Der Paderborner CDU-Politiker
Carsten Linnemann hat gerade gefordert, dass Kinder
erst eingeschult werden sollen, wenn sie
Deutsch (und damit dem Unterricht folgen) können. In der
Welt findet das Thomas Lindemann nicht grundsätzlich verkehrt: "
In Neukölln begleitet uns das, was er fordert, allerdings längst. An den Kindergärten gibt es 'Kikus', einen zusätzlichen Deutschunterricht für Kinder aus Einwandererfamilien. Auch unsere Tochter, typisch deutsches Bildungsbürgerkind, sollte mitmachen. Und zwar als 'Vorbildkind'. Für die anderen. Das hat sie mit Begeisterung getan und auf diese Weise gleich gelernt, was Solidarität ist. Wir helfen den Schwächeren. Warum also nicht viel früher ansetzen? Etwa:
Beitragsfrei ist die Kita nur, wenn das Kind diesen Sprachkurs auch wirklich besucht. Dann muss man nicht mit Repressalien gegen Sechsjährige drohen. So könnte man Linnemanns Forderung nachbessern. Denn sie ist zwar im Detail falsch, aber dennoch wichtig. Immerhin
redet mal einer über das Problem."
Warum nicht einfach mal
nach Kanada gucken,
schlägt Dorothea Siems, ebenfalls in der
Welt, vor. "Dort kommen Kinder, die des Englischen beziehungsweise Französischen noch nicht mächtig sind, zunächst in
spezielle Einrichtungen, in denen der Spracherwerb Toppriorität hat. Spätestens nach einem Jahr geht es an eine Regelschule. Dass auch dort der Ausländeranteil oft hoch ist, spielt dann überhaupt keine Rolle, denn alle Schüler können dem Unterricht
ohne sprachliche Schwierigkeiten folgen."
Wie immer man das Problem angeht, es braucht
mehr Geld und Personal,
lernt Parvin Sadigh, die sich für
Zeit online unter Experten umgehört hat, obwohl sich schon einiges zum Positiven geändert habe: "Besonders Kinder, die zu Hause hauptsächlich kein Deutsch sprechen, besuchten 2017 laut Bildungsbericht
häufiger die Kita als noch 2007 (54 Prozent mehr). Das allein erklärt also nicht viel. [Michael Becker-Mrotzek, Direktor der Stiftung Mercator] nennt einen weiteren Grund: Da es
keine Kindergartenpflicht gibt, gibt es auch keine Durchgriffsmöglichkeiten. Kitaträger sind oft privat, ihnen könne man schwer Vorgaben machen."
Thomas Knüwer
greift auf seinem Blog einen
scheinbaren Nebenaspekt der Debatte heraus: Die
Rheinische Post hatte
in der Online-Überschrift viel stärker zugespitzt als Linnemann selbst. Nur Nachprüfen können es die Leser kaum, denn das Interview steht
hinter einer Zahlschranke. Knüwer dazu: "Es ist vollkommen legitim, wenn die Medienkonzerne sich auf Abos als Bezahlmodell festlegen - schließlich leben wir in einer freien (sozialen) Marktwirtschaft. Meine Meinung dazu ist ja nicht neu: Paid Content wird nicht ausreichend Einnahmen erbringen, um die aktuelle Konstruktion von Verlagen auch nur annähernd erhalten zu können. Aber trotzdem: Versuchen darf das natürlich jeder. Wer dies aber tut, sollte auch zu den
gesellschaftlichen Folgen stehen: Jedes journalistische Stück hinter einer Bezahlschranke bedeutet, dass es dem wichtigsten Ort der gesellschaftlichen Information und Debatte entzogen wird:
dem Internet. Im Gegenzug wird dieser Ort den Extremisten, Trollen und Lügnern überlassen."