"Wir hatten
etwas gemeinsam, zumindest in diesem Land, zumindest in diesem Sprachraum, wir wussten so ungefähr
voneinander und wie es uns ging", und das zerfällt gerade,
klagt Eva Menasse (
NZZ) in ihrer Rede zum Börne-Preis. Gemeint ist die Öffentlichkeit, die früher durch die
Massenmedien hergestellt wurde und sich jetzt digitalen Raum fragmentiert. "Heute ist es schwer, Erwachsenen zu erklären, was ein Kompromiss ist und wozu man ihn braucht. Fast unmöglich, für ein zeitweiliges taktisches Nachgeben zu werben. Andere Meinungen dienen längst nicht mehr dazu, unsere eigenen zu überprüfen, nur dazu, den
Gegner dingfest zu machen. Und so ist die alte Öffentlichkeit an ihr Ende gekommen. Sie ist fast komplett
ins Private diffundiert. Es ist nicht mehr annähernd festzustellen, was der eigene Nachbar weiß, erfährt und glaubt, welcher Minderheit er anzugehören wünscht oder welchen Phantasmen er gerade aufsitzt. Jeder hat
seine eigene winzige Öffentlichkeit, er hat sie sich nämlich personalisiert. Das aber ist, nach allem, was man bis jetzt sehen kann, so gefährlich wie eine Autoimmunkrankheit." Hoffnung gibt ihr aber die Fridays-for-Future-Bewegung.
In der
SZ würden Theresa Hein und Quentin Lichtblau widersprechen.
Massenmedien, das waren früher die Medien, in der die Masse zuhörte, was einige Auserwählte ihr predigten. Das Netz war auch von dem Traum geprägt, einen Raum zu schaffen, in dem
jeder Gehör finden kann, und den nutzen die jungen Menschen gerade: Hier "ist ein Kommunikationsraum entstanden, in dem junge Menschen sich massentauglich und unvermittelt zu Wort melden können, ohne den Umweg über eine Parteikarriere oder Redakteursstelle nehmen zu müssen und damit im Zweifelsfall sogar mehr Menschen erreichen, als auf dem traditionellen Weg. Diese Deutungsmacht schwappt nun gerade in die reale Welt: Wenn der Youtuber Rezo mit seinen Beiträgen Millionen von Zuschauern im Netz findet, noch bevor Medien und Politik eine Ahnung von diesem Vorgang haben, verschafft ihm dass eine Art Schock-Relevanz, mit der sich auch
analoge Hierarchien infrage stellen lassen."