Ilhan Omar hat antisemitische Dinge gesagt,
schreibt Adam Serwer in
Atlantic, aber auch Trump hat antisemitische Muster ausgebeutet und ist nicht in der richtigen Position, um sie mit Verweis auf ihre Position zu Israel zu attackieren. Trumps Attacken auf Ilhan Omar aber seien eine "Attacke auf ein Symbol des
demografischen Wandels, der die weiße kulturelle und politische Hegemonie erodieren lässt, und deren Verteidigung ist Trumps einziges ernsthaftes politisches Ziel." Vorher
hatte James Kirchick bereits in
Atlantic geschreiben: "Trumps
Berufung aus Israel, um vier Frauen aus ethnischen Minderheiten anzugreifen, ist von
atemberaubendem Zynismus, weil er daran arbeitet, Juden und und Menschen mit dunklerer Hautfarbe gegeneinander aufzubringen."
Trump "betreibt Wahlkampf mit einem offenen,
expliziten Rassismus"
sagt die Politologin
Astrid Seville in der
SZ: "Ein solches Denken hat gerade eher wieder Konjunktur - in der westlichen Welt, vom Brexit über den Beinahe-Wahlerfolg von Le Pen bis zur FPÖ und eben der AfD. Mit dem Hindu-Nationalismus in Indien gibt es aber auch ein eindrückliches
nichtwestliches Beispiel. Quasi alle Fälle eint ein starker Anti-Einwanderungs-Diskurs, bei dem sich zunächst die Sprache verändert hat - und dann die Politik. Man verschiebt erst das
Sagbare und damit dann das
Machbare."
Unter dem Streit zwischen Trump und "The Squad" verbirgt sich aber noch ein anderer, jetzt gerade
stillgestellter Streit, nämlich der zwischen den jungen linken Abgeordneten und der gemäßigten demokratischen Vorsitzenden
Nancy Pelosi. Sowohl die Linke um "The Squad" als auch die Rechte um Trump profitierten von einer
Sklerose einst starker Institutionen,
sagt der Politologe
Rick Perlstein im Gespräch mit Isaac Chotiner vom
New Yorker: "Diese
Links-Rechts-Sache kann stark ablenken. Warum sprechen wir nicht mal über feste institutionelle Strukturen, die mehr und mehr von allen möglichen Leuten zurückgewiesen werden, ob sie nun Trump-Anhänger, Sanders-Anhänger oder Elizabeth Warren-Anhänger sind?"
Trump und die Squad brauchen sich,
meint Geoffrey Kabaservice im
Guardian. Bei Trump ist das offensichtlich, er kann die Demokraten in die
linke Ecke stellen. Und die Squad? Ist damit
sehr zufrieden, glaubt Kabaservice, denn die Squad wolle ihren Ruhm nutzen, um die Demokratische Partrei
nach links zu rücken, so wie die Konservativen die Republikaner nach rechts rückten, und sie seien zuversichtlich, damit
Wahlen gewinnen zu können. "Ocasio-Cortez Stabschef
Saikat Chakrabarti kritisierte neulich, dass die 'ganze bisherige Theorie der Demokratischen Partei über den Wandel ist, dass wir auf die Mitte zielen sollen, um Wahlen zu gewinnen. Damit ist meiner Meinung nach gemeint, dass man keine unnötigen Risiken eingeht, was bedeutet, dass man
nicht wirklich etwas tut. Wir haben dagegen eine völlig andere Ansicht vom Wandel, nämlich: tu das
Größte und Verwegenste, was Du kannst - und das wird die Leute begeistern, und dann werden sie wählen gehen."
Ein "
nationaler Internationalismus" ist eigentlich ein Paradoxon,
konstatiert der britische Historiker
David Motadel bei
Zeit Online, neu ist er indes nicht: "
Europas faschistische Bewegungen engagierten sich zwischen den Weltkriegen in verschiedenen Formen internationaler Zusammenarbeit, darunter einer Reihe von Weltkongressen. Der wichtigste war die 1934 von Mussolini einberufene 'Konferenz der faschistischen Parteien' im schweizerischen Montreux, die eine transnationale Koalition im Kampf gegen den Sozialismus und die liberalen Demokratien schmieden sollte. Jedes der großen faschistischen Regime organisierte internationale Treffen und lud ihnen nahestehende faschistische Gruppen zu Veranstaltungen in ihre Länder ein. Zu ihren Reichsparteitagen in Nürnberg empfingen die Nazis Gruppierungen aus dem
Irak,
Siam und
Bolivien."
Welche Position hat eigentlich das
Auswärtige Amt zu Israel,
fragt Antje Schippmann in der
Bild. Sie ist die Tweets von
Christian Clages, dem Leiter der deutschen Vertretung in den palästinensischen Gebieten in Ramallah durchgegeangen und hat eine Menge strikt
antiisraelische Likes des Diplomaten in seinem
offiziellen Twitter-Konto gefunden: "Selbst einen Austausch zwischen dem führenden US-Neonazi und
Holocaustleugner David Duke und einem palästinensischen Follower über ein angebliches jüdisches Massaker versieht der Diplomat mit einem Herzchen: 'Jüdische Rassisten' hätten '
unschuldige Palästinenser verstümmelt, vergewaltigt und durch jüdische Dörfer geführt, bevor sie hingerichtet wurden', behauptet US-Nazi Duke (früher Chef des rassistischen Ku-Klux-Klans) in seinem Tweet."