Dass ausgerechnet
Bill Gates im Zentrum vieler
Verschwörungstheorien zur Coronakrise steht, hat unter anderem einen ganz einfachen
praktischen Grund,
schreibt Elke Wittich in einem interessanten Hintergrund bei
golem.de: Es stehen bereits einige
ältere Videos von Gates im Netz, die man so praktisch
manipulativ umschneiden und frisieren kann, was die "selbsternannten Verschwörungsaufdecker" sehr gerne tun: "Sie benutzen aus dem Zusammenhang gerissene Sätze, absichtlich leicht falsch zitiert, angereichert mit Zitaten aus ähnlich wie sie denkenden Quellen.
A zitiert B,
der C zitiert, wobei C den vorherigen Artikel von A als Quelle angibt. Man nennt dies '
Zirkelreferenzen', weil sich dadurch immer neue Kreise bilden. Eine neue Verschwörungstheorie wird dazu gern mit thematisch ähnlichen, schon bestehenden und über viele Fans verfügende Theorien verbunden." Bei
politico.eu geben Mark Scott and Steven Overly einen Überblick über
dies- und jenseits des Atlantik grassierende Verschwörungstheorien.
Stefan Römermann
erklärt im
Deutschlandfunk, warum der Messenger
Telegram, der auf auf den ersten Blick so funktioniert wie Whatsapp zum Lieblingstool der Rechtsextremen geworden ist und zitiert dabei den Experten Martin Fehrensen vom
Social Media Watchblog: "Bei Whatsapp hat man eine Obergrenze von 256 Menschen, die man in einer Gruppe erreichen kann. Bei Telegram hingegen kann eine
Gruppe bis zu 200.000 Mitglieder haben." Bei Telegram, so Römermann weiter, gibt es außerdem "die Möglichkeit,
öffentliche Kanäle anzulegen, die Freunde und Fans abonnieren können. Besonders viel Zulauf hat die ehemalige 'Tagesschau'-Sprecherin
Eva Herman. Ihr Kanal hat inzwischen über 100.000 Abonnenten - und es werden gerade in diesen Tagen täglich mehr."
Auf
Zeit online überlegt Lenz Jacobsen, was man den Verschwörungstheoretikern und der von ihnen ausgehenden "
Polarisierungswelle" entgegenhalten kann: "Die öffentliche Aufgabe ist jetzt,
die Proteste ernst zu nehmen, ohne sie zu groß zu machen. Einige Zehntausend Menschen an einem sonnigen Samstagnachmittag haben keinen Anspruch auf
Diskurshoheit. Sie können die Polarisierung, von der sie profitieren, nicht selbst herstellen, dafür brauchen sie
die Hilfe aller, die Aufmerksamkeit zu verteilen haben: Medien, Leser, Retweeter, Facebook-Liker, WhatsApper. Die aber können auch anders. Sie könnten beispielsweise all jenen mehr Raum einräumen, die zur Corona-Politik nicht laut 'Nein' sagen sondern leise '
Ja,
aber'. Die bei den Umfragen angeben, die Regierungspolitik mitzutragen, aber im Detail doch anderer Meinung sind."
Dennis Pohl
unterhält sich für
spex.de mit
Ariane Schröder, die sich kulturwissenschaftlich mit dem
Phänomen der Epidemien befasst hat und unter anderem ein
historisches Gefahrenmoment besonders unterstreicht: "Dass epidemische Ereignisse zeigen, dass wir
bestimmte andere Leute als Gefahr begreifen und das Ich immer als gesunden, guten Richtwert. Dass eine Gesellschaft die Menschen, die sie als Minderheiten begreift, für ihre Erkrankung zur Verantwortung zieht, wirft ein Brennglas auf die allgemeine
Verfassung dieser Gesellschaft."