Die
Europäer haben nicht nur als Kolonialisten die Erde verwüstet, sondern auch als umweltverschmutzende Kapitalisten, die
für den Klimawandel verantwortlich sind,
lernt Bert Rebhandl unter anderem aus dem Buch "A Billion Black Anthropocenes or None" von
Kathryn Yusoff, "einer Professorin für 'inhumane Geografie' in London", das er für den
Standard gelesen hat: "Ihre These lautet zugespitzt: In der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch die reichen Länder waren nicht nur die Rohstoffe 'schwarz' wie das Öl, auch große Teile der Menschheit wurden darin rassistisch zu
schwarzer Materie abgewertet, zu einem inhumanen Gut. ... Die
europäischen Ideale, mit denen ja auch häufig eine wertegeleitete Außenpolitik begründet wird, stehen nun aber doppelt infrage: durch die
Kolonialverbrechen der Neuzeit, die jeden moralischen Anspruch diskreditiert haben, und durch
geokoloniale Praktiken, die aus dem Emissionseintrag des Westens eine Art zweiter Versklavung des Südens werden lässt. Kein Wunder, dass es vor diesem Hintergrund inzwischen auch Befürchtungen gibt, die menschliche Zivilisation würde angesichts der klimapolitischen Herausforderungen zu keinem Übereinkommen finden. Stattdessen könnte sich ein '
fossiler Faschismus' entwickeln, eine weiße Reaktion auf den drohenden Verlust von Klimaprivilegien."
In der
NZZ überlegt der Jurist
Filippo Contarini angesichts der Coronamaßnahmen, ob
Freiheit in der Risikogesellschaft, die das Kollektiv nicht mehr erkennt, möglich bleibt. "Vereinfacht gesagt, geht es bei den kollektiven Interessen im Gesundheitssystem heute um die synchrone Sicherheit der Teilnehmenden,
als Individuen im Notfall in einem Spital untergebracht und gepflegt zu werden. So unangenehm es tönen kann, gilt daher
Freiheit in der Risikogesellschaft nicht mehr als Recht, selbstbestimmt das eigene Leben zu führen, sondern
als Sicherheit, im Fall eines Risikoeintritts von einer Rettungsinstitution Hilfe zu empfangen. Die Grundrechte dienen denn auch nicht mehr primär dazu, die Bürger vor übermäßigen staatlichen Angriffen zu schützen, sondern sie sorgen im Gegenteil dafür, dass der Staat weiterhin versprechen kann, dass er versuchen wird, seine Bürger zu retten. Es stellt sich die Frage, ob unser Recht langfristig auch weiterhin in der Lage sein wird, uns vor
eventuellen Exzessen staatlicher Eingriffe zu schützen."