Im Nahostkonflikt haben sich erstmals
arabische Israelis mit Palästinensern gegen jüdische Israelis verbündet, berichtet Peter von Münch in der
SZ, obwohl das Verhältnis zwischen ihnen notorisch schlecht war. Aber auch viele arabische Israelis haben die Nase jetzt voll: "Staatsgründer David Ben-Gurion hatte den arabischen Bürgern 1948 zwar
explizit die gleichen Rechte wie den jüdischen Bürgern zugesichert, doch de facto leben sie in einer Parallelgesellschaft -
weitgehend abgekapselt von den staatlichen Institutionen, und dazu in erstaunlichem Maße oft auch vom israelisch-palästinensischen Konflikt. ... In der Ära Netanjahu kam noch ein weiteres Element dazu:
gezielte Hetze und Ausgrenzung sowie ein 2018 verabschiedetes Nationalstaatsgesetz, das die israelischen Araber zu
Bürgern zweiter Klasse machte."
Ebenfalls in der
SZ sieht der israelische Schriftsteller
David Grossman die Schuld für die Eskalation der Gewalt bei der
Politik Netanjahus, der die Hamas immer habe gewähren lassen, um die Palästinenser zu spalten. "So konnte er die Konfliktkonstellation einfrieren und zugleich darauf hinarbeiten, dass die Entwicklung im Inneren Israels hin zu einem
rein jüdischen Staat nicht gefährdet wird. ... Über lange Jahre hinweg dachte ich, dass nur in den besetzten Gebieten
eine Art Apartheid herrscht. Die Situation der Palästinenser dort ist so viel schlechter als das Leben irgendeines Bürgers in Israel. Inzwischen denke ich, dass diese wachsende Benachteiligung an den Grenzen Israels nicht haltmacht. Um die Maschinerie der Apartheid in den besetzten Gebieten am Laufen zu halten, muss sie
aktiv aus dem Inneren Israels unterstützt werden. Allmählich und vielleicht ohne dass dies im allgemeinen Bewusstsein wahrgenommen wird, entwickelt sich so etwas wie der Beginn von Apartheidskonzepten innerhalb Israels selbst".
In einem Substack-
Artikel, der auch der israelischen Regierung und rechtsextremen israelischen Aktivisten keine Kritik erspart, bekennt
Bari Weiss doch auch ihre Verzweiflung über die modische Linke, die in den sozialen Medien, das "
große Narrativ" von der Hamas als Widerstand bedienen und fabrizierte Videos verbreiten. Verteidiger Israels wollen sich davon nicht anfechten lassen und bezweifeln die Relevanz solcher Äußerungen. Und "ich dachte lange auch so. Aber jeder, der auf die jüdische Geschichte blickt, weiß, dass sich
Lügen wie ein Virus verbreiten können. Dass solche Lügen ganze Bevölkerungen infizieren können. Und dass es für das jüdische Volk nicht gut ausgeht, wenn ganze Menschenmassen von Lügen verseucht verseucht werden."
Weiss verweist auf
einen Artikel Matti Friedmans im
Tabletmagazine, der erklärt, wie solche Lügen im Zeitalter der sozialen Medien funktionieren: "Im Geist von 2021 werden
aufregende Videos aus ihrem Kontext gerrissen und in ideologische Kreisläufe geschickt, um
alles zu beweisen, was gerade bewiesen werden soll. Explosionen in der Al-Aqsa-Moschee könnten bedeuten, dass die israelische Polizei im Inneren Tränengas abschießt, so dass die heilige Stätte entweiht wird, oder dass muslimische Randalierer Vorräte an Feuerwerkskörpern abschießen, die sie
im Inneren gehortet haben, um sie gegen die Polizei einzusetzen, so dass die heilige Stätte entweiht wird. Ein israelischer Autofahrer, der am Montag in der Nähe des Lions' Gate einen Palästinenser anfuhr, könnte ihn
ermordet haben wollen, oder ein Fahrer sein, der die Kontrolle über sein Auto verlor, während er vor Palästinensern
flüchtete, die ihn töten wollten."
Dass die
Hamas ihre Waffensysteme gern in Wohngebieten bunkert, ist bekannt, aber es gibt noch einen Grund, warum die
Zahlen der Toten durch Raketenabschüsse im
Gazastreifen deutlich höher ist als die der Israelis: "In Gaza haben die meisten Bewohner
keine Bunker, in die sie sich zurückziehen können",
erklärt Jochen Stahnke in der
FAZ. "Jedenfalls lässt die islamistische Hamas, die den mit zwei Millionen Palästinensern überbevölkerten Küstenstreifen kontrolliert,
normale Leute nicht in ihr weitverzweigtes Tunnelsystem, das sich in vielen Gebieten des Gazastreifens unter der Erde befinden soll."
Die meisten Palästinenser im Gaza-Streifen haben mit der Hamas nichts zu tun und sind
einfach Opfer,
sagt die im Gaza-Streifen lebende Politologin
Reham Owda in der
taz. Hinzukommt, "dass die
Gesundheitssituation immer schlimmer wird, da sich Corona im Gazastreifen ausbreitet und die meisten Krankenhäuser mit
Covidpatient*innen überfüllt sind. Es fehlt an Impfstoff, Beatmungsgeräten und Medikamenten. Mit der militärischen Eskalation sind jetzt die meisten Krankenhausbetten mit Verletzten belegt. Laut einem Bericht des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden mehr als 360 Menschen verletzt."