Magazinrundschau - Archiv

Unherd

3 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 18.08.2020 - Unherd

Der britisch-nigerianische Journalist Ralph Leonard ist der Diskussionen um schwarz und weiß und was davon man groß schreibt, ein wenig müde. Das bringt doch nur die identitäre Rechte weiter, meint er. "Die Wahrheit ist, dass die Ähnlichkeiten zwischen 'schwarzen' und 'weißen' Amerikanern viel größer sind als die Unterschiede. Das gesamte Regal der modernen amerikanischen Musik würde ohne schwarze Amerikaner nicht existieren. Das, was wir 'schwarze Kultur' nennen, gäbe es nicht ohne die europäischen Einflüsse, auf die sie sich stützen musste. Darauf weist Albert Murray in seinem Meisterwerk 'The Omni-Americans' von 1970 hin, das er als 'Gegendarstellung' zu den 'rassenorientierten Propagandisten' seiner Zeit schrieb: 'Die Vereinigten Staaten sind in Wirklichkeit keine Nation von Schwarzen und Weißen. Es ist eine Nation von vielfarbigen Menschen. Es gibt sozusagen weiße Amerikaner und schwarze Amerikaner. Aber jeder Dummkopf kann sehen, dass die Weißen nicht wirklich weiß sind und dass schwarze Amerikaner nicht schwarz sind. Sie sind alle auf die eine oder andere Weise miteinander verbunden.' ... Das eigentliche Problem des Hochspielens rassischer Kategorien besteht darin, dass sie - wie viele der symbolischen Aktionen, die auf dieses 'rassische Erwachen' folgten, vom Stürzen von Statuen bis zum Rebranding durch Unternehmen - die Illusion erzeugen, dass ein weitreichender Wandel 'endlich' stattfindet. Aber wirkliche Fortschritte werden erst dann eintreten, wenn sich die materiellen Bedingungen der schwarzen Amerikaner verbessert haben und wenn Gesetze und institutionelle Praktiken, die die Polizei befähigen, Bürger zu misshandeln, aufgehoben werden."

Magazinrundschau vom 14.07.2020 - Unherd

Der britisch-nigerianische Autor Ralph Leonhard kann die Anklagen wegen und Entschuldigungen für kulturelle Aneignung nicht mehr hören und weist auf das offensichtliche hin, nämlich dass der Kampf gegen kulturelle Aneignung in die kulturelle Wüste führt: "Es ist kein Zufall, dass viele Agitatoren gegen die kulturelle Aneignung sozialbewusste farbige Menschen sind, Immigranten der zweiten und dritten Generation, deren Bindung an ihr Erbe prekär ist. Vielleicht fühlen Sie sich in Ihrem Heimatland als Ausländer, könnten aber auch im Land Ihrer Eltern als Tourist unterwegs sein. Das Beste, was Sie tun können, ist, die Teile Ihres Erbes, die Sie schätzen, zu nehmen und in sich aufzunehmen, um eine Verbindung zu all dem zu haben. Selbst dann fühlt es sich distanziert und instrumentell an. Als Britisch-Nigerianer kenne ich das Gefühl der Entfremdung und Entwurzelung. Aber ich sehe diese Entwurzelung, diese proletarische 'Wurzellosigkeit', so paradox es auch erscheinen mag, als die Grundlage für eine neue höhere Form der Befreiung. Eine der harten Wahrheiten der modernen Existenz ist, dass es so etwas wie eine verwurzelte, stabile und authentische Identität nicht gibt, mit der man sich nach seismischen Prozessen wie Kolonialismus, Migration und Globalisierung wieder verbinden kann. Deshalb finde ich den ärgerlichsten Aspekt dieses Arguments die auffällige, aber selten erwähnte Annahme, dass nur Weiße die Freiheit haben, sich von ihren 'Wurzeln' zu lösen und universell, weltlich, kosmopolitisch, mobil und proteisch zu werden. Aber 'farbige Menschen' sollen speziell sein, provinziell, verwurzelt in ihren alten kulturellen und spirituellen Traditionen. Die Kulturkämpfer versuchen nicht einmal, die kulturelle Freiheit und die Möglichkeiten für nicht-weiße Künstler zu erweitern. Nein, sie wollen, dass alle, auch die Weißen, provinzialisiert werden."

Außerdem: Tom Chivers erzählt von einem gruseligen Versuch im britischen Fernsehkanal Channel Four nicht anonymisierten Schulkindern mit einem Test, der die Trennung von weißen und nicht-weißen Kindern voraussetzte, ihren "unbewussten Rassismus" auszutreiben.

Magazinrundschau vom 09.06.2020 - Unherd

Die Briten hören es nicht gern, aber Antisemitismus hat auch in ihrem Land eine Tradition, erklärt BBC-Redakteur Matthew Sweet. Auch in der populären Kultur des 20. Jahrhunderts: "Sehen Sie, wie in Hitchcocks 'Die 39 Stufen' (1935) Robert Donat und Madeleine Carroll eine Verschwörung entwirren; dann gehen Sie zurück zu John Buchans Roman und Sie werden feststellen, dass es sich um dieselbe Verschwörung handelt wie in 'Die Protokolle der Ältesten von Zion', die laut einer Figur von 'einem kleinen, weißgesichtigen Juden in einem Liegestuhl mit Augen wie eine Klapperschlange' ausgeheckt wurde. Sehen Sie sich 'Brighton Rock' von den Boulting-Brüdern (1948) an und rennen Sie mit den italienischen Rasiermesserbanden von East Sussex aus der Mitte des Jahrhunderts mit; beachten Sie dann, dass die Gangster in Graham Greenes Roman von 1938 Juden sind, die mit unschönen Begriffen beschrieben werden, die der Autor 1970 stillschweigend aus dem Text heraus redigierte. Oder genießen Sie den elegant mörderischen Klassenkampf von Ealings 'Kind Hearts and Coronets' (1949) und finden Sie dann eine Kopie seiner Quelle, Roy Hornimans Buch 'Israel Rank: The Autobiography of a Criminal' (1907), und entdecken Sie, dass der Protagonist kein Italiener wie Dennis Price ist, sondern ein Jude, der ein aristokratisches Baby tötet, indem er dessen Kindermädchen verführt und das Kinderbett mit einem mit Scharlachfieberkeimen getränkten Taschentuch beschmutzt. Territorium der Ritualmordlegende."