
Das
New York Times Magazine hat in dieser Woche einen großen Schwerpunkt zum Thema
pekuniärer Ungleichheit. Auf dem Titel ist
John Edwards zu sehen, der die Bekämpfung der Armut in den USA zum Schwerpunkt seines Präsidentschaftswahlkampfs gemacht hat. Matt Bai hat ihn unter anderem nach New Orleans begleitet,
hält aber wenig von einer Dramatisierung der Lage: "Es ist wahr, dass die offizielle Armutsrate bei manchem Auf und Ab heute ungefähr da liegt, wo sie vor vierzig Jahren schon lag (14,2 Prozent waren es 1967, bei der letzten Zählung knapp unter 13), es ist aber auch wahr, dass sich das, was wir
Armut nennen, dramatisch verändert hat. Unter Johnson gab es in ländlichen Gebieten noch Bedürftige, die keine Elektritzität,
kein fließendes Wasser, keine Grundschulausbildung hatten. Heute haben die meisten Städte auch in ländlichen Gegenden Satelliten-Fernsehen und selbst die schlimmsten der in den Sechzigern entstandenen Sozialbauten haben, auch wenn das Leben dort furchtbar ist, dichte Dächer und funktionierende Leitungen."
Die präzisen
statistischen Daten für die USA, die Roger Lowenstein
vorstellt, zeigen freilich das eigentliche Problem:
stagnierende Einkommen am unteren Ende - und explodierende am oberen. Oder, wie es David Leonhardt im Porträt des ein wenig wirtschaftsskeptisch gewordenen einstigen Clinton-Beraters
Lawrence H. Summers formuliert: "Es ist, als schickte jeder Haushalt aus den unteren 80 Prozent der Einkommensstatistik einmal im Jahr einen Scheck über
7000 Dollar an das eine Prozent an der Spitze." Mimi Swartz hat die von Millionären bewohnte,
vor Miami gelegene
Luxussiedlung "Fisher Island"
besucht, die nur per Fähre, Hubschrauber und Privatflugzeug erreichbar ist. Jason DeParle
fragt, wem eine mögliche
Globalisierung der Arbeit zugute kommt.
In der
New York Times Book Review liefert Irvine Welsh eine begeisterte Besprechung von
Andrzej Stasiuks ins Englisch übersetztem Roman
"Neun": "Ein Merkmal eines genuinen Autors ist seine oder ihre Fähigkeit, einen Ort zu beschwören, der uns sofort vertraut erscheint, obwohl wir damit keinerlei persönliche Erfahrung verbinden... Andrzej Stasiuk ist so ein Autor." Und Tom Bissell
würdigt den kürzlich verstorbenen polnischen Reporter
Ryszard Kapuscinski und sein Buch
"Meine Reisen mit Herodot".