Schwerpunkt: Gewalt gegen Frauen In deutschen Medien hat die Meldung, dass die Türkei aus der "
Istanbul-Konvention" zur Stärkung der Frauenrechte ausgetreten ist (unser
Resümee), wenig Echo ausgelöst.
Necla Kelek erläutert bei
emma.de, was dieser Schritt bedeutet: "Die AKP inszeniert seit Jahren einen regelrechten Kulturkampf gegen
die laizistischen Werte der Republik. Der Austritt aus der 'Istanbul-Konvention' ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Erdogan, dessen Ehefrau und Tochter islamisch verschleiert sind, erklärte wiederholt, die Gleichberechtigung von Mann und Frau sei '
widernatürlich'. Und Vizepräsident Fuat Oktay sagte, die Türkei brauche zum Schutz der Frauenrechte 'keine ausländischen Vorbilder'. Er sagte: 'Die Lösung liegt in
unseren Bräuchen und Traditionen'." Die EU begibt sich unterdessen wieder auf Schmusekurs mit der Türkei,
berichtet Eric Bonse in der
taz.
Allein 2019 starben
400 Frauen in der Türkei infolge häuslicher Gewalt (Deutschland steht mit 117
laut taz auch nicht gerade gut da), weiß Susan Vahabzadeh im Feuilleton der
SZ, um dann vor allem auf
Gewalt gegen Frauen im Westen einzugehen: "Wenn rechte politische Strömungen ein Frauenbild aus den Fünfzigern pflegen und eine fehlgeleitete politische Korrektheit verlangt, dass Frauen nicht mehr als Gruppe wahrgenommen werden, weil
andere Zugehörigkeiten, die ethnische beispielsweise, dringlicher sind, dann werden die Rechte von Frauen in einem Kulturkampf zerrieben. Gewalt gegen Frauen war immer schon ein
Tabuthema. Für Frauen oft heikel, viel zu persönlich, Männern unangenehm, die damit selbst gar nichts zu tun haben und sich angegriffen fühlen. Da hat eine weitere Tabuisierung gerade noch gefehlt. Es müsste
viel mehr darüber geredet werden."
Femizid ist die "
Grundlage"
rechter Gewalt,
schreibt Tina Hartmann in der
FR, denn "den Anhänger:innen von QAnon, Trumpisten, reaktionären Regierungen und anderen rechten Verbünden geht es primär um die Verteidigung der
Herrschaft des Männlichen. (...) Patriarchales Denken funktioniert nur als Kippfigur von unterdrücken oder unterdrückt werden. Die Vorstellung einer Frau, die dem Mann nicht mehr Untertanin ist, muss daher in die Angstvision weiblichen Herrschaftsanspruchs über Männer kippen. Sie ist allen
rechten Gesinnungen und
radikalen religiösen Orthodoxien gemeinsam und keinesfalls Signatur der islamischen Welt."
Im
Spon-
Interview mit Fritz Schaap erzählt die Exil-Äthiopierin
Fanita Solomon indes von den grausamen
Vergewaltigungen von Frauen in der Kriegsregion
Tigray durch eritreische und
äthiopische Soldaten und Milizionäre: "Ein Mädchen erzählte uns, wie sie in ihrem eigenen Haus vergewaltigt wurde. Als ihr Bruder sie beschützen wollte, wurde er vor ihren Augen erschossen, und die Soldaten vergewaltigten sie weiter, während er verblutete. Eine andere Frau erzählte, dass ihr Vater an einen Stuhl gefesselt wurde und zuschauen musste, wie sie vergewaltigt wurde. Ihr Vater brachte sie dann in eine Klinik. Eine andere Frau erzählte, Soldaten hätten ihr
schmutzige Tücher und Steine eingeführt. Sie musste operiert werden. Viele Geschichten ähneln sich. Die Worte, die die Täter sagen, sind oft die gleichen. Dass den Frauen etwas injiziert wird, das sie benommen macht, hören wir immer wieder."