9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Gesellschaft

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.08.2019 - Gesellschaft

Sascha Lobo geht für seine Spiegel-online-Kolumne mit Blick auf die Sommerlochdebatte um den CDU-Politiker Carsten Linnemann (unser Resümee) nochmal alle Phasen eines typischen Shitstorms durch. Phase 8: "Die ersten Kritiker lesen das Interview, erkennen ihre Fehlzuschreibung und korrigieren redlich ihre - haha, nein. Stattdessen graben sie in älteren Interviews des besagten Politikers, finden andere, zweifellos problematische Aussagen und rechtfertigen damit ihre fortdauernde Empörung. Was sie nicht davon abhält, nun zusätzlich die eigentlichen Urheber der rassistischen Verkürzung zu attackieren. Jemand wirft sich selbst vor, im Elfenbeinturm zu sitzen."

Im Zeit-Gespräch ärgert sich der evangelische Theologe, Philosoph und DDR-Bürgerrechtler Richard Schröder über die Aussagen von Detlef Pollack, der in der FAZ den Bürgerrechtlern ihre Verdienste absprach (Unser Resümee), den Wahlkampf der AfD und erläutert, weshalb sich viele Ostdeutsche heute eher mit ihrem früheren Staatsgebiet als mit der Bundesrepublik identifizieren: "'Der Ostdeutsche' ist erst nach 1989 entstanden. Denn vorher war es ja lange umgekehrt. Es waren die Westdeutschen, die sich als 'westdeutsch' (aber die Ostdeutschen übersehend die Bundesrepublik Deutschland) nannten, während sich die Ostdeutschen als Deutsche im geteilten Deutschland sahen, wenn sie sich nicht als 'sozialistische Internationalisten' verstanden. Das war auch ganz verschieden konnotiert: Wer sich in Ostdeutschland zu DDR-Zeiten als 'Deutscher' bezeichnete, der galt als Staatsfeind. Wer sich in Westdeutschland als 'Deutscher' bezeichnet hat, wurde gefragt: Bist du etwa Revanchist? Im Mai 1990 gab es in Frankfurt am Main eine Demonstration mit der Spitze der Grünen, deren Losung lautete: 'Nie wieder Deutschland!' Das Problem besteht jetzt darin, dass das ostdeutsche Bekenntnis zum Deutschsein schwach in der Abgrenzung zum Nationalismus und Extremismus ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.08.2019 - Gesellschaft

Der Paderborner CDU-Politiker Carsten Linnemann hat gerade gefordert, dass Kinder erst eingeschult werden sollen, wenn sie Deutsch (und damit dem Unterricht folgen) können. In der Welt findet das Thomas Lindemann nicht grundsätzlich verkehrt: "In Neukölln begleitet uns das, was er fordert, allerdings längst. An den Kindergärten gibt es 'Kikus', einen zusätzlichen Deutschunterricht für Kinder aus Einwandererfamilien. Auch unsere Tochter, typisch deutsches Bildungsbürgerkind, sollte mitmachen. Und zwar als 'Vorbildkind'. Für die anderen. Das hat sie mit Begeisterung getan und auf diese Weise gleich gelernt, was Solidarität ist. Wir helfen den Schwächeren. Warum also nicht viel früher ansetzen? Etwa: Beitragsfrei ist die Kita nur, wenn das Kind diesen Sprachkurs auch wirklich besucht. Dann muss man nicht mit Repressalien gegen Sechsjährige drohen. So könnte man Linnemanns Forderung nachbessern. Denn sie ist zwar im Detail falsch, aber dennoch wichtig. Immerhin redet mal einer über das Problem."

Warum nicht einfach mal nach Kanada gucken, schlägt Dorothea Siems, ebenfalls in der Welt, vor. "Dort kommen Kinder, die des Englischen beziehungsweise Französischen noch nicht mächtig sind, zunächst in spezielle Einrichtungen, in denen der Spracherwerb Toppriorität hat. Spätestens nach einem Jahr geht es an eine Regelschule. Dass auch dort der Ausländeranteil oft hoch ist, spielt dann überhaupt keine Rolle, denn alle Schüler können dem Unterricht ohne sprachliche Schwierigkeiten folgen."

Wie immer man das Problem angeht, es braucht mehr Geld und Personal, lernt Parvin Sadigh, die sich für Zeit online unter Experten umgehört hat, obwohl sich schon einiges zum Positiven geändert habe: "Besonders Kinder, die zu Hause hauptsächlich kein Deutsch sprechen, besuchten 2017 laut Bildungsbericht häufiger die Kita als noch 2007 (54 Prozent mehr). Das allein erklärt also nicht viel. [Michael Becker-Mrotzek, Direktor der Stiftung Mercator] nennt einen weiteren Grund: Da es keine Kindergartenpflicht gibt, gibt es auch keine Durchgriffsmöglichkeiten. Kitaträger sind oft privat, ihnen könne man schwer Vorgaben machen."

Thomas Knüwer greift auf seinem Blog einen scheinbaren Nebenaspekt der Debatte heraus: Die Rheinische Post hatte in der Online-Überschrift viel stärker zugespitzt als Linnemann selbst. Nur Nachprüfen können es die Leser kaum, denn das Interview steht hinter einer Zahlschranke. Knüwer dazu: "Es ist vollkommen legitim, wenn die Medienkonzerne sich auf Abos als Bezahlmodell festlegen - schließlich leben wir in einer freien (sozialen) Marktwirtschaft. Meine Meinung dazu ist ja nicht neu: Paid Content wird nicht ausreichend Einnahmen erbringen, um die aktuelle Konstruktion von Verlagen auch nur annähernd erhalten zu können. Aber trotzdem: Versuchen darf das natürlich jeder. Wer dies aber tut, sollte auch zu den gesellschaftlichen Folgen stehen: Jedes journalistische Stück hinter einer Bezahlschranke bedeutet, dass es  dem wichtigsten Ort der gesellschaftlichen Information und Debatte entzogen wird: dem Internet. Im Gegenzug wird dieser Ort den Extremisten, Trollen und Lügnern überlassen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.08.2019 - Gesellschaft

Im Tagesspiegel überlegt der Historiker Julius H. Schoeps anlässlich des Selbstmordes der Bloggerin Marie Sophie Hingst, warum manche Menschen - er nennt eine ganze Reihe an Beispielen - unbedingt in die jüdische Opferrolle schlüpfen möchten: "Die Liste mehr oder weniger prominenter Fälle mit Sehnsucht nach Opferrolle und jüdischer Schein-Identität ließe sich beliebig fortsetzen. Hat das chronische 'Opfer-sein-zu-Wollen' vielleicht doch noch eine ganz andere, eine tiefere Bedeutung? Man kann die geschilderten Fälle nicht alle über einen Leisten schlagen, sollte sie aber als das ansehen, was sie tatsächlich sind: Syndrome einer Gesellschaft, die geradezu traumatisch an ihrer Vergangenheit leidet."

In der Welt denkt Hannah Lühmann über die Dialektik der neuen "Cancel Culture" nach, also über das relativ neue Phänomen, Künstlern oder Institutionen nach einem moralischen Fehlverhalten abzusagen. Kevin Spacey und Louis C.K. zeigen gerade, wie das zurückfeuern kann: "Interessant ist nun aber, dass es natürlich nicht beim 'Canceln' als einmaligem kulturellen Bannungsakt bleibt. Kultur ist kein steriles Arrangement nebeneinander existierender Einzelteile, aus denen man nach Belieben etwas entfernen kann. Wenn Menschen, die eben noch (etwa weil sie alt, weiß, männlich sind) als 'mächtig' empfunden wurden, auf einmal 'abgeschafft' werden, dann werden sie paradoxerweise genau in die Rolle des Outsiders versetzt, die zuvor jene für sich in Anspruch nahmen, die glauben, sich mithilfe von 'Cancel Culture' empowern zu müssen. Die Rolle des Outcast verschiebt sich ... Und aus der Position der Vogelfreiheit heraus lässt es sich bekanntlich ganz wunderbar kulturell produzieren."

In der Welt fragt Düzen Tekkal erstaunt, warum sich plötzlich Deutsche türkischer Herkunft als PoC bezeichnen, als "person of color" oder Farbige, wie man auf Deutsch sagt. Wäre es nicht fruchtbarer, am German Dream mitzuarbeiten, statt sich von der Gesellschaft abzuspalten? "Gibt es strukturellen Rassismus, gläserne Decken und Benachteiligung bei sichtbarer Migrationsgeschichte? Aber ja! Die Frage ist nur, was hilft dagegen? Und da halte ich Identitätspolitik für einen Teil des Problems, denn sie spaltet in Herkunft, Religion, Geschlecht, führt sich damit ad absurdum und macht genau das, was sie eigentlich verhindern will: Sie unterscheidet und spaltet nach Herkunft. ... Ja, wir müssen die Dinge klar aussprechen können, dazu gehört aber auch, dass wir überzeugt sind von den Grundprinzipien, die wir außerordentlich gut beherrschen. Dass 'Deutschsein' viele bunte Gesichter hat. Dass Pluralismus bei uns nicht nur Floskel, sondern ein Way of Life ist. Dass wir eine starke Zivilgesellschaft haben."

Außerdem: In der NZZ erzählt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova, wie sich das Reiseverhalten der Russen seit dem Fall der Mauer verändert hat.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.08.2019 - Gesellschaft

Philipp Daum führt für die taz ein schönes und ausführliches Gespräch mit dem Berliner Psychologen und Sozialarbeiter Kazim Erdogan, der eine Vätergruppe für Männer türkischer Herkunft gegründet hat: "Ich habe in der Vätergruppe einmal 35 Zettel verteilt, darauf stand ein Satz: Schreibe bitte auf, was für dich Ehre bedeutet. Nach einer halben Stunde hat keiner ein einziges Wort schreiben können. Also haben wir das mündlich gemacht. Alle gaben ähnliche Antworten. Ehre ist, was meine Vorfahren mir erzählt haben: 'Du bist ein Mann, du hast Ehre. Du musst sie schützen. Die Ehre deiner Tochter, deiner Mutter.' Ich habe sie gefragt: Warum haben ausgerechnet wir Männer diesen Begriff auferlegt bekommen? Wir stellten gemeinsam fest, dass das ein Begriff ist, der innen hohl ist."

De Meldung klingt ja gut: Die Katholische Kirche will ein Meldesystem für Fälle sexuellen Missbrauchs einrichten. Aber Jan Weber von hpd.de ist misstrauisch: "Dabei solle in jeder Diözese eine Anlaufstelle für die innerkirchliche Meldepflicht für Missbrauchsfälle eingerichtet werden. Danach sind dann ab Januar 2020 alle Kleriker und Ordensleute verpflichtet, den kirchlichen Behörden 'unverzüglich alle ihnen bekannt gewordenen Berichte über Missbrauch zu melden'. Wem da irgendein Hinweis darauf fehlt, dass auch staatliche Stellen wie zum Beispiel Staatsanwaltschaften oder die Polizei informiert werden sollen … der wird erfolglos suchen. Denn man möchte das ganz unter sich regeln."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.08.2019 - Gesellschaft

"Vielleicht wählen viele Ostdeutsche die AfD, weil es ihnen gut geht", widerspricht Malte Lehming im Tagesspiegel der Theorie der Abgehängten: "Der typische AfD-Wähler ist ein Mann jüngeren oder mittleren Alters, er verdient gut und gehört zum eher gehobenen Bildungsdurchschnitt. Ihn treiben vorrangig nicht wirtschaftliche oder soziale Sorgen um, sondern die sogenannten SOS-Themen - Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit. Er lehnt Zuwanderung ab, neue Familienformen, ist skeptisch gegenüber der Genderforschung und dem Klimawandel. Wirtschaftliche Faktoren spielen für seine Wahlentscheidung kaum eine Rolle. Er orientiert sich eher an immateriellen Begriffen wie Identität, Heimat, Abendland, Gemeinschaft (…) Das Magazin Economist bezeichnete das Phänomen vor wenigen Wochen als 'satisfaction paradox'. Offenkundig fühle die weit verbreitete Zufriedenheit der Menschen nicht zum Wunsch nach stabilen Verhältnissen, wie bislang angenommen worden war, sondern im Gegenteil: zum Protest, zur Revolte."

In der SZ fröstelt es den Soziologen Armin Nassehi angesichts der "sozialen Kälte" der Klimadebatte. Klimaaktivisten, die nicht über ihr Milieu hinausdenken, bezeichnet er als "denkfaule Demokratieverächter" : "Hier bricht sich die ganze Verachtung gegenüber anderen Lebensentwürfen und Lebensformen, anderen Milieus und nicht zuletzt den ökonomischen Zugzwängen einer Gesellschaft Bahn, wie wir sie auch aus anderen Politikfeldern kennen. Der französische Soziologe Pierre Bourdieu nannte diese Hybris eine scholastische Vernunft, die nur die Verabsolutierung der eigenen moralnahen Praxis gelten lassen will."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.08.2019 - Gesellschaft

In der Zeit antwortet Andrea Böhm, bis 2018 Zeit-Korrespondentin im Nahen Osten, auf Alice Schwarzer, die vergangene Woche  an gleicher Stelle das Kopftuch als Symbol des Islamismus verurteilte (Unsere Resümees). Böhm wirft Schwarzer einen "Rundumschlag" und "Verständnishascherei für die Ausbreitung von Rassismus". Sie rät mit betroffenen Frauen zu sprechen: "Wenn ich in meinen Jahren in Nahost eines begriffen habe, dann, dass der Hidschab alles Mögliche sein kann: Symbol einer Islamisierung; Distanzierung vom westlichen Kommerz-Kult um einen sexualisierten weiblichen Körper; Gehorsam gegenüber einem konservativen Elternhaus; taktisches Zugeständnis, um sich in einer aggressiv frauenfeindlichen Öffentlichkeit freier bewegen zu können. Oder Symbol der Wut auf das eigene, vermeintlich säkulare Regime, das seine Repression als 'Kampf gegen den Islamismus' verkauft."

Kein Kopftuch
kann auch ein Symbol sein, zum Beispiel für eine Freiheit, die nicht zugelassen wird. Gestern brachten wir die Meldung, dass die iranischen Behörden Frauen mit Gefängnis bedrohen, die Videos von sich ohne Kopftuch an Masih Alinejads Twitter-Aktion #mystealthyfreedom senden. Die Behörden meinen es ernst:

Auf Zeit Online rät die Soziologin Sabine Hark indes Mariam Lau und anderen KritikerInnen der Identitätspolitik (Unsere Resümees), lieber solange zu schweigen, bis alle Minoritäten ihre Stimme gefunden haben: "Weil wir uns erzählen müssen, geht es um den Zugang zum Erzählen, darum, wer definiert und wer definiert wird. Denn ja: Wichtig ist nicht nur, was gesagt wird, sondern auch, wer spricht. Tun historisch marginalisierte Gruppen nun genau das, sich nämlich selbst als Subjekte neu zu erzählen, intervenieren sie in eben dieses Gefüge der Macht. Sie sprechen zurück, verlangen, dass die Welt auch einmal durch ihre Augen gesehen wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.07.2019 - Gesellschaft

Jan Feddersen erklärt in der taz, warum er schwul ist, und nicht queer, und warum er für Rechte kämpfte, nicht um Identität: "Das Klischee will, dass man männliche Homosexualität mit Neigung zu Schönem verbindet, zu Eiskunstlaufen und Blumenpflege. Sorry, kann ich nicht mit dienen. Fußball, Biathlon, Splatterkrimis im Fernsehen und Tarantino im Kino, aber nix mit Romantik im kitschigen Sinne. Queer, also schräg und schrill, mag ich in den Augen anderer sein, mein Job war es immer, und sollte es sein!, mich als normal zu nehmen."

Jonathan Fischer hat für die SZ die neue Bibliothek von Timbuktu besucht, die besonders für junge Menschen gedacht ist: "'Dies ist ein Hoffnungsort für unsere Jugendlichen', erklärt Mahamane Sangaré, der junge Leiter der Organisation 'Lecture Vivante' vor der Pforte seiner Bibliothek. ... Knapp 60 Jugendliche hat der gelernte Finanzbuchhalter bisher für seinen Lesezirkel gewonnen, das Gros von ihnen junge Frauen. Besuche der historischen Bibliotheken stehen auf dem Programm. Vor allem aber, erklärt der 31-jährige Gründer von 'Lecture Vivante', gehe es um die Konfrontation mit einer Welt voller neuer Ideen, wie etwa die gesellschaftliche Mitsprache von Jugendlichen, die Rechte der Kinder und die Selbstverwirklichung der Frauen. 'Du bist in aller Welt gefeiert' zitiert er aus einem Timbuktu-Gedicht einer seiner Schülerinnen, 'weil in deinen Mauern der freie Gedanke regiert'." Was man jetzt noch gut gebrauchen könnte, wären mehr Bücher für Jugendliche in französischer Sprache!

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.07.2019 - Gesellschaft

Islamisten und Rechtsextreme haben ein ähnliches Frauenbild, weil sie beide darauf beruhen, sich einen äußeren Feind zu konstruieren, sagt der Soziologe Abram de Swaan im Gespräch mit Nina Branner vom Tagesspiegel: "Die Angst vor einem äußeren Feind ist essenziell bei der Unterdrückung von Frauen. Es ist fast eine mathematische Gleichung, die übereinstimmen muss: Der Mann muss die Frau vor Feinden schützen, damit sie Kinder gebären kann und dadurch die Gesellschaft aufrechterhalten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.07.2019 - Gesellschaft

Mariam Lau versucht in der Zeit, den Widersprüchen des neumodischen Antirassismus auf die Spur zu kommen. Einer davon: "Für die neuen Netzfeministinnen ist es wichtiger, Alice Schwarzer anzugreifen als Publizistinnen wie Birgit Kelle, die den Feminismus an sich für Teufelszeug halten. Denn Schwarzer kritisiert Angehörige von Minderheiten, speziell Muslime, und sie spricht als Weiße. Anlass des erbitterten Streits mit Schwarzer ist die verblüffende Milde des Netzfeminismus gegenüber der Frauen- und Homosexuellenverachtung im Islam und im globalen Süden."

Ähnlich wie in den neunziger Jahren herrscht ein politisches Klima, das die Gesellschaft nach rechts rückt, schreibt Christian Fuchs auf Zeit Online mit Blick auf den erneuten Anstieg rechtsextremer Gewalttaten: "Systematisch arbeiten die Strategen der Neuen Rechten an einer Konsensverschiebung. Bundesminister der CSU nutzen heute einen Begriff wie 'Anti-Abschiebe-Industrie', der vor vier Jahren erst auf Pegida-Bühnen populär gemacht wurde. In einem Medien-Ökosystem aus mehr als 35 Zeitungen, Blogs, Magazinen, YouTube-Kanälen und einem Radiosender hetzt die Neue Rechte und wertet Menschen ab. Politiker der AfD bringen diese Sprache in die Parlamente, stellen rassistische Anfragen und teilen die menschenverachtenden Texte und Videos über die sozialen Medien."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.07.2019 - Gesellschaft

Seit nun einem Vierteljahrhundert werden jene, die den Islamismus im Allgemeinen und das Kopftuch im Besonderen kritisieren, von linken Kulturrelativisten mit dem "Rassismus-Bann" belegt, schreibt Alice Schwarzer in der Zeit: "Jede Kritik am politischen Islam und an seinem sichtbarsten Symbol, der Verschleierung der Frauen, gilt in diesen politisch korrekten Kreisen als 'Treten nach unten' und 'Rassismus' beziehungsweise neuerdings auch als 'Islamophobie'. (Bemerkenswert, dass für diese Leute 'die Muslime' immer 'unten' sind und sie 'oben'.) Da dürfen wir uns nicht wundern, wenn nicht nur die AfD, sondern auch immer mehr Bürgerinnen und Bürger angesichts der falschen Toleranz 'den Islam' mit Islamismus gleichsetzen - und allmählich zu echtem Rassismus neigen."

Vor einigen Tagen wurde ein Eritreer von einem Rechtsradikalen angeschossen. Man soll diese Tat nicht fremdenfeindlich, sondern rassistisch nennen, insistiert Caroline Schwarz in der taz: "Medien verwenden 'fremdenfeindlich' im vorsichtigen Bemühen um einen nicht wertenden Begriff. Doch damit geben sie die Perspektive der Täter*innen wieder. ... Von Rassismus in Deutschland sind beispielsweise nichtweiße Menschen, Ausländer*innen, muslimische oder jüdische Menschen oder Geflüchtete betroffen - also Menschen, die strukturell benachteiligt werden aufgrund von Merkmalen, wie Hautfarbe, Herkunft, Sprache oder Religion."

Eine Säkularisierung des Islam reicht nicht, "denn der Islam ist der Staat, und der Staat ist der Islam", sagt dagegen die erklärte Ex-Muslimin und Trainierin für interkulturelle Kompetenz, Laila Mirzo in der NZZ und fordert neben einem strikten Kopftuchverbot in staatlichen und öffentlichen Einrichtungen einen "sakralen Königsmord" an Mohammed: "Erst wenn offene Kritik an seinen Fehlern geübt wird, meinen es liberale Muslime ernst mit der Reformation. Denn Mohammed war nicht nur Prophet und spiritueller Führer seiner Gemeinde. Er war Heerführer, Demagoge und gab den Befehl, Hunderte unbewaffnete jüdische Männer und Jugendliche zu ermorden. Sein Umgang mit den jüdischen Stämmen seiner Stadt entspricht einer ethnischen Säuberung. Seine Ehe mit der Kindsbraut Aisha ist die gesetzliche Grundlage für die Verheiratung muslimischer Mädchen im Alter von 9 Jahren. Jährlich sterben unzählige Mädchen in ihrer Hochzeitsnacht, weil durch den Sex mit einem erwachsenen Mann ihre Gebärmutter reißt und sie dann hilflos verbluten."