Magazinrundschau - Archiv

Quillette

27 Presseschau-Absätze - Seite 2 von 3

Magazinrundschau vom 17.10.2023 - Quillette

Jeffrey Herf gehört neben Paul Berman und Matthias Küntzel zu jenen Autoren, die über die Nazi-Liaison der Muslimbrüder und des Muftis von Jerusalem Bücher publiziert haben. Hier fasst er nochmal zusammen, was man weiß. Die Pogrome der Hamas liegen für ihn ganz und gar in dieser Tradition, die mit einem nationalistischen Befreiungskampf nichts zu tun hat, sondern aus einem religiösen Judenhass kommt, der von den Nazis die Idee der Vernichtung übernommen hat. Schon nach dem Krieg lenkte der Mufti den Krieg gegen Israel in eine apokalyptisch-religiöse Richtung: "Vierzig Jahre später ließ die Hamas den islamisch begründeten Judenhass von al-Banna und al-Husseini wieder aufleben. Von der Muslimbruderschaft in Ägypten und Gaza bis hin zur Islamischen Republik Iran argumentierten die Islamisten, dass die säkularen Nationalisten und Linken in der PLO und den arabischen Staaten bei der Vernichtung Israels in den Kriegen von 1967 und 1973 versagt hätten. Schlimmer noch, aus ihrer Sicht bot das Abkommen von Camp David von 1978 eine schwache Aussicht auf eine Kompromisslösung. Der religiöse Fundamentalismus bildete für sie die Grundlage für die Ablehnung eines Kompromisses mit Israel, weil er dafür sorgte, dass der säkulare Konflikt um Land und Grenzen auch zu einem Religionskrieg wurde, und somit jede Verhandlungslösung ausschloss."

Magazinrundschau vom 15.08.2023 - Quillette

Quillette bringt eine mehrteilige Serie des Historikers Greg Koabel über die Vorgeschichte des Staates Kanada. In diesem Teil befasst er sich mit dem Pelzhandel, der zu boomen begann, nachdem den Europäern der russische Pelzmarkt weggebrochen war, was auch die Lebensweise der Einheimischen veränderte. Und die waren oft sehr aktiv in den Handel involviert, so Koabel: "In den 1580er Jahren unterhielten die Basken auf der Ile aux Basques vier Walfangstationen, und wie in der Straße von Belle Isle gibt es Belege dafür, dass sie an diesen Standorten indigene Arbeitskräfte beschäftigten. Diese Arbeitsbeziehungen erleichterten wahrscheinlich den Handel, und die Basken erkannten schnell das Potenzial des Saguenay-Flusses. Die Innu, die das Land im Nordosten bewohnten, erkannten ebenso schnell die Vorteile, die sich aus der Kontrolle der Pelzlieferungen eines ganzen Kontinents ergaben. Während die Europäer im vergangenen Jahrhundert viel über die Handelspraktiken der Eingeborenen gelernt hatten, waren die Innu ebenfalls zu eifrigen Schülern des europäischen Handels geworden. Vor allem verstanden sie den Wert ihrer Stellung als Zwischenhändler zwischen Quelle und Käufer. In den folgenden Jahrzehnten verfolgten die Innu eine beharrliche Politik zur Aufrechterhaltung dieser privilegierten Stellung. Sie weigerten sich höflich, aber bestimmt, abenteuerlustige Europäer auf den Saguenay zu führen (und hielten damit die Mythen über das, was dahinter lag, aufrecht). Gleichzeitig verbreiteten sie in den nördlichen Eingeborenengemeinden Geschichten über europäische Bosheit und Grausamkeit: Es ist besser, wenn ihr eure Pelze flussabwärts schickt und den Innu den direkten Handel mit diesen gefährlichen Fremden überlasst."

Magazinrundschau vom 07.02.2023 - Quillette

Dissidenten aus postkolonialen Ländern wie Olufemi Taiwo (siehe oben) mögen sich doch glaubhafter mit der Kritik an postkolonialen Theorien auseinandersetzen, als christliche Ethikprofossoren aus Oxford wie Nigel Biggar, dessen Buch "Colonialism - A Moral Reckoning" behauptet, es sei doch nicht alles schlecht gewesen am britischen Empire. John Lloyd stimmt ihm weitgehend zu. In einem Punkt mag man ihm sogar folgen: "Sich mit einer Version des Empire zu begnügen, die nur eine korrupte und arrogante Klasse bei der äußerst brutalen Ausplünderung eines Viertels der Welt zeigt, bedeutet, die von ihr auch geförderte und bewahrte liberale Demokratie auf eine bloße Fassade zu reduzieren, die Gewalt, Korruption, Habgier und Heuchelei verdeckt."

Magazinrundschau vom 27.09.2022 - Quillette

Aaron Sarin erzählt von den Fortschritten der Überwachungstechnologie in China, die nun direkt auf die Köpfe der Menschen zielt - hier sind noch nicht so viele Erfolge zu verzeichnen, so Sarin, aber es ist schlimm genug, was so passiert: Kindern werden Chips in die Schuluniformen genäht, damit sie lückenlos verfolgt werden können. Die restliche Welt sollte sie vorsehen, denn China möchte auch das Ausland entsprechend kontrollieren: "Xis techno-totalitärer Zugriff reicht weit über Chinas 'sichere Städte' und die Grenzen des Landes hinaus. Die sogenannte digitale Seidenstraße erstreckt sich über die gesamte Landkarte in alle Richtungen. KI-gestützte Kameras werden an Malaysia im Süden und die Mongolei im Norden verkauft. Sie werden über den Indischen Ozean nach Sri Lanka verschifft. Weiter westlich erreichen sie die afrikanischen Küsten: Ägypten, Kenia, Mauritius, Uganda, Sambia, Simbabwe. Auf der anderen Seite der Welt kommen sie mit Hilfe chinesischer Kredite nach Ecuador und Bolivien. Sichere Städte kommen sogar nach Europa, wo Serbien eine Kombination aus KI-Kameras und gemeinsamen Patrouillen der serbischen und chinesischen Polizei eingeführt hat, um den chinesischen Touristen das Gefühl zu geben, dass sie immer noch in China sind und dass sie niemals aus den Augen gelassen werden."

Magazinrundschau vom 20.09.2022 - Quillette

Bestürzt, auch empört, schreibt der Zeithistoriker Jeffrey Herf über eine Entschuldigung, die der amerikanische Historiker James Sweet verfasst hat. Sein Vergehen? Er hatte unter dem Titel "Is History History?" eine Kolumne im Journal der American Historical Association verfasst, deren Präsident er ist, und dort gefragt, ob Geschichte heutzutage nicht enthistorisiert wird. "Präsentismus", war seine Diagnose, liest Geschichte nur als Vorgeschichte eigener Obsessionen, meist im Zeichen modischer Ideologien. Es folgte der übliche Shitstorm der Errniedrigten und Beleidigten und jener, die sich als Erben dieses Status betrachten. Die Entschuldigung schadet Sweets Disziplin mehr als die Diagnose, meint Herf: "Professor Sweets Stelle an der Universität von Wisconsin-Madison ist sicher. Und er ist der Präsident der American Historical Association. Dennoch entschuldigte er sich, obwohl er nichts zu befürchten hatte, und fügte damit seinem Berufsstand und der AHA unnötigen Schaden zu. Er hatte sich für nichts zu entschuldigen, aber in der Geschichte und im Leben sind diejenigen, die nichts Falsches getan haben, oft am ehesten bereit, sich zu entschuldigen, während die tatsächlichen Verbrecher und Übeltäter nur leugnen oder sich herausreden. Es ist unmöglich, sich als seriöser Historiker mit so wichtigen Themen wie der Geschichte der Sklaverei - oder in meinem Fall mit der Geschichte des Nationalsozialismus, des Kommunismus und des Antisemitismus in der modernen deutschen Geschichte - zu befassen, ohne jemanden zu beleidigen."

Magazinrundschau vom 02.08.2022 - Quillette

Max Wilson erzählt die bewegende und wehmütige Geschichte einer Soulband, die Riesenhits hätte haben können, wenn sie nur gekonnt hätte. Aber sie war ein Gefängnisprojekt in Wisconsin, ins Leben gerufen von dem Musklehrer Dave Bultman, der seinen Häftlingen strenge Bedingungen stellt, wenn sie bei seinen Projekten mitmachen wollten: Sie mussten Instrumente, Noten und Musiktheorie lernen. Wilson hat für seinen Artikel auch mit dem letzten überlebenden Musiker der Band, Joe Hayes, gesprochen. Die Soulband Upheaval erreichte nur deshalb eine gewisse Bekanntheit weil ihre einzige Single "Paradise Lost" als eine der meistgesuchten der Welt gilt. Angeblich wurde sie nur 25mal gepresst. Auch einige Videoaufnahmen sind überliefert, die man in Wilsons Artikel betrachten kann: "Erst nach ihrer Inhaftierung lernten die meisten Mitglieder von Upheaval, Instrumente zu spielen. Das vielleicht erstaunlichste Beispiel dafür war James Lampkins, der auf einer der beiden einzigen erhaltenen Upheaval-Filmaufnahmen von 1975 zu sehen ist, wie er das Vibraphon bei 'Happy Hooker' und das abschließende Gitarrensolo in 'Ready Train' spielt. Hayes erzählte mir, dass Lampkins ein Naturtalent war und sich schnell in Musiktheorie und Komposition einarbeitete. Trotz seiner musikalischen Frühreife starb Lampkins nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis obdachlos in Milwaukee. Tragischerweise war dies ein gemeinsames Thema mit anderen Bandmitgliedern. Ohne die Haft hätte es Upheaval nicht gegeben, denn sie ermöglichte es ihnen, jahrelang gemeinsam zu üben und zu proben, aber die Inhaftierung erwies sich auch als ihr Fluch. Nach der Entlassung einen festen Job zu finden und ein Dach über dem Kopf zu haben, war für viele von ihnen aufgrund ihrer kriminellen Vorgeschichte fast unmöglich."

"Paradise Lost" kann sich mit den besten Stax-Produktionen messen:

Stichwörter: Soul, Upheaval

Magazinrundschau vom 22.02.2022 - Quillette

Respekt für fremde Kulturen ist etwas gutes - aber gilt das wirklich immer? Die Anthropologin Elizabeth Weiss würde das verneinen, seit sie festgestellt hat, dass viele indigene Gemeinschaften ausgesprochen frauenfeindlich sind. So dürfen manchmal bestimmte Artefakte von Kuratorinnen nicht berührt werden. Erst recht nicht, wenn sie menstruieren: "In einem Artikel aus dem Jahr 2003 über die Bedeutung der 'Inklusivität' im archäologischen Bereich berichteten die Wissenschaftler Katherine Dowdall und Otis Parrish, dass die Zusammenarbeit des kalifornischen Verkehrsministeriums mit dem Stamm der Kashaya Pomo von Frauen verlangte, bei der Menstruation ein bestimmtes Protokoll zu befolgen. (Interessanterweise wurden auch die Männer aufgefordert, eigene Protokolle zu befolgen, wenn ihre Partnerinnen menstruierten, in der Annahme, dass die imaginäre menstruelle Verunreinigung im häuslichen Bereich weitergegeben wurde). Einige Archäologen fühlten sich bei dieser Regelung unwohl und waren besorgt über die Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmerinnen. (An einem normalen Arbeitsplatz ist es in der Regel nicht erlaubt, eine Kollegin zu fragen, ob sie menstruiert, geschweige denn, sie auf dieser Grundlage zu diskriminieren.) Dowdall und Parrish stellten fest, dass niemand seinen Arbeitsplatz verlor, weil er sich gegen solche Regeln gewehrt hatte, aber die Manager hatten Berichten zufolge auch darauf geachtet, niemanden einzustellen, der vorher angedeutet hatte, dass er oder sie sich nicht an diese Art von 'integrativem' Regelwerk halten würde."

Magazinrundschau vom 01.02.2022 - Quillette

Als die Schulen pandemiebedingt geschlossen waren, haben viele amerikanische Eltern erstmals mitbekommen, was ihre Kinder in der Schule lernen. Und ein guter Teil war nicht glücklich über den Lehrplan. Ihnen wurde entgegengehalten, dass man Entscheidungen darüber besser den Pädagogen und Experten überlassen soll. Das ist Unsinn, findet Moshe Krakowski, selbst Lehrer ist, und warnt vor einer Überheblichkeit, die vor allem Milieuschutz sei: "Menschen, die in den Medien oder in der Politik arbeiten, neigen zu der Annahme, dass ihre Erfahrungen unbestreitbar allgemeingültig sind. Sie sind fast immer Stadtbewohner mit Hochschulbildung, die gut ein Schulsystem navigieren konnten, das ebenso sehr aus Vernetzung und Konformität besteht wie aus Algebra und Biologie ist. Für sie ist und war Bildung eine vorwiegend soziale und kulturelle Realität, deren Inhalt zufällig aus akademischen Inhalten besteht. Sie zeichnen sich aber vor allem in etwas aus, das Bildungsforscher als 'versteckten Lehrplan' bezeichnen - die grundlegenden Normen und Werte, die das Rückgrat der Sozialisierung in bestimmten Weltanschauungen und Praktiken bilden. Und weil sie (vielleicht unbewusst) das Bildungswesen mit dieser Sozialisierung gleichsetzen, neigen sie dazu, die sozialen Werte der Erziehung von Erziehungsfachleuten bestimmen lassen zu wollen, nicht von den Eltern. Aber das ist ein großer Fehler."

Außerdem: Imran Said wirft einen Blick auf muslimische Länder in Europa, Asien und Afrika und stellt fest, dass der Islamismus fast überall aus der Mode kommt.

Magazinrundschau vom 04.01.2022 - Quillette

Am 26. Dezember 2021 starb der Biologe Edward O. Wilson im Alter von 92 Jahren. In einem Interview aus dem Jahr 2009 erzählt er, wie 1978 auf offener Bühne ein Krug Wasser über ihm ausgegossen wurde - schon damals war die "Idee einer biologischen Natur des Menschen den Demonstranten zuwider, tatsächlich war sie zu jener Zeit für viele Menschen zu radikal - wahrscheinlich für die meisten Sozialwissenschaftler und sicherlich für viele auf der äußersten Linken", erzählt Wilson, der seine Sozialbiologie immer wieder gegen Rassismusvorwürfe verteidigen musste, im wieder aufgelegten Interview mit Alice Dreger. "Wissen Sie, wenn wir eine ehrliche Biologie gehabt hätten, die streng als Wissenschaft angesehen worden wäre, hätten wir wahrscheinlich - das ist natürlich ein unmögliches Szenario - nicht den Pseudo-Rassismus und die mörderische Ideologie der Nazis gehabt. Aber sie war nicht als Wissenschaft geschützt, auch nicht in diesem Land. Das ist etwas, worüber die radikale Linke selten nachgedacht hat. Die Roten Khmer haben die Vorstellung der extremen Linken aufgegriffen, wonach der menschliche Geist so geformt werden kann, dass er in das perfekte System passt. Was man in Kambodscha also tun musste, war, die Menschen aus den 'bösen' Städten herauszuholen und sie in Kommunen zu stecken und all diejenigen loszuwerden, die auf die 'falsche Weise' programmiert waren, um ein neues Paradies zu schaffen. Auf der einen Seite gibt es also die Idee der rassischen Reinheit eines arischen Volkes, bei der es nur um Biologie geht. Und auf der anderen Seite die Vorstellung von der kulturellen Reinheit einer radikalen Reformgesellschaft. Das sind die beiden Extreme, und viele Menschen haben unter ihnen gelitten. Sie basierten beide auf schlechter Wissenschaft. Ich vermute, dass es immer noch Nachklänge oder Nachbeben dieser Denkweisen gibt. ... Wir haben steinzeitliche Gefühle, mittelalterliche Institutionen und gottgleiche Technologie. Das ist ein Riesenproblem! Solange wir nicht verstehen oder gar akzeptieren, dass unsere Emotionen paläolithisch sind und eine evolutionäre Grundlage haben, werden wir nicht das Gleichgewicht halten und die richtigen Dinge tun können."

Magazinrundschau vom 19.10.2021 - Quillette

Boston Pride hat sich aufgelöst. Eine der ältesten und bekanntesten Schwulen- und Lesbenorganisationen der USA hat sich selbst aufgelöst, nach einem langen Streit um die Rolle von Transgender und BLM. Obwohl das Komitee in den letzten Jahren praktisch allen Forderungen nachkam, reichte es den QTBIPOC (Queer, Trans, Black, Indigenous und People of Color) nie, erzählt Maxwell Meyer. Sie wollten die ganze Macht. Das Ende von Boston Pride wirft für Meyer eine wichtige Frage für Aktivisten auf: "Was tun wir, wenn wir gewinnen?" Die Rechte von Homosexuelle in den USA sind heute juristisch und gesellschaftlich durchgesetzt, also versucht ein Block, so Meyer, sich durch Radikalismus neu zu profilieren: "Wenn die Rechte der Schwulen und Lesben nicht mehr radikal sind, muss die LGBT-Bewegung ihre Energie und ihre Ressourcen in Dinge stecken, die die Möglichkeit einer militanten Politik bieten - wie radikale Gender-Bewegungen, die Auslöschung des biologischen Geschlechts, Antikapitalismus, Dämonisierung Israels, extreme Formen des 'Antirassismus', Pazifismus und die Abschaffung der Polizei. Selbst Schwule und Lesben, die heute als 'privilegierte' Elite der LGBT-Bevölkerung angesehen werden, sind Gegenstand von Misstrauen und sogar Feindseligkeit. Dieser Radikalismus ist völlig losgelöst von der Realität, dass die LGBT-Bewegung fast alle ihre Ziele erreicht hat. Sogar in Bezug auf die nominell radikalen Ziele, die diese Aktivisten anstreben, ist die Einbildung, mutig und revolutionär zu sein, ziemlich dünn, da sich zeigt, dass viele dieser Ziele aktiv von progressiven Politikern, Akademikern, großen kulturellen Institutionen, Hollywood und sogar von 'woken' Unternehmen unterstützt werden. Aktivisten, die sich einreden, dass sie gegen das System wüten, sind in vielen Fällen selbst zu einem Teil des Systems geworden."