Der Politologe
Philip Manow stellt in seinem
Buch "Die Politische Ökonomie des Populismus" die These auf, dass in
Südeuropa der Linkspopulismus und in
Nordeuropa der Rechtspopulismus obsiege. Die Gründe seien wirtschaftliche: Im Süden gehe es um heimische Nachfrage und darum, den Nepotismus zu schützen, im Norden gehe es um ein exportgetriebenes Modell und darum, die Wechselfälle des Arbeitsmarkts abzusichern, ein Sozialmodell, das Migranten anzieht. Das
kulturelle Erklärungsmodell für die Populismus, wonach der "
weiße Mann" an allem schuld sei,
lehnt Manow im Gespräch mit Martin Reeh von der
taz ab: "Das hilft uns .. nicht zu verstehen, warum wir in unterschiedlichen Ländern
unterschiedliche Entwicklungen haben. Nicht einmal, warum der Süden und Norden Italiens zwischen Links- und Rechtspopulisten gespalten ist, kann man damit erklären. Gemäß der Backlash-Theorie müsste doch eher der konservative italienische Süden rechtspopulistisch wählen, der liberale Norden linkspopulistisch. Auch die beliebte Erklärung mit kosmopolitischen Eliten und einer kommunitaristischen, an den Ort gebundenen Normalbevölkerung, die gegen Einwanderung sei, ist mir
zu breitflächig."
Nicht nur die SPD, sondern auch der
traditionelle Konservatismus der CDU ist sowas von out.
Zeit online bringt einen
Vorabdruck aus dem Buch "Geistig-moralische Wende. Die Erschöpfung des deutschen Konservatismus" des
Politologen Thomas Biebricher. Der Konservatismus, schreibt er da, sei der CDU von Angela Merkel
keineswegs ausgetrieben worden: "Es wirkt eher so, als seien dem politisch organisierten Konservatismus die inhaltlich konservativen Positionen über die Jahre und Jahrzehnte hinweg beinahe
unbemerkt abhandengekommen, ohne dass dieser Prozess ausdrücklich forciert worden wäre. (...) Dem parteimäßig organisierten Konservatismus fehlen auch die zivilgesellschaftlichen Verbündeten, mit denen er gemeinsam die kulturelle Hegemonie des Konservatismus als Projekt verfolgen könnte."
Am Montag starb in Stuttgart der Philosoph
Robert Spaemann. Er hat "wesentlich dazu beigetragen, dem Begriff '
konservativ' eine neue Prägung zu geben",
schreibt Arno Widmann in seinem Nachruf in der
Berliner Zeitung. "Das scheint ein Widerspruch in sich. Aber in ihm bewegt sich alles Leben. Wer seinen Gottesglauben nicht nachvollziehen konnte, wer die Hände über dem Kopf zusammenschlug, als er Schwulenehen verurteilte, weil sie gegen die Lehre der Kirche und gegen die Christi verstoßen, der tat trotzdem gut, ihm zuzuhören. Wir alle haben blinde Flecken und taube Stellen.
Gerade die Aufgeklärten bedürfen der Aufklärung. Spaemann konnte einem das vielleicht nicht bei-, aber doch nahebringen." Weitere Nachrufe schreiben Otfried Höffe
in der NZZ, Gregor Dotzauer
im Tagesspiegel und Matthias Dobrinski
in der Süddeutschen.