Auf
Zeit online fordert Simone Rodan-Benzaquen, Leiterin der europäischen Büros des American Jewish Committee, eine "konsequente
Null-
Toleranz-
Politik"
bei antisemitischen Übergriffen. Das heißt für sie, "nicht länger zögern, selbst den kleinsten antisemitischen Vorfall lautstark zu verurteilen, wer auch immer die Täter sind. Antisemitischen Demonstrationen, die als
antiisraelische Proteste getarnt sind, darf nicht länger mit Gleichmut begegnet werden. Ihre abscheulichen Parolen dürfen nicht länger von unserer Kritik verschont bleiben. Warum gehen nicht mehr Menschen gegen den jährlich stattfindenden antisemitischen Quds-Tag auf die Straße?"
Vor einigen Tagen hat der Medienproduzent
Walid Nakschbandi im
Tagesspiegel die Muslime in Deutschland
aufgefordert, sich gegen "
deutschtümelnde Beleidigungen und Herabwürdigungen" zu wehren, die er hier zulande überall sieht: "Das mit dem Nichtauffallen klappt nicht. Ich weiß genau, wie viele von euch täglich von Unbekannten auf der Straße, in der Kassenschlange, auf dem Parkplatz oder im Büro als 'Terrorist', 'Sozialschmarotzer' oder sonst was beschimpft werdet -
stets abgerundet mit dem Befehl 'Geh nach Hause!' oder '
Verpiss dich!'. Wie lange noch? Wenn ihr als Bürger dieses Landes und Mitglieder dieser Gesellschaft ernst genommen werden wollt, dann müsst ihr euch schon auch selbst ernst nehmen, sonst wird das nie etwas."
Seyran Ates kann dagegen die ewige Klage über die "armen und unterdrückten Muslime" und "die deutschen Täter"
nicht mehr hören. Vielleicht kann man sich ja mal
an die eigene Nase fassen, empfiehlt sie Nakschbandi: "Ich betreibe eine liberale Moschee in Berlin. Und von wem bekomme ich
Morddrohungen, Häme und Hetze? Zu 98 Prozent von Muslimen, die mich als Nestbeschmutzerin hinstellen. Und linksgerichtete Postkolonialisten betrachten mich als Provokation für arme konservative Muslime. ... Wer objektiv und differenziert schreiben will, darf nicht verallgemeinernd nur die Rassisten auf der Seite der Deutschen betrachten, sondern muss ehrlich genug sein und beschreiben, wie
rassistisch und deutschenfeindlich manche Muslime und Migranten sind - obwohl sie in freiwillig in Deutschland leben."
In der
FR warnt Amos Goldberg, Professor für jüdische Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem, die Deutschen davor, sich von der
israelischen Regierung manipulieren zu lassen. Vor allem die Verurteilung des
BDS durch den Bundestag ist für ihn ein Symptom, "wie das politische System in Deutschland rapide die
freie Rede erodiert, wenn es um Israel und Palästina geht, und wie der öffentliche Diskurs in Diffamierung und Rufmord abgleitet. ... Wenn Sie nicht für diese Werte kämpfen, gerade auch im Kontext sensibler Themen, könnte sich Deutschland in fünf oder zehn Jahren in ein weiteres
illiberales Bollwerk verwandeln. Seine Politik könnte dann der Israels, Ungarns und Polens ähneln."