9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.10.2019 - Medien

Der Kleinanzeigenkonzern Axel Springer wird nach dem Eintritt des Investors KKR die verbliebene Mediensparte weiter reduzieren, berichten alle Medien, hier etwa Klaus Max Smolka vom Wirtschaftsteil der FAZ: "Bild mit seinen Regionalausgaben, die Hauptstadt-Boulevard-Zeitung B.Z., Bild am Sonntag, Welt und Welt am Sonntag würden auch als gedruckte Zeitungen weiter bestehen, teilte das Unternehmen mit. Kleinere Titel verschwinden: Springer schließt die werktäglichen Ausgaben der Kurzversion Welt Kompakt und der Welt Hamburg - in der Hansestadt war die Welt ebenso wie die Bild einst ansässig gewesen." Auch das Wirtschaftsmagazin Bilanz soll verschwinden. In der taz berichtet Peter Weissenburger.

Während bei den Zeitungen 50 Millionen Euro eingespart werden, soll die Bild-Zeitung mit einem Aufwand von 100 Millionen Euro zur Fernsehmarke ausgebaut werden, berichtet Zeit online, mehr bei bei Spiegel online.
Stichwörter: Axel Springer Verlag

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.09.2019 - Medien

Erst war es ein Verbrechen, dass Google Snippets aus Presseartikeln anzeigte, nun ist es ein Verbrechen, dass es keine Snippets mehr anzeigen will, weil der Konzern kein Geld für Leistungsschutzrechte zahlen will. In Frankreich, wo das EU-Urheberrecht zuerst umgesetzt wird, hat Google angekündigt, auf Snippets verzichten zu wollen (unsere Resümees). "Passt den Silicon-Valley-Konzernen etwas nicht ins Geschäft, ziehen sie alle Register, um zu zeigen, wer am längeren Hebel sitzt", klagt Michael Hanfeld in der FAZ. Und schlägt nun eine Kooperation mit den sonst so harsch kritisierten Öffentlich-Rechtlichen vor: "Die Verlage sollten sich überlegen, ob nicht sie den Plan einer europäischen Plattform im Netz, den der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm seit längerem propagiert, in die Tat umsetzen. Wie wäre es mit 'News' ohne Google News?" Die Öffentlich-Rechtlichen würden sicher gern ein bisschen von den Gebühren an die Zeitungen überweisen...

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.09.2019 - Medien

Seltsam, dass es so eine Studie vorher noch nicht gab. Die Unternehmensberatung Roland Berger und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster haben gemeinsam untersucht, wieviel Zeit Konsumenten mit welchen Sendern und Streamingdiensten verbringen. Die Ergebnisse sind ziemlich Aufsehen erregend, schreibt Christian Buß bei Spiegel online: "Nur noch etwa die Hälfte der Sehzeit (54 Prozent) verbringt das Publikum demnach heute mit linearem Fernsehen, Tendenz fallend. In den Top 5 bei der Gesamtsehzeit ringen die drei großen linearen deutschen Fernsehanbieter mit den beiden großen Streamingplattformen: 10,3 Prozent des Zeitbudgets für audiovisuelle Medien des deutschen Gesamtpublikums kommen der Erhebung zufolge Netflix zugute. Auf den Plätzen danach folgen RTL (10,0 Prozent), ZDF (9,8 Prozent) und ARD (8,8 Prozent), dann Amazon (8,7 Prozent)." Hier der Link zur Studie. Die Öffentlich-Rechtlichen werfen der Studie handwerkliche Mängel vor.

Zeit-Vzechefredakteur Bernd Ulrich, ein großer Kritiker der Klimapolitik (der "SUV unter den Moralisten", sagt Martin Sonneborn), sollte eine Leserreise der Zeit moderieren. Das Problem dabei: Es handelt sich um eine Kreuzfahrt, die übrigens bereits ausgebucht ist. Nach Kritik bei Twitter hat Ulrich abgesagt. Stefan Winterbauer berichtet bei Meedia.de: Nun "gehen Zeit-Vize-Chefin Sabine Rückert sowie die Redakteure Martin Klingst und Jochen Bittner als Vertreter der Redaktion an Bord. Vermutlich ohne Gewissenskonflikte im Gepäck. Die Zeit-Reisen haben übrigens eine ganze Unterkategorie nur für Kreuzfahrten und auch im Blatt wurden durchaus schon des öfteren Werbe-Anzeigen von Kreuzfahrt-Unternehmen gesichtet. Die Zeit lesen und auf Kreuzfahrt gehen, das scheint zu passen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.09.2019 - Medien

Mehr als alle anderen Medien bringt ausgerechnet die kleine Wiener Wochenzeitung Falter die Kurz-Regierung in Bedrängnis, berichtet Matthew Karnitschnig bei politico.eu (Kurz' Chancen bei der Wahl am Sonntag dürften dennoch kaum geschmälert werden): "Die Kurz-Regierung reagierte auf die Recherchen mit der Kürzung aller staatlich finanzierten Werbung beim Falter, was die Zeitung rund 500.000 Euro pro Jahr kostet. Die Regierung  versuchte auch, die Berichterstattung der Zeitung zu untergraben, indem sie ihre Informationen mit Vorliebe an andere Medien weitergab."

Die FAZ feiert sich gerade zu ihrem Siebzigsten selbst. Und man diskutierte über Digitalisierung - Thomas Thiel berichtet: "Die Schriftstellerin Eva Menasse, die mit Sandra Kegel über Literaturkritik sprach, schüttelte, auf die von Gerhard Lauer vorgestellten Literaturplattformen im Netz angesprochen, nur den Kopf: 'Ich lese ganze Bücher.'"

Michael Hanfeld liest in der FAZ ein Thesenpapier der FDP-Landtagsabgeordneten Thomas Nückel aus Nordrhein-Westfalen und Jan Marcus Rossa aus Schleswig-Holstein zu  den öffentlich-rechtlichen Sendern, das recht radikal klingt: "Sie deklinieren ihre Vorstellung bis ins Detail: Reduzierung der Anzahl der Kanäle; Reduzierung aufs Kernprogramm, für das bestimmte Sendezeiten vorgeschrieben werden; maximal zwanzig Prozent der Programmausgaben für Unterhaltung, maximal zwanzig Prozent Unterhaltung im Programm; sechzig Prozent aller Ausgaben müssen ins Programm fließen, sechzig Prozent des Programms müssen von Privaten produziert werden; keine Beteiligungen der öffentlich-rechtlichen Anstalten an Produktionsfirmen; Personal- und Verwaltungskosten dürfen maximal dreißig Prozent des Gesamtbudgets ausmachen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.09.2019 - Medien

Der "Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger" (BDZV) benennt sich um in "Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger" (mit der gleichen Abkürzung) und will nun offenbar auch Medien wie den Perlentaucher oder Blogger aufnehmen, wenn man Stefan Winterbauer glaubt, der für Meedia, die Rede des BZDV-Vorsitzenden Mathias Döpfner resümiert: "'Jeder Blogger ist ein potenzieller Großverleger der Zukunft', sagte Döpfner, sofern er sich zu den Grundsätzen bekenne, die für Verleger gelten. Allerdings würden dann auch die gleichen Rechte gelten. Deshalb müssten auch Blogger vom Publishers' Right, früher bekannt als 'Leistungsschutzrecht', profitieren können, so sie dies wünschten. Blogs, die professionell nach journalistischen Qualitätskriterien arbeiten, seien Zeitungen der Zukunft, so Döpfner."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.09.2019 - Medien

Kritisch beleuchtet Axel Bojanowski in den Uebermedien die in diesen Tagen verstärkte Berichterstattung der Medien zum Klimawandel: "Die Komplexität des Klimawandels darzustellen, kann Journalisten in die Ecke der 'Klimaleugner' manövrieren, das ist jene häufig politisch motivierte Gruppe, die Risiken des Klimawandels herunterspielt, dem Stand der Forschung widersprechend. Folge des Ausgrenzungsdrucks ist eine beachtliche Homogenisierung der Berichterstattung zum Klimawandel. Diese Woche erreicht sie einen neuen Höhepunkt."
Stichwörter: Klimawandel, Klimakrise

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.09.2019 - Medien

In der SZ lässt sich Alex Rühle von Journalisten aus Polen, Ungarn und Österreich berichten, wie die Regierungen dort die Presselandschaft ruinieren, ohne sich dem Vorwurf aussetzen zu müssen, direkt die Pressefreiheit zu gefährden. Márton Gergely von der Wochenzeitschrift HVG sagt über Viktor Orban: "Er lässt die Geschäftsleute die Dreckarbeit machen." Bartosz Wieliński von der Gazeta Wyborcza: "Uns hat man auch versucht, ökonomisch auszuhungern. Nach dem Sieg der PiS 2015 wurden alle staatlichen Gazeta-Abos gestrichen. Es fühlte sich an, als hätte ganz Warschau aufgehört, die Zeitung zu lesen. Selbst an den staatlichen Tankstellen gibt es uns nicht mehr. Bei uns gab es zwar Entlassungen damals, aber wir haben überlebt. Wir haben eine Paywall eingeführt und heute 200.000 Online-Abonnenten. Damit sind wir die weltweit sechzehntgrößte Onlinezeitung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.09.2019 - Medien

Gregory Lipinski resümiert bei Meedia Neuestes zu Sparplänen bei Springer nach dem einstieg des Investors KKR. Vor allem soll die Sparte "News Media" dran glauben, womit selbstredend die Zeitungen Welt und Bild gemeint sind: "Von dem Personalabbau sollen aber auch die Druckereien und die Vermarktung nicht ausgenommen sein. Vor allem das Druckgeschäft hat in den ersten sechs Monaten 2019 kräftig Federn gelassen. So gingen die Umsatzerlöse im Segment Services/Holding, zu der die Druckereien gezählt werden, gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum durch den marktbedingten Rückgang im Geschäft mit Druckerzeugnissen um 10,5 Prozent zurück."
Stichwörter: Springer Verlag

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.09.2019 - Medien

In der Berliner Zeitung stellen sich die neuen Eigner, Silke und Holger Friedrich (unser Resümee), in einem Gespräch nun auch den Lesern vor. Sie beteuern ihre Liebe zu Print, zu Regionaljournalismus und ihr gesellschaftliches Engagement (aber Geld verdienen wollen sie mit der Zeitung trotzdem). Interessanter wird's wo Holger Friedrich politisch wird: "Wir haben zum Beispiel eine hochrestriktive Verkehrspolitik in Berlin und gleichzeitig so viele Pkw-Zulassungen wie noch nie. Wir haben eine enorm restriktive Wohnungswirtschaftspolitik in Berlin und gleichzeitig die am stärksten wachsenden Mieten in Europa. Wir haben die teuersten Schulplätze in ganz Deutschland und mit Abstand die schlechtesten Ergebnisse. Unser Ehrgeiz ist geweckt, die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit transparent und konstruktiv zu diskutieren."

Eine Initiative von Medien wie correctiv.org veröffentlicht einen offenen Brief an die Mitglieder des Bundesrats, die darüber beraten, ob Journalismus als gemeinnütziger Zweck  anerkannt werden kann. Gemeinnütziger Journalismus könne nicht den Markt schädigen, beschwichtigen sie: "Gemeinnütziger Journalismus kann nur da funktionieren, wo der Markt versagt, nur da sind Bürger*innen bereit, für ein Medienangebot zu spenden. Solange Medien - vor allem im lokalen Raum - funktionieren, haben gemeinnützige Organisationen keine Chance sich zu etablieren. Der gemeinnützige Journalismus füllt Lücken und sorgt so für Vielfalt. Um es klar zu sagen: Angebote des gemeinnützigen Journalismus können keiner Regional- oder Lokalzeitung und auch keinem Fernseh- oder Radiosender Konkurrenz machen. Das anzunehmen wäre übertrieben. Es geht immer um Nischenangebote." Ach so, es geht nur um Nischen.

Man hätte "keine Hitler-Parallele bemühen müssen, um die fatale Tendenz in den Höcke-Zitaten herauszupräparieren", schreibt Jens Jessen in der Zeit zum Höcke-Interview (Unser Resümee). Sprachanalyse und ein Mindestmaß an Gelassenheit hätten gereicht, meint er: "Es ist ein Unglück, dass stattdessen die überfallartige Konfrontation mit scheinhaften Beweisstücken gewählt wurde, die noch dazu auf eine Weise gewonnen wurden, die eher kabarettwürdig war als journalistisch seriös. Die Neigung zu boshaftem Kabarett und denunziatorischem Überfall ist gerade eines der demagogischen Mittel der AfD. Man wird die Partei nicht bloßstellen und schon gar nicht entzaubern, wenn man sie kopiert."

Außerdem: Stefan Niggemeier wendet sich in den Uebermedien gegen die Interpretation einer Studie des Reuters Institute zur Glaubwürdigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender in Europa durch die FAZ (unser Resümee) und andere Medien und kommt zum  Schluss, dass es mit der Glaubwürdigkeit von ARD und ZDF in Wirklichkeit sehr gut stehe. Im FR-Interview mit Christian Seidl erklärt Spiegel-Reporter Juan Moreno, der seinen Spiegel-Kollegen Claas Relotius (Unsere Resümees) ohne jeglichen Rückhalt der Redaktion der Fälschung überführte und gerade ein Buch zum Thema veröffentlichte,  wie das System Relotius funktionierte.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.09.2019 - Medien

Der Dumont-Verlag hat den Berliner Verlag mit der Berliner Zeitung und dem Berliner Kurier an das Millionärsehepaar Silke und Holger Friedrich verkauft, die in Berlin eine schicke Privatschule betreiben und in Techno-Clubs engagiert waren, aber ihr Geld wohl zuvor in der Software-Industrie gemacht haben, berichtet Gregory Lipinski  bei Meedia. Das Ehepaar sagt, dass es eine "versachlichte, faktenbasierte Berichterstattung " anstrebe und den Kauf der Zeitung "als zivilgesellschaftliches Engagement in bewegten Zeiten" ansehe.

In der taz zitiert Alexander Nabert die Betriebsvorsitzende Renate Gensch, die vor Stellenabbau warne: "'Ich habe schon lange die Befürchtung, dass die Printzeitung abgeschafft werden soll', sagt Gensch. Die Druckerei, die mit zur Verkaufsmasse gehört, habe rund 200 Mitarbeiter. Die starke digitale Ausrichtung der Übernahme könnte eine solche Einstellung der Printzeitungen vorbereiten."

Die beiden Käufer haben sich gestern der Belegschaft der Zeitungen vorgestellt, schreibt Zacharias Zacharakis bei Zeit online: "Es sei ein eher bescheidener Auftritt des Ehepaars gewesen, das seit rund 20 Jahren verheiratet ist und drei gemeinsame Kinder hat, berichten Teilnehmer aus dem Verlag. Man habe nicht die üblichen Worthülsen der Medienmanager zu hören bekommen, sondern klare Statements." Als Kaufpreis ist von einer "mittleren zweistelligen Millionensumme" die Rede. "Der Berliner Markt gilt als besonders schwierig, mancher sagt, als unschiffbares Gewässer, und das seit dreißig Jahren", warnt Götz Hamann in einem zweiten Artikel bei Zeit online.

Ebenfalls in der taz berichtet Steffen Grimberg über Sorgen vor Stellenabbau im Axel Springer Verlag.

Bei den Uebermedien berichtet Daniel Bouhs über die Mühen der öffentlich-rechtlichen Sender, ihre Archive online zu stellen. "Nur einige wenige Sendungen wie 'Panorama' oder auch 20-Uhr-'Tagesschau' und 'Tagesthemen' stehen bislang über Jahre oder sogar Jahrzehnte frei im Netz." Naja, wenn man bei der 'Tagesschau' ein Datum von 1989 eingibt, bekommt man Ergebnisse von 2007!

Frank Lübberding liest in der FAZ vergleichende Studie des Reuters Institutes zu öffentlich-rechtlichen Sendern in Europa. ARD und ZDF kommen auch online demnach schlechter beim jüngeren Publikum an als die BBC, und auch politisch sieht Lübberding ein Problem: "Das Vertrauen in die Berichterstattung ist, so das Reuters Institute, in Deutschland bei jenen Zuschauern, die sich politisch in der Mitte oder links verorten, größer als bei denen, die sich politisch rechts der Mitte sehen. Ein vergleichbarer Vertrauensverlust auf dieser Seite des politischen Spektrums ist woanders nicht festzustellen, auch nicht bei der BBC." Hier stellt das Reuters Institute die Ergebnisse der Studie im Detail vor.