"
Arte verhindert Doku zu Antisemitismus",
berichtete gestern
Götz Aly in der
Berliner Zeitung. Der von
WDR-Journalisten für
Arte gemachte 90-Minuten-Film wurde von
Arte-Chef
Alain Le Diberder wegen angeblich fehlender "Multiperspektivität" abgelehnt. In dem Film ist auch von Antisemitismus in der Linken und arabischem Antisemitismus die Rede. "Den in jeder Weise positiven Eindruck von dieser Dokumentation teilt mit mir der Historiker
Michael Wolffsohn. Doch konnte die zuständige Redakteurin Rollberg nichts gegen die französische Blockade ausrichten. Deshalb baten die Filmemacher
Tom Buhrow, den Intendanten des
WDR, um helfendes Eingreifen. Wie
Jörg Schönenborn in dessen Auftrag antwortete, respektieren er und Buhrow jedoch die 'nachvollziehbare', angeblich aus 'formellen Gründen' getroffene Ablehnung von Alain Le Diberder."
Götz Aly wird heute übrigens 70 Jahre alt - wir Perlentaucher, die sehr stolz sind, dass wir mit ihm so häufig kooperieren konnten, gratulieren!Arno Widmann schreibt in der
Berliner Zeitung zu
Alys Siebzigstem (leider nciht onlline): "Es gibt Menschen, deren Intelligenz ist eins mit ihrer Anpassungsfähigkeit. Zu denen zählt Götz Aly nicht. Er wuchs auf in einem Deutschland, das vorgab, nichts gewusst zu haben von der
Judenvernichtung, von dem mörderischen
Euthanasieprogramm. Gegen diese Lebenslüge einer inzwischen fast ausgestorbenen Generation schreibt Aly an. Wie er auch anschreibt gegen die Vorstellung, die
68er-Bewegung - 'Brecht dem Staat die Gräten, alle Macht den Räten' - sei als Demokratisierung der bundesrepublikanischen Verhältnisse gemeint gewesen."
Fake News hin oder her. Der Brexit wurde von
Zeitungen bewerkstelligt, nicht von Facebook. Katrin Brennholf
blickt in einem Hintergrundartikel für die
New York Times auf die bleibende Macht der
Boulevardblätter in Britannien: "Ihre Leser, meist über fünfzig, Arbeiterklasse und außerhalb von London, sehen sehr stark nach jenen Wählern aus, die das Referendum im letzten Jahr entschieden haben. Diese
Bürger des Brexitlands repäsentieren die Tabloids im Herzen des feindlichen Territoriums: Beherbergt in palastähnlichen Gebäuden in Londons
teuersten Lagen sehen sie sich als die Londoner Botschaften Mittelenglands."
Simon Hurtz und Hakan Tanriverdi
warnen unterdessen in der
SZ vor dem "
Facebook-Faktor", dem die
SZ ein ganzes
Dossier widmet. Deutlich geworden sei er in der amerikanischen Provinz, die für Trump stimmte, während die Leitmedien nichts von dieser Tendenz bemerkten: "Je mehr
Lokal- und Regionalzeitungen sterben, desto drastischer wird dieser Effekt. In Deutschland ist es noch nicht so weit, aber die Entwicklung geht in dieselbe Richtung. München, Berlin und Hamburg sind großartige Städte, aber ein Großteil der Bevölkerung
lebt woanders. Teilweise findet man diese Menschen auf Facebook, teilweise müssen Reporter öfter weiter weg von ihrer Redaktion recherchieren."
Weiteres: In der
NZZ analysiert Paul Jandl den Niedergang der
Streitkultur, den er vor allem durch die neuen Medien befeuert sieht. In der
FAS warnt Bert Rebhandl schon mal vorsorglich vor der annoncierten, aber bisher noch nicht konkretisierten
neuen Rechercheplattform des österreichischen Milliardärs
Dietrich Mateschitz (
Servus TV), denn Mateschitz verbinde gewisse populistische Ansichten (Kritik an den Mainstreammedien oder an der europäischen Russlandpolitik) "mit einer Haltung, die ihn für libertäre wie für ökosoziale Aspekte gleichermaßen anschlussfähig erscheinen lässt: '
Individualismus und Nonkonformismus'".