Die Soziologin
Eva Illouz gehörte zu den Unterzeichnern jener Petition von 240 jüdischen und israelischen Intellektuellen, die kritisieren, dass der Bundestag die
Israel-Boykott Bewegung BDS als antisemitisch bezeichnet. Weil das Jüdische Museum in einem Tweet auf den Artikel hinwies, musste der Direktor
Peter Schäfer zurücktreten. Im
FR-Interview mit Anja Reich
kritisiert Illouz das sehr, gibt aber zu, dass ihr BDS auch unangenehm ist: "
Die Linke ist sehr verwirrt. Es gibt Menschen, die der Shoa-Verleugnung nahe stehen, und welche, die glauben, dass der Antizionismus eine angesagte und moderne Verteidigung der Menschenrechte ist. Man kann sie auch in schlechtmeinende und gutmeinende Linke unterscheiden. Die schlechtmeinenden greifen auf altbekannte antisemitische Vorurteile zurück, verteufeln Juden und ignorieren völlig, dass auch die Palästinenser viele Möglichkeiten, den Konflikt zu lösen nicht genutzt und damit ihrer eigenen Sache keinen guten Dienst erwiesen haben. Sie haben Recht, die Grenze zeigt sich genau an diesem Punkt: Geht es um Kritik an der Besatzung oder geht es um die
Verweigerung des Existenzrechts Israels, wenn beispielsweise zum Boykott des Eurovision Song Contest in Tel Aviv aufgerufen wird."
Der Historiker
Yehuda Bauer sperrt sich im
NZZ-Interview dagegen, trotz des zunehmenden
Antisemitismus die heutigen Entwicklungen mit den
dreißiger Jahren gleichzusetzen. Denn autoritäre Politiker wissen heute die Demokratie für sich zu nutzen: "Leute wie
Orban sind viel zu klug, um eine
Diktatur zu errichten, denn irgendwann fällt jede Diktatur zusammen. Stattdessen kann er so weiterregieren, wie er es jetzt tut. Dasselbe hoffen die Regierenden in Polen. Die Anführer dieser rechten Parteien sind auch keine Antisemiten, aber sie unterstützen eine Bewegung, die sich als
antisemitischer Unterleib entwickelt. Die Freiheitliche Partei in Österreich hat antisemitische Wurzeln, ihre Anführer nicht unbedingt. Auch in Amerika gibt es einen wilden Rassismus gegen Juden, Schwarze, Muslime und auch gegen Katholiken."