9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.09.2014 - Internet

Laut Patrick Beuth in Zeit online, der sich auf eine Analyse des Bloggers Cubrilovoc bezieht, haben die Hacker, die die Icloud-Konten von Prominenten hackten, Sicherheitsfragen schlicht erraten und dann ein Passwort neu eingerichtet. Apple hat es ihnen einfach gemacht, weil man etwa Sicherheitsfragen beliebig oft starten kann. "Nutzer könnten diese Angriffe erschweren. Cubrilovoc hat zum einen die zum Teil veröffentlichten E-Mail-Adressen untersucht und festgestellt, dass 98 Prozent von ihnen zu Gmail, Yahoo oder einem der anderen großen Anbieter gehören. Wer für die iCloud-Registrierung eine Mailadresse bei einem weniger bekannten Anbieter wählt und in der Adresse nicht auf seinen echten Namen hinweist, ist besser geschützt."

In der Berliner Zeitung stellt Ulrike Simon einen neuen Online-Buchhändler vor, den ehemaligen Chef der Bild am Sonntag, Walter Mayer. Seine Idee: "Jede Bestellung wird umgehend an diejenige Buchhandlung weitergeleitet, die bei Book Affair mitmacht und geografisch am nächsten liegt. Je nach Buchhandlung wird das Buch geliefert, per Kurier oder Post, oder der Besteller kann es abholen. Auf diese Weise unterstützt der Nutzer den Buchladen um die Ecke, ohne auf die Online-Bequemlichkeiten verzichten zu müssen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.09.2014 - Internet

Es sind Nacktfotos von Jennifer Lawrence und anderen Stars übers Internet veröffentlicht worden. Die Geschichte könnte ziemlich peinlich für Apple sein, denn es scheint in der Icloud eine Sicherheitslücke gegeben zu haben, so dasss sich die Hacker in Lawrence" Konto einloggen konnten, berichten Lance Ulanoff und Pete Pachal in Mashable. Vielleicht dieselbe wie bei der App Find My Iphone? "Die meisten Systeme, in die man sich einloggt schützen sich gegen Brute-Force-Attacken (die immer neue Passwröter ausprobieren), in dem sie das System oder Konto nach einigen Login-Versuchen absperren. Das Iphone selbst wird Ihnen zum Beispiel für einige Minuten den Zugang verschließen, wenn Sie zu oft ein falsches Passwort ausprobieren. Aber offenbar hatte Find My Iphone keine solchen Begrenzungen. Am Montag berichtete HackApp, dass Apple diese Fehlstelle repariert hat."



Viele berichten darüber, so auch Ilpost.it: Bei Flickr sind 2,6 Millionen Bilder aus der Public Domain online gestellt worden, nachdem sie per Software aus Büchern, die sie illustrierten, freigestellt worden sind. Zum Beispiel diese Illustration aus "Alice in Wonderland"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.09.2014 - Internet

Joachim Güntner erklärt in der NZZ, warum es so schwer ist, im Streit zwischen Amazon und Hachette Position zu beziehen: "Der gegenwärtige Konflikt in der Buchbranche hat keine eindeutigen Frontverläufe. Es stehen Etablierte gegen Außenseiter, Nostalgiker gegen Progressive, Kulturpessimisten gegen digitale Enthusiasten, Kleine gegen Große, teilweise auch Junge gegen Alte."
Stichwörter: Amazon, Hachette

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.08.2014 - Internet

Die Dämonisierung der Internetkonzerne durch die alten Medien verschüttet die eigentlichen Probleme, meint Sascha Lobo in Spiegel Online, etwa die Manipulation des Verhältnisses von Social media und alten Medien durch den Terrorismus: "Die Inszenierung eines ultrabrutalen Konflikts als Real-Life-Actionfilm, dargeboten in Hunderten medialer Mosaiksteinchen, Filmchen, Fotos, Tweets, Facebook-Diskussionen, relevanzgeadelt durch die Redaktionen der Welt. An dem IS ist ein Mediendilemma erkennbar: Es besteht aus der Instrumentalisierung der Medienöffentlichkeit via Social Media, durch die zielgerichtete Produktion und Netzverbreitung von Ereignissen, über die Medien einfach berichten müssen: social Terror-PR..."

Außerdem: In der Welt feiert Gideon Böss Facebook als Medium der Völkerverständigung. Und ebendort fragt sich Mara Delius, was Amazon mit der Spielefirma Twitch will. Ingo Arzt murrt in der taz zum Twitch-Erwerb: "Als ordentlicher Kulturpessimist kommt man überhaupt nicht mehr hinterher, all diese Volten des Netzzeitalters in adäquate Verfallsszenarien zu integrieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.08.2014 - Internet

Stuart Jeffries trauert im Guardian um die Freiheit des World Wide Webs, das sich Facebook, Apple und Netflix zur Beute gemacht haben.
Stichwörter: Netflix, World Wide Web

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.08.2014 - Internet

In der Digitalen Agenda findet sich nicht nur nichts zu Überwachung, auch die Möglichkeiten, im Netz anonym zu bleiben werden dort misstrauisch kommentiert. Thomas De Maizière sprach bei der Pressekonferenz davon, dasss in der Realität der Verkehr auch durch Polizisten geregelt werde. Chris Ambrosi kommentiert in Netzpolitik: "Der Vergleich digitale Welt - analoge Welt hinkt. Anonymität in der analogen Welt ist viel eher möglich und selbstverständlich als in der digitalen Welt. Wer muss beim Kauf eines Kinotickets an der Kinokasse den Namen und Wohnort angeben?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.08.2014 - Internet

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat auf der Pressekonferenz zur "Digitalen Agenda" offenbar sträflichen Unsinn erzählt - unter anderem wusste er nicht recht über den Begriff der "Störerhaftung" in WLAN-Netzwerken Bescheid. Ein anonym bleibender Ministerialbeamter reibt es ihm bei Netzpolitik unter die Nase: "Gabriel tut hier so, als wenn die Abschaffung der Störerhaftung dazu führen würde, dass "niemand mehr haftbar gemacht werden kann", wenn er "Kriminalität vorbereiten" will. Wie wir eben gesehen haben, ist das aber Unfug: Denn die Störerhaftung betrifft ohnehin nur die Frage der zivilrechtlichen Haftung auf Unterlassung. Mit "Kriminalität" hat sie hingegen nichts zu tun. Strafrechtlich haften WLAN-Betreiber schon heute nicht für die Dinge, die andere Menschen im WLAN anstellen..."



Kai Biermann stellt bei Zeit online den Blogger Nicholas Felton vor, der unter dem Motto "Quantify Yourself" sein eigenes Leben überwacht und jährlich Rechenschaft ablegt: "Gerade hat Felton zum neunten Mal seinen Bericht veröffentlicht. In diesem Jahr hat er darin vor allem sein Kommunikationsverhalten analysiert. Wie viele E-Mails, wie viele SMS; über welche Themen redete er mit wie vielen Menschen - all das, was Geheimdienste interessiert, wenn sie jemanden ausspähen, hat Felton über sich selbst gesammelt und in aufwendigen Grafiken visualisiert."

In der NZZ warnt Roland Reuß vor der Verführungskraft der sozialen Netzwerke, die den einzelnen korrumpiert, entkernt und schließlich in die Depression treibt: "Die "smarten" Technikgeräte, die überall zum Einsatz kommen, sind jedoch nicht nur magische Mittel, das Subjekt manisch auszudehnen. Sie werden zugleich - und nicht selten im selben Verwendungszusammenhang - gebraucht, die Außenwelt so weit ins Subjekt eindringen zu lassen, dass dieses von ihr ohne Rest aufgelöst wird. Das ist, in genauer Umkehrung zur schrankenlosen Ausdehnung des Privaten, eine Spielart der Depression, wo der Druck von außen das Selbst so weit zusammenpresst, dass es schließlich nicht mehr aufzufinden, gleichsam vollständig in die Technik diffundiert ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.08.2014 - Internet

Netzpolitik hat sich dankenswerter Weise schon als Perlentaucher betätigt und eine Presseschau zur nun verkündeten Digitalen Agenda zusammengestellt. Die Begeisterung ist nicht groß. Stellvertretend sei Helmut Martin-Jung in der SZ zitiert: "Die lang erwartete Digitale Agenda ist nichts als eine Ansammlung von Aufgaben - und zwar von solchen, die schon seit Jahren versäumt wurden und die die Regierung nun auch noch in geradezu herzzerreißender Unverbindlichkeit aufgeschrieben hat."

In der taz ermuntert Johannes Thumfart dazu, das E-Book endlich mal als das anzunehmen, was es ist: keine schlechtere Version des gebundenen Buches, sondern etwas ganz eigenes: "Wer wissen will, was E-Books können, der muss vielleicht in Afrika anfangen. Seit Anfang des Jahrtausends wuchs die Internetnutzung auf dem Kontinent um 3.606 Prozent. Parallel dazu entwickelt sich eine rege E-Book-Publishing-Szene, mit rein digitalen Verlagen wie Cassava Republic aus Nigeria und Mampoer Shorts aus Südafrika sowie internationalen Projekten wie Worldreader und Pubslush, die von einer kostengünstigen Literarisierung des Kontinents per E-Book-Reader träumen. Netzzugang vorausgesetzt machen digitale Texte Bildung unbeschränkt zugänglich. Nie war der Akt des Publizierens und Lesens inklusiver als in Zeiten des E-Books. Und das nicht nur in Afrika, sondern auf ähnliche Weise auch in Indien und China, wo der digitale Buchmarkt schon längst ein Vielfaches des gedruckten darstellt."

Stefan Weidner erklärt in der SZ, warum er die Petition gegen Amazon nicht unterschreibt: Er fotografiert auch nicht mehr mit einer Leica. Das E-Book, erklärt er, ist die Zukunft und für die tun deutsche Buchverlage und der Handel viel zu wenig: "Um einen entstehenden Markt zu erobern und einen Strukturwandel zu überleben, der so gründlich ist wie die Digitalisierung, braucht man Aggressivität und einen unsentimentalen Blick nach vorn. Amazon hat das, der deutsche Buchmarkt nicht, nichts anderes belegt der Protest gegen Amazon. Ich verstehe die Gründe für den Protest und die Angst, aber das ändert nichts an der Verknöcherung und Reformunwilligkeit des Buchmarktes."

Außerdem in der SZ: Eigentlich können wir in Europa und auch Deutschland technologisch durchaus mit den Amerikanern mithalten, was die digitale Revolution angeht, meint Yvonne Hofstetter, Geschäftsführerin der Teramark Technologies GmbH: Wenn wir nur etwas risikofreudiger wären und diese Risikofreude auch den Mittelstand belohnen würde.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.08.2014 - Internet

Heute stellt die Bundesregierung die "Digitale Agenda" vor. Johannes Wendt fürchtet in Zeit Online, dass sich unter dem schönen Versprechen des Breitbandausbaus eine Aufgabe der Netzneutralität verbergen könnte - zum Nutzen der Telekom. Wendt zitiert Volker Tripp vom Verein Digitale Gesellschaft: "Denkbar sei laut Tripp, dass der Deutschen Telekom erlaubt wird, Spezialdienste einzurichten. Nutzer würden dann für spezielle Angebote wie Fernsehen über das Internet gesondert zahlen. Dafür bekommt der zahlungskräftige Nutzer eine gute Leitung von der Telekom, der Standard-Nutzer eine weniger gute."

(Via Readwrite) Nicht richtig zufrieden ist Matthew Keys in The Next Web damit, dass Twitter immer mehr wie Facebook wird. Nun kündigt der Dienst an, auch Tweets in die Timeline aufzunehmen, die zu einem Twitternutzer "passen" und nicht von den Leuten oder Medien stammen, denen er folgt. "Natürlich kann Twitter immer noch seinen Aglorithmus ändern, wenn sich Tweets von Leuten, denen man nicht folgt, als unpopulär erweisen. Dennoch hat Twitter hier eindeutig eine Linie überschritten: Es setzt in Zukunft auf seine Kuratierung der Daten, statt auf unsere eigenen Entscheidungen."

Welche Gesetze gelten eigentlich in Computerspielen? Johannes Boie erzählt in der SZ, dass sich die Spieler von Grand Theft Auto gerade wirklich am Kopf kratzen: Jemand hat sich in das Spiel eingehackt und vergewaltigt fremde Spielfiguren: "Es war die ultimative Demütigung, zumal im übersexualisierten Hiphop-Muskel-Männer-Kontext dieses Spiels. Vor allem aber: diese Handlung existiert in dem Spiel gar nicht, ihre Möglichkeit ist nicht einprogrammiert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.08.2014 - Internet

Thomas De Maizière hatte sich gestern in der FAZ darüber beschwert, dass sein Entwurf für die "Digitale Agenda", der seit Tagen unter Journalisten zirkulierte", von dem Blog Netzpolitik.org (das er nicht nennt) online gestellt wurde. Markus Beckedahl antwortet in Netzpolitik: "Wenn solche Papiere durchs politische Berlin wandern und den meisten Journalisten und Lobbyisten vorliegen, kann man sie auch gleich veröffentlichen. Warum sollten nur gut vernetzte Menschen daraus zitieren und darauf Einfluss nehmen dürfen?"

Der Schriftsteller Jan Brandt warnt bei Spiegel Online vor Amazon: "Das Alleinstellungsmerkmal von Amazon ist seine Omnipotenz. Amazon ist nicht nur das größte Buchkaufhaus, sondern seit der Übernahme des Antiquariatsportals ZVAB auch Deutschlands größte Buchgebrauchtwarenplattform - und womöglich in Zukunft auch eines der größten Verlagshäuser. Dann wäre das Ideal eines geschlossenen Warenkreislaufs in einer Firma verwirklicht."

Eine sehr nützliche Zusammenfassung der deutschen Amazon-Debatte bringt buchreport.de, wo auch aus Daniel Kehlmanns (nicht online stehendem) Focus-Artikel zitiert wird: "Das Geschäftsmodell von Amazon nimmt langfristig in Kauf, ja beabsichtigt wahrscheinlich sogar, dass die Verlage ihre Tätigkeit nicht fortführen können. Dann kann Amazon billig alle Autorenrechte erwerben und alle neuen Bücher selbst verlegen - und dieses Ziel verfolgt der Konzern, indem er zur Etablierung seiner Marktmacht gigantische Verluste in Kauf nimmt. Es ist nicht zu begreifen, warum die Kartellbehörden nicht reagieren."

Dass die Leute der Wikipedia mehr trauen als gedruckten Lexika, hat sich inzwischen herausgestellt. Nun zeigt eine Umfrage, dass sie der Wikipedia mehr trauen als den Medien. Für Timothy Geigner in Techdirt liegt das daran, dass "eine Diskussion immer vertrauenswürdiger ist als eine Lektion. Das ist der eigentliche Unterschied. Wenn du wissen willst, wie gut ein Lehrer in der Schule ist, holst du den besten Schüler, den schlechtesten Schüler, den Direktor und den Lehrer und analysierst, was sie zu sagen haben. Du holst nicht den PR-Mann der Schule."