Aufmacher: "
Bertelsmann muss auf die Notbremse treten", was so viel heißt wie:
"sparen, sparen, sparen". In erster Linie sei die Entscheidung gegen
Thomas Middelhoff gefallen, "weil er die Finanzierungslöcher mit Gesellschafteranteilen der
Familie Mohn beziehungsweise der Bertelsmann Stiftung stopfen wollte, die Familie Mohn dazu jedoch nicht bereit gewesen ist. Stattdessen muss das Geld nun am Kapitalmarkt aufgenommen, durch
Unternehmensverkäufe beschafft (BertelsmannSpringer) und 'aus eigener Kraft' aufgebracht werden." Bis zum Ende des Jahres werde Bertelsmann voraussichtlich
vier Milliarden Euro Schulden ausweisen, der neue Vorstandschef, Middelhoffs Nachfolger Gunter Thielen, räumte bereits ein, dass der Konzern "erstmals die selbst festgelegte, strenge Verschuldungsgrenze" überschreite.
Ein Verkauf der
BertelsmannSpringer-Verlage dürfte etwa eine Milliarde Euro bringen, schreibt der
buchreport. 2001 lag der Umsatz der größten Verlagsgruppe für Fachinformationen bei 748 Millionen Euro, der Gewinn bei geschätzten 30 Millionen. Weltweit liegt BertelsmannSpringer auf Platz neun der größten Fachverlage; viele Käufer kommen also nicht in Frage. Ob (wie von der
Sunday Times gemeldet) die Nummer eins, der britisch-niederländische Verlag Reed Elsevier, im Rennen ist, beurteilt der
buchreport skeptisch: Reed Elsevier habe gerade erst seine Buchprogramme aufgegeben, und die Kartellbehörden in den USA, der EU und Großbritannien würden vermutlich "
extrem lange prüfen, bevor sie ihre Zustimmung zu einer solchen Elefantenhochzeit gäben".
Was sagt eigentlich
Peter Olson, Chef der Verlagsgruppe Random House, zur Ablösung von Thomas Middelhoff durch Gunter Thielen? Der
buchreport zitiert aus einer Mitteilung an die Kollegen: "Gunter und ich haben ein
sehr angenehmes Gespräch über Random House und seine Zukunft geführt. Da er selbst ein 'Mann des Buches' ist, ist er sehr beeindruckt davon, was wir für unsere Autoren und deren Bücher geleistet haben. (...) Ich bin optimistischer denn je hinsichtlich der zukünftigen Möglichkeiten für Random House." Olson habe lange als strammer Gefolgsmann und Intimus von Middelhoff gegolten, erklärt das Blatt. "In letzter Zeit soll die Beziehung angesichts der schlechten Zahlen aus New York jedoch
spürbar abgekühlt sein. Random House hat im Rumpfgeschäftsjahr vom 1. Juli bis 31. Dezember 2001 einen Verlust von
69 Millionen Euro gemacht und war damit weit von der Olson-Selbstverpflichtung entfernt, zehn Prozent Umsatzrendite nach Gütersloh zu überweisen."
Sind Neuerscheinungen zu teuer?, fragt der
buchreport. Er hat das belletristische Herbstprogramm untersucht und einen
Durchschnittspreis von 25,48 Euro ermittelt. "Den niedrigsten Durchschnittspreis weist Suhrkamp (17,54 Euro) aus, den höchsten Ullstein (28,95 Euro)." Der
Preis pro Seite schwankt zwischen zwei und 31 Cent: Wer "Der Ungeborene" (Fischer) von
Christoph Ransmayr kauft, erhalte 32 Seiten für 10 Euro, bei "Das flammende Kreuz" (Blanvalet) von Diana Gabaldon bekomme man für 29,90 Euro immerhin 1.600 Seiten. Zugleich hat der
buchreport herausgefunden, dass
Wälzer dominieren: "Unter den 398 untersuchten Novitäten finden sich 305 (76,6 Prozent), die
mehr als 200 Seiten zählen; nur 93 (23,4 Prozent) kommen mit 200 oder weniger Seiten aus." Ein Drittel der Verlage hat nicht einen Roman unter 200 Seiten im Angebot. Wer
dünne Bücher bevorzugt, sollte sich an Hanser und Suhrkamp halten: Diese Verlage waren die einzigen im Test, "deren Programme von Romanen mit geringem Umfang bestimmt werden".
Die
Bertelsmann Clubs werden derzeit runderneuert. Der Relaunch basiert auf einer
McKinsey-Analyse von 1999; "sie war unter der Ägide von McKinsey-Berater Wulf Böttger (35), dem heutigen Geschäftsführer des Clubs, gelaufen". Alle Filialen werden in
sieben "Cluster" eingeteilt, die sich nach äußeren Faktoren wie Zahl der Clubmitglieder vor Ort, Einzugsgebiet etc. richten. Für jedes Cluster werden die Regalmeter pro Produktlinie festgelegt: "Eine Großstadt-Filiale benötigt zum Beispiel mehr Platz für Bestseller als die Filiale einer Kleinstadt." Vor und in den Filialen sollen künftig
weniger Tische stehen, auch die Schaufensterdeko wird weniger Bücher präsentieren. Das Börsenblatt
berichtet ebenfalls über das neue Club-Design.
Simon Schama hat den vermutlich
lukrativsten Buchvertrag unterzeichnet, den je ein Historiker bekommen hat.
Drei Millionen Pfund kassiere der Autor des Bestsellers "A History of Britain" in einem Gemeinschaftsdeal von BBC und HarperCollins, schreibt der
buchreport. "Als Gegenleistung gibt es drei Sachbücher und zwei Fernsehserien."
Ansonsten viele schlechte Nachrichten: Der
Süddeutsche Verlag musste für 2001 Verluste verbuchen. Die
Baumhaus Medien AG hat einen Insolvenzantrag gestellt. Die
Wehling-Gruppe stellt die Arbeit ihres Barsortiments zum Ende dieses Jahres ein. Der
Libro-Verkauf kommt nicht voran. Und
Schulbücher könnten billiger werden, wenn die KMK länderübergreifende Bildungsstandards erarbeitet und damit die Schulbuchinhalte vereinheitlich - hofft jedenfalls Fritz von Bernuth, Geschäftsführer der
Cornelsen Verlagsholding.Und
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