Ein
interessantes Detail im Streit um den Grisham-Titel
"Die Farm" will der
buchreport in Erfahrung gebracht haben: Anders als Heyne dies bei der "Farm" getan hat werden dem Blatt zufolge die
Bertelsmann-Verlage ihre potenziellen Bestseller
nicht zuerst an den Bertelsmann-Club geben. Dieser Entscheidung habe der Chef der Bertelsmann-Verlage
Peter Olson "höchstpersönlich zugestimmt". Olson habe damit ausschließen wollen, dass seine deutschen Buchverlage vom Sortiment mit
Sippenhaft belegt werden. In der Online-Ausgabe des
Börsenblatts dementiert Bertelsmann / Random House diese Meldung allerdings. Mehr vermutlich in der nächsten Woche.
Für den Buchhandel spielt Ullstein-Heyne-List-Verleger
Christian Strasser derzeit den
Buhmann; er war es, der die "Farm"-Lizenz an den Club gab. Nun hofft Strasser auf die
Solidarität seiner Kollegen: Er rechnet mit einer Solidaritätsadresse von Verlegern, die zum Öhringer Kreis gehören. "In dieser nicht offiziellen Verlegerrunde treffen sich seit Jahr und Tag (...) Chefs und Meinungsbildner, um sich über die Entwicklung der Branche auszutauschen", erklärt der
buchreport. Ob Strasser mit einer Kollegenadresse allerdings den Boykott von Thalia und Hugendubel vom Tisch bekomme, "bleibt
dahingestellt", so das Blatt weiter.
Beim Streit um die Club-Ausgabe der "Farm" geht es auch um die
künftige Gesetzeslage: Bertelmann-Club und freier Buchhandel sind uneins, wie
Paragraph fünf, Absatz fünf des künftigen
Preisbindungsgesetzes aussehen soll. In seiner bisherigen Fassung sieht der Paragraph lediglich vor, dass eine Club-Ausgabe
billiger sein darf; von einem
zeitlichen Abstand, den der Club einhalten muss, ist keine Rede. Hier hat der Club nun zwei Kompromissvorschläge vorgelegt. Variante 1: Der betreffende Passus wird so gefasst, dass der Club
zwei von drei Bedingungen einhalten muss: zeitlichen Abstand, andere Ausstattung und/oder Club-Mitgliedschaft. Damit hätte der Club immerhin sicher gestellt, dass er seine günstigeren Ausgaben
zeitgleich anbieten kann. (Nach der aktuell geplanten Fassung muss nur eine Bedingung erfüllt sein.) Variante 2: "Die
'Lex Buchclub' wird ganz aus dem Gesetz gestrichen, dafür wird in einem Anhang zum Gesetz auf die
bisherige Branchenpraxis verwiesen." (Auch das
Börsenblatt hat zu diesem Thema eine Meldung, und zwar
hier.)
Bliebe Paragraph fünf, "so wäre dies die vorweggenommene
Aufhebung der Preisbindung", schreibt
Bodo Harenberg in einem Kommentar. Denn "Weltbild oder Hugendubel würden im
Handumdrehen ihre Kunden mit Sondervereinbarungen
in eigenen Clubs an sich binden und ebenfalls Originalausgaben preiswerter feilhalten." Risiken für den gebundenen Ladenpreis ließen sich nur dann ausschließen, wenn alle Beteiligten "
höchst traditionell die Gepflogenheiten der Vergangenheit" aufrecht erhielten. "Das wird jedoch
kaum möglich sein."
Abzocke? Rund 600 Buchhändler haben vor wenigen Tagen eine
Abmahnung von einer Bochumer Anwaltskanzlei zugeschickt bekommen. Darin wurde gefordert, eine Unterlassungserklärung abzugeben und
969,01 Euro zu überweisen. Die Anwälte vertreten einen
Bürobedarfhändler aus Herne. Sie stützen sich auf das neuen
Teledienstgesetz. "Diese Vorschrift verpflichtet die Betreiber von Internet-Seiten, in ihren Angeboten eine ganze Reihe von Angaben zu machen. So müssen Händler nicht nur einen E-Mail- und Telefonkontakt nennen, sondern auch einen Vertretungsberechtigten ihres Unternehmens sowie Handelsregister- und Umsatzsteuernummer. (...) Die abmahnenden Anwälte begründen ihre Forderung damit, dass durch die Lückenhaftigkeit der Websites ihrem Mandanten (...) ein
Wettbewerbsnachteil entstehe." Der
Börsenverein prüfe, ob hier ein Fall von Rechtsmissbrauch vorliege. Mehr
hier.
Die Meldungen über
Insolvenzen von Buchhandlungen häufen sich, der
buchreport hat ein paar der letzten Monate zusammengestellt. Am häufigsten seien Geschäfte in
Berlin betroffen gewesen. Die Buchhandelsfläche habe sich dort von 50.000 auf 85.000 Quadratmeter erhöht, vor allem
kleine Sortimente im Kiez seien von den "großen Playern" wie Hugendubel, Thalia, Dussmann, KaDeWe und auch Kiepert
bedroht.
Und
hier die
Bestseller.