"Sofern wir die Algorithmen ermächtigen, die Dinge des Alltags untereinander abzuklären, spricht das
KI-
Orakel nicht nur, es handelt auch gleich für uns",
schreibt in der
NZZ der Kultur- und Medienwissenschafter
Roberto Simanowski, der kürzlich in Sibirien ohne Geld dastand, weil die KI seiner Bank beschlossen hatte, er sei ein Krimineller, und sich von solchen einsamen Entscheidungen zunehmend entmündigt fühlt. "Das KI-Orakel kommt als Doppelparadox. Es ist das
Ende der Willensfreiheit im Zeichen der Selbstoptimierung, und es ist die coole Wiederverzauberung der Welt auf der Grundlage ihrer absoluten Analysierbarkeit. Denn verzaubert ist die Welt, wenn aus der Black Box die zwar unmissverständlichen, aber kaum nachprüfbaren Anweisungen kommen, wie man leben soll. Das ist,
als spräche Gott zu uns, durch seine neuen Priester, die Algorithmen."
Der Historiker
Jan Plamper verficht in seinem
Buch "Das neue Wir - Warum Migration dazugehört" ein "
Salatschüsselmodell" für Integration. In der
taz antwortet er auf eine
Nebenbemerkung des
taz-Kolumnisten Micha Brumlik, der ihm vorwirft, die "
Volksgemeinschaft", statt eines Verfassungspatriotismus zu preisen. Mit Salatschlüsselmodell meint er die Behandlung der Vertriebenen nach dem Krieg: "Zugehörigkeit zur Staatsbürgernation der Deutschen unter
Beibehaltung der schlesischen Partikularidentität - mit staatlicher Förderung: die 'Brauchtumspflege' mit ihren Folkloreabenden. So abwegig es klingen mag, dies war
im Kern progressiv, es war das Salatschüsselmodell avant la lettre. Und warum braucht es eine symbolisch-emotionale
Überhöhung der Kollektividentität (das neue Wir), die über Verfassungspatriotismus hinausgeht? Erstens weil sie von Zuwanderer*innen
selbst gefordert wird. In vielen Herkunftskulturen ist die Nation eine wichtige Identitätsressource. Zweitens weil es attraktive, symbolisch-emotional angereicherte Gegenangebote gibt - von extrem rechts in Deutschland. Oder aus Herkunftsländern (Erdoğans Türkei, Putins Russland)".
Außerdem: Wer immer noch glaubt, der
Sozialismus sei eigentlich eine gute Idee gewesen, bei der nur die Umsetzung bisher fürchterlich schief gelaufen sei, dem empfiehlt in der
FAZ Jürgen Kaube die Lektüre von
Anne Applebaums neuem Buch "Roter Hunger - Stalins Krieg gegen die Ukraine".