen" zu werden. Und John Markoff berichtet von Fortschritten bei der Teleportation von Daten, was Einsteins Diktum zur Quantenmechanik endgültig widerlegen könnte.

In der Sunday Book Review besprach Michael Lewis die Erinnerungen des vorletzten Finanzministers der USA, Timothy Geithner. Und Anne Enright besprach Edward St. Aubyns Roman "Lost for Words".

Magazinrundschau vom 23.05.2014 - New York Times

Dass Studenten aus wohlhabenden Elternhäusern in den USA im Schnitt viel häufiger ihren Collegeabschluss machen als "Arbeiterkinder", hat weniger mit Begabung zu tun hat als mit Selbstvertrauen, hat man an der Universität von Texas herausgefunden, wie Paul Tough im New York Times Magazine berichtet: "Die Studenten haben Zweifel, ob sie wirklich aufs College gehören. Und sie glauben, dass Intelligenz eine fixe Größe ist, die sich durch Lernen nicht verändern lässt. Wenn sie Erfahrungen machen, die sie glauben lassen, sie seien nicht schlau genug, eine schlechte Note etwa, interpretieren sie das als Zeichen dafür, dass sie es niemals schaffen werden... Studenten aus wohlhabenden oder akademischen Verhältnissen nehmen Rückschläge viel entspannter hin. Nur Studenten mit den speziellen Ängsten und Exklusionserfahrungen von Minoritäten haben offensichtlich ein Problem damit. Sie missinterpretieren momentane Rückschläge als dauerhaften Beleg dafür, dass sie es auf dem College nicht schaffen können."
Stichwörter: Soziologie, Texas, Ungleichheit

Magazinrundschau vom 09.05.2014 - New York Times

Thema Geld beim New York Times Magazine. In einem Gastbeitrag fragt Jesse Eisinger vom Non-Profit-Newsdesk ProPublica, wie es angeht, dass nur ein einziger, dazu nicht mal besonders skrupelloser Top-Banker für seine Rolle bei der Finanzkrise in den Staaten hinter Gittern sitzt. "Es sieht aus, als hätten die Behörden keinen Mumm, doch die Dynamik dahinter ist komplizierter. Das Justizministerium hat eine Reihe Fiaskos im Unternehmenssektor hinter sich, die zu bedeutenden Änderungen in der Strafverfolgung bei der Wirtschaftskriminalität geführt haben. Man setzte schließlich auf Vergleiche statt Gefängnisstrafen. Das zog einen Rückstand an Erfahrung nach sich, die aber nötig ist, um gegen die besten Anwaltskanzleien zu punkten. In der Folge wurden komplexe Finanzfälle immer wieder heruntergespielt. Hinweise, dass Lehman Vorstände mehr über den Liquiditätsmangel ihrer Bank wussten, als sie zugaben, wurden einfach vernachlässigt. Mitte der 90er machte Wirtschaftskriminalität 17,6 Prozent aller bearbeiteten Fälle aus, von 2009 bis 2012 waren es nur 9,4 Prozent ... Die Müßigkeit der Justiz hat zum Teil mit ihren eigenen Zielvorgaben zu tun. Bis in die 80er Jahre verfolgten Staatsanwälte individuelle Wirtschaftsstraftäter. Aber das Ausheben von Mafia-Clans wie den Bonnanos gab vielen das Gefühl, ganze Organisationen ins Visier zu nehmen, sei der effektivere Weg, um der Korruption Herr zu werden ... Die Behörden selbst haben allerdings andere Erklärungen: Die Fälle wären zu komplex, argumentieren sie, und den Jurys kaum auseinanderzusetzen. Außerdem hätten die Verfehlungen der Banker eher mit Leichtsinn zu tun, als mit Kriminalität."

Auf der Technologieseite berichtet David Streitfeld, dass Amazon Bücher des Hachette Verlags immer öfter erst nach zwei, drei Wochen ausliefert. Die Gründe dafür liegen nicht bei Hachette, versichert der Verlag. Streitfeld vermutet foul play von Amazon. Es wäre nicht das erste Mal: "2010 entfernte der Buchhändler alle Kauf-Buttons von Büchern des Macmillan Verlags, nachdem man sich nicht über die Preise der Ebooks einigen konnte. Zwei Jahren später verhandelte Amazon mit der Independent Publishers Group über höhere Rabatte. "Sie erklärten, dass wir unsere Bedingungen herunterschrauben müssten" sagte damals IPG-Präsident Mark Suchomel. "Es war unvernünftig. Man kann nur bis zu einer bestimmten Grenze gehen." Amazon entfernte prompt 4.000 Ebooks von IPG aus seinem Angebot. Nach langen und diskret geführten Verhandlungen einigten sich die Parteien und die Bücher wurden wieder aufgenommen."

Außerdem: In der Sunday Book Review wurden zwei Präsidentenbiografien besprochen - über James Madison (hier) und John Quincy Adams (hier).

Magazinrundschau vom 02.05.2014 - New York Times

Im Magazin der New York Times fragt Charles Siebert den Juristen und Präsidenten des "Nonhuman Rights Project" Steven Wise, ob Tiere justiziable Personen sein können, die ihre Eigner verklagen können. Eine spannende Frage, weniger absurd, als sie zunächst erscheint: "Vor zehn Jahren wäre Wise für seine Bemühungen ausgelacht worden. Was die Sache heute realistisch erscheinen lässt, hat zum Teil mit den Fortschritten in der neurologischen und genetischen Forschung zu tun, die zeigt, dass Tiere wie Schimpansen, Orkas und Elefanten über Selbstbewusstheit, Selbstbestimmung und einen Sinn für die Vergangenheit wie für die Zukunft verfügen. Sie haben eigene Sprachen, komplexe soziale Beziehungen und die Fähigkeit, Werkzeug zu benutzen. Sie trauern, fühlen mit und vererben ihr Wissen. Mit anderen Worten, sie haben die gleichen Eigenschaften, die wir für spezifisch menschlich hielten. Wise möchte diese Tatsache nutzen, um seine Klienten zu "autonomen Lebewesen" zu erklären, die in der Lage sind "frei zu wählen, sich selbst zu definieren und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, ohne dabei reflexartig oder nach Maßgabe angeborenen Verhaltens zu agieren". Für Wise sind diese Fähigkeiten die Mindestanforderung für justiziable Personen." Dazu gibt es eine Videodoku, in der Wise den Unterschied zwischen einer Sache und einer Person erläutert.

Außerdem im NYT Mag: Gretchen Reynolds erklärt kurz und wissenschaftlich, warum Schokolade gut für uns ist.
Stichwörter: Tierrechte, Autonome, Elefanten

Magazinrundschau vom 19.04.2014 - New York Times

John Jeremiah Sullivan zeigt, was ein mit Film, Foto und Audiosnippets interaktiv gestalteter Essay alles kann. Zum Beispiel auf grandiose Weise die Geschichte zweier Frauen erzählen, Elvie Thomas und Geeshie Wiley, die mit drei Blues-Platten und zwei Songs, "Motherless Child Blues" und "Last Kind Words Blues", aufgenommen 1930/31, die afroamerikanische Musik des 20. Jahrhunderts mit beeinflusst haben, aber fast vollständig in Vergessenheit gerieten. Sullivan schildert, wie damals Jazz, Country und Blues auf Schellack vertrieben wurden, nämlich als Accessoire in Möbelgeschäften. Aufgenommen wurde in den kalten, feuchten, scheunenartigen Studios der Paramount, die Fenster mit Decken verhängt, auf dem Boden dicke Teppiche: "Ein dunkler, pelziger Schuhkarton, schlimmer Ort, um Musik aufzunehmen. Die Künstler bekamen Alkohol, um sich aufzulockern. Die Aufnahmetechnik war ein Monster, elektrisch, aber vom Anschein her akustisch. Man sang in einen riesigen hölzernen Trichter, der den Sound zu einem Mikrofon leitete … Nach jedem aufgenommenen Song mussten die Toningenieure das System aus Gewichten und Riemenantrieb neu justieren. Die Eigenwilligkeiten des Systems sind auch zu hören, etwa nach den ersten 2/3 von "Motherless Child Blues", wenn das Tempo sich plötzlich leicht ändert."

Magazinrundschau vom 11.04.2014 - New York Times

Zum Tod des amerikanischen Schriftstellers, Umweltaktivisten, Zen-Priesters und vermeintlichen CIA-Agenten Peter Matthiessen, Autor der Generation von Kurt Vonnegut und E.L. Doctorow, bringt das Magazin der NY Times einen Text von Jeff Himmelman, in dem unter anderem zu erfahren ist, wie Matthiessens Faszination für die Natur und sein Erzählen einander befruchten konnten: "In den späten 60ern schickte der New Yorker Matthiessen auf die Suche nach der Grünen Meeresschildkröte vor Nicaragua. Matthiessen lieferte seinen Artikel ab, fand aber, ein Roman würde besser ausdrücken, was er erlebt hatte. Acht Jahre experimentierte er an der Geschichte. Das Ergebnis war "Far Tortuga", ein in jeder Hinsicht radikaler Roman mit Leerstellen, Dialogen ohne Anführungszeichen und Zuordnung, Piktogrammen, handgemalten Illustrationen und, das Erstaunlichste vielleicht, nur ein oder zwei Vergleichen im gesamten Text … Die Auslöschung des Ichs gehört zu den Standards im Zen. Ebenso das Streben nach Einfachheit und der Verzicht auf Ausschmückung. "Ein Kakerlak, der unter dem Küchenschrank hervorkommt, Fühler aufgerichtet, das ist so überwältigend und schräg und schön, dass niemand einen Vergleich braucht, z. B. "wie eine Radioantenne" oder so was", sagte er. "Nicht nötig. Die Sache an sich ist so gut.""

Außerdem schreibt Michael Lewis eine seiner gefürchten Wirtschaftsreportagen, diesmal knöpft er sich den Hochfrequenzhandel vor.

Magazinrundschau vom 04.04.2014 - New York Times

Kann es sein, dass der Niedergang der französischen Küche noch zu stoppen ist? Das vielleicht nicht. Aber es gibt Zeichen für einen Neuanfang, schreibt Michael Steinberger in einem nützlichen und ausführlichen Artikel im Magazin der New York Times. Die Anstöße kommen ausgerechnet zum großen Teil von ausländischen Köchen in Paris - die französisch und nichts anderes kochen wollen. Steinbrenner stellt eine ganze Reihe von Restaurants vor, eines sei herausgegriffen: "Abri ist eine der schwierigsten Reservierungserfahrungen in Paris. Vielleicht ist es auch das verrückteste Restaurant in Paris, nur wenig größer als ein Schuhkarton, und die offene Küche auf einer Seite des engen Raums sieht aus wie bei einem Imbiss. Die gesamte Equipe ist japanisch, keiner spricht Englisch, und ihr Französisch ist ebenfalls recht lückenhaft. (Aber das macht nichts, sie gehen ohnehin nie ans Telefon und antworten nicht auf E-Mails. Ich bin überhaupt nur reingekommen, indem ich vorbeiging und mich auf eine Warteliste setzen ließ, zwei Tage später um 11 Uhr kam ein Anruf, dass ich einen Tisch für Mittags halb zwei haben kann.) Der rätselhafte Geist hinter dem Abri ist Katsuaki Okiyama, der bei dem berühmten Joel Robuchon lernte und im Taillevent, einem der Restaurants der vornehmen alten Garde gearbeitet hatte, bevor er sich selbständig machte. Er sagt, dass er keine Lust hatte, nach Japan zurückzugehen. Er wollte "französisch für Franzosen" kochen." Mehr übers Abri auch hier. Die beiden Zeitschriften, die man in Frankreich lesen muss, um auf dem laufenden zu sein sind: Le Fooding (Website) und Omnivore (Website).

Außerdem im Magazin: Carina Chocano porträtiert den 15-jährigen Chefkoch Flynn McGarry, der nicht nur Jugend und herausragendes Talent hat, sondern auch noch umwerfend gut aussieht. Und Jonah Weiner stellt zwei Brüder vor, die das beste Bier in Dänemark brauen, aber zutiefst verfeindet sind - eineiige Zwillinge eben, mit Bärten!

Weiteres: Im Kulturteil berichtet Noam Cohen, dass immer mehr Organisationen wie etwa Museen die Wikipedia entdeckenund Wikipedianer zu "edit-a-thons" einladen, um bisher unerschlossene Wissensbereiche zugänglich zu machen. In der Book Review bespricht Peter Bogdanovich die John-Wayne-Biografie von Scott Eyman, Hari Kunzru schreibt über Teju Coles Buch "Every Day Is for the Thief", Judith Shulevitz bespricht Simon Schamas Geschichte der Juden und der Autor Daniel Woodrell stellt Amy Greenes "Long Man" vor.