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281 Presseschau-Absätze - Seite 27 von 29

Die Buchmacher vom 14.08.2002 - buchreport.express

Aufmacher: "Bertelsmann muss auf die Notbremse treten", was so viel heißt wie: "sparen, sparen, sparen". In erster Linie sei die Entscheidung gegen Thomas Middelhoff gefallen, "weil er die Finanzierungslöcher mit Gesellschafteranteilen der Familie Mohn beziehungsweise der Bertelsmann Stiftung stopfen wollte, die Familie Mohn dazu jedoch nicht bereit gewesen ist. Stattdessen muss das Geld nun am Kapitalmarkt aufgenommen, durch Unternehmensverkäufe beschafft (BertelsmannSpringer) und 'aus eigener Kraft' aufgebracht werden." Bis zum Ende des Jahres werde Bertelsmann voraussichtlich vier Milliarden Euro Schulden ausweisen, der neue Vorstandschef, Middelhoffs Nachfolger Gunter Thielen, räumte bereits ein, dass der Konzern "erstmals die selbst festgelegte, strenge Verschuldungsgrenze" überschreite.

Ein Verkauf der BertelsmannSpringer-Verlage dürfte etwa eine Milliarde Euro bringen, schreibt der buchreport. 2001 lag der Umsatz der größten Verlagsgruppe für Fachinformationen bei 748 Millionen Euro, der Gewinn bei geschätzten 30 Millionen. Weltweit liegt BertelsmannSpringer auf Platz neun der größten Fachverlage; viele Käufer kommen also nicht in Frage. Ob (wie von der Sunday Times gemeldet) die Nummer eins, der britisch-niederländische Verlag Reed Elsevier, im Rennen ist, beurteilt der buchreport skeptisch: Reed Elsevier habe gerade erst seine Buchprogramme aufgegeben, und die Kartellbehörden in den USA, der EU und Großbritannien würden vermutlich "extrem lange prüfen, bevor sie ihre Zustimmung zu einer solchen Elefantenhochzeit gäben".

Was sagt eigentlich Peter Olson, Chef der Verlagsgruppe Random House, zur Ablösung von Thomas Middelhoff durch Gunter Thielen? Der buchreport zitiert aus einer Mitteilung an die Kollegen: "Gunter und ich haben ein sehr angenehmes Gespräch über Random House und seine Zukunft geführt. Da er selbst ein 'Mann des Buches' ist, ist er sehr beeindruckt davon, was wir für unsere Autoren und deren Bücher geleistet haben. (...) Ich bin optimistischer denn je hinsichtlich der zukünftigen Möglichkeiten für Random House." Olson habe lange als strammer Gefolgsmann und Intimus von Middelhoff gegolten, erklärt das Blatt. "In letzter Zeit soll die Beziehung angesichts der schlechten Zahlen aus New York jedoch spürbar abgekühlt sein. Random House hat im Rumpfgeschäftsjahr vom 1. Juli bis 31. Dezember 2001 einen Verlust von 69 Millionen Euro gemacht und war damit weit von der Olson-Selbstverpflichtung entfernt, zehn Prozent Umsatzrendite nach Gütersloh zu überweisen."

Sind Neuerscheinungen zu teuer?, fragt der buchreport. Er hat das belletristische Herbstprogramm untersucht und einen Durchschnittspreis von 25,48 Euro ermittelt. "Den niedrigsten Durchschnittspreis weist Suhrkamp (17,54 Euro) aus, den höchsten Ullstein (28,95 Euro)." Der Preis pro Seite schwankt zwischen zwei und 31 Cent: Wer "Der Ungeborene" (Fischer) von Christoph Ransmayr kauft, erhalte 32 Seiten für 10 Euro, bei "Das flammende Kreuz" (Blanvalet) von Diana Gabaldon bekomme man für 29,90 Euro immerhin 1.600 Seiten. Zugleich hat der buchreport herausgefunden, dass Wälzer dominieren: "Unter den 398 untersuchten Novitäten finden sich 305 (76,6 Prozent), die mehr als 200 Seiten zählen; nur 93 (23,4 Prozent) kommen mit 200 oder weniger Seiten aus." Ein Drittel der Verlage hat nicht einen Roman unter 200 Seiten im Angebot. Wer dünne Bücher bevorzugt, sollte sich an Hanser und Suhrkamp halten: Diese Verlage waren die einzigen im Test, "deren Programme von Romanen mit geringem Umfang bestimmt werden".

Die Bertelsmann Clubs werden derzeit runderneuert. Der Relaunch basiert auf einer McKinsey-Analyse von 1999; "sie war unter der Ägide von McKinsey-Berater Wulf Böttger (35), dem heutigen Geschäftsführer des Clubs, gelaufen". Alle Filialen werden in sieben "Cluster" eingeteilt, die sich nach äußeren Faktoren wie Zahl der Clubmitglieder vor Ort, Einzugsgebiet etc. richten. Für jedes Cluster werden die Regalmeter pro Produktlinie festgelegt: "Eine Großstadt-Filiale benötigt zum Beispiel mehr Platz für Bestseller als die Filiale einer Kleinstadt." Vor und in den Filialen sollen künftig weniger Tische stehen, auch die Schaufensterdeko wird weniger Bücher präsentieren. Das Börsenblatt berichtet ebenfalls über das neue Club-Design.

Simon Schama hat den vermutlich lukrativsten Buchvertrag unterzeichnet, den je ein Historiker bekommen hat. Drei Millionen Pfund kassiere der Autor des Bestsellers "A History of Britain" in einem Gemeinschaftsdeal von BBC und HarperCollins, schreibt der buchreport. "Als Gegenleistung gibt es drei Sachbücher und zwei Fernsehserien."

Ansonsten viele schlechte Nachrichten: Der Süddeutsche Verlag musste für 2001 Verluste verbuchen. Die Baumhaus Medien AG hat einen Insolvenzantrag gestellt. Die Wehling-Gruppe stellt die Arbeit ihres Barsortiments zum Ende dieses Jahres ein. Der Libro-Verkauf kommt nicht voran. Und Schulbücher könnten billiger werden, wenn die KMK länderübergreifende Bildungsstandards erarbeitet und damit die Schulbuchinhalte vereinheitlich - hofft jedenfalls Fritz von Bernuth, Geschäftsführer der Cornelsen Verlagsholding.Und hier geht es zur Bestsellerliste.

Die Buchmacher vom 05.08.2002 - buchreport.express

Auch der buchreport meint, dass die "Entlassung" des Bertelsmann-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff "weit mehr" ist als eine Personalie. "Die Entscheidung stellt den Konzern vor eine weit reichende Sinnfrage und berührt direkt oder indirekt große Teile der Medienwelt (...). Angesichts der schweren Krise, in der sich die Medien aufgrund der zurückgegangenen Werbeaufkommen und allgemeiner Konsumzurückhaltung weltweit befinden, wird Bertelsmann überall dort unerbittlich angreifen, wo der Konzern traditionell stark ist oder stark war - und radikal die Bereiche abhacken, die zu Verlusten führen. Insofern ist der Riese aus Ostwestfalen für viele Konkurrenten ab sofort wieder gefährlicher als zu Zeiten von Middelhoff, der sich in seiner Internetstrategie verheddert hatte."

Soweit die Titelseite. Im Inneren des Heftes: Fünf Seiten zum Thema. Dort meint der buchreport, aufmerksame Beobachter hätten schon früher "Zeichen an der Wand" gesehen: Die Abkehr Middelhoffs von anfangs 15 Prozent Kapitalrendite, die er schließlich auf vier bis fünf Prozent Rendite gekürzt hatte. Der gescheiterte Versuch, eine Anleihe zu platzieren. Die Napster-Übernahme: ein "Totalflopp". Und: "In aller Stille hatte Middelhoff versucht, das operative Ergebnis für das Rumpfgeschäftsjahr vom 1. Juli bis 31. Dezember 2001 an den Medien vorbeizuschmuggeln, denn fünf der sieben Konzernbereiche hatten rote Zahlen geschrieben und das operative Ergebnis auch insgesamt ins Minus gebracht." Schließlich verkündete Middelhoff in einem Interview, er wolle die Fachverlage BertelsmannSpringer verkaufen - also ausgerechnet einen der beiden Ergebnisträger plündern. All dies beschreibt der buchreport jedoch nur als "Dellen". Schwerer hätten Middelhoffs Börsenpläne gewogen.

In einem Kommentar zum Middelhoff-Abgang schreibt der langjährige Bertelsmann-Beobachter Bodo Harenberg, der Konzern werde unter Middelhoffs Nachfolger Gunter Thielen nicht in alte Betulichkeit verfallen, "sondern mit Ausrichtung auf Morgen zunächst sanieren, was im multimedialen Übereifer zu Bruch gegangen ist" (...). Der jetzige Rückzug auf traditionelle Unternehmensführung ist der vielleicht einzige Überlebensweg - Strategiewechsel zum geeigneten Zeitpunkt nicht ausgeschlossen."

Zwischen Hamburg, Berlin und Karlsruhe organisiert Thalia künftig sieben Vertreterbörsen, auf denen Mitarbeiter aus den Filialen sich sieben Tage lang (mit einem Themenschwerpunkt pro Tag) mit Vertretern der "Hauptverlage aller relevanten Warengruppen" treffen werden. "Mit den Vertreterbörsen organisiert der expandierende Branchenprimus seinen Einkauf zwar im Prinzip dezentral, dürfte aber tatsächlich eine Vereinheitlichung des Angebots in den Filialen erreichen."

Nach dem peinlichen Schlager-und-Sternchen-Debakel dieses Frühjahrs wollen die Organisatoren des Deutschen Bücherpreises im nächsten Jahr "hochkarätige Künstler aus dem Klassik-Bereich" auftreten lassen. "Wir werden eine Veranstaltung erleben, in der sich die Buchbranche wieder findet", sagte der neue Bücherpreis-Koordinator Theo Schäfer (bisher Random-House-Sprecher). Auch der Mitteldeutsche Rundfunk habe auf die harsche Kritik an der Preisverleihung im März dieses Jahres reagiert: Zuständig sei nicht mehr die Redaktion "Unterhaltung", sondern das Ressort "Kultur", schreibt der buchreport. Zunächst ist jedoch die Konkurrenz dran: Am 6. November wird in München die "Corine" verliehen - in diesem Jahr in acht Kategorien: die FTD sponsert die neue Kategorie Wirtschaftsbuch.

Die Supermarktkette Tesco hat der britischen Buchbranche den Preiskrieg erklärt: Zehn Prozent billiger als Amazon.co.uk will Tesco die 50 meistverkauften Bücher des Online-Buchhändlers anbieten. Die Preisoffensive begann in der vergangenen Woche: "In einem ersten Schritt können Kunden aus den 75 Top-Taschenbüchern, darunter Romane von Elizabeth George, Ruth Rendell und Andy McNab, drei Titel für zusammen nur zehn Pfund auswählen."

Weitere Meldungen: Die Mayersche Buchhandlung beteiligt sich mit ihren "Weißen Buchwochen", einer Idee aus Österreich, am Sommerschlussverkauf und verramscht Mängelexemplare, Rest- und Sonderauflagen sowie antiquarische Bücher. Die Schweizer Cornelsen-Tochter Sauerländer will sich künftig auf sein Kerngeschäft konzentrieren und daher Titel abstoßen, die nichts mit ihrer Lehrmittel-Produktion zu tun haben. Die Haushaltssperren der Kommunen bedrohen auch die städtischen Bibliotheken. In Erlangen war gar das Poetenfest in Gefahr: Die zugesagten 100.000 Euro wurden offenbar nur vier Wochen vor Beginn des Festivals gestrichen. Der Online-Ausgabe des Börsenblatts ist allerdings zu entnehmen, dass "in letzter Minute" ein Kompromiss gefunden wurde: 50.000 Euro wird das Erlanger Poetenfest erhalten.

Und hier geht es zur buchreport-/Spiegel-Bestsellerliste.

Die Buchmacher vom 29.07.2002 - buchreport.express

Aufmacher dieses Heftes ist der Wunsch vieler Verlage und Autoren, an den Erfolg von Joanne K. Rowling anzuknüpfen. Der buchreport listet Bücher auf, die sich möglicherweise von Harry Potter haben inspirieren lassen: die Artemis-Fowl-Trilogie von Eoin Colfer (List), "Molly Moon's Incredible Book of Hypnotism" von Georgia Byng (erscheint im kommenden Jahr bei Hanser) sowie "Der Herr der Diebe" von Cornelia Funke (Dressler). Von einer "Bartimaeus-Trilogie" existiert zwar erst ein 92-seitiges Expose, doch erhielt der Autor Jonathan Stroud dafür bereits umgerechnet 3,3 Millionen Euro Vorschuss. Das Kinderbuch von Cornelia Funke erschien bereits vor zwei Jahren. Aus eigener Tasche zahlte die Autorin eine Übersetzung ins Englische; nun startet das Buch in den USA bei Scholastic und in Großbritannien bei Chicken House "mit erheblichen Werbeetats". Die Details zum Marketingaufwand sprengten zum Teil den Harry-Potter-Aufwand, so der buchreport.

Zwischenbericht vor der Neueröffnung des Mutterhauses der Mayerschen Buchhandlung in Aachen: Am 19. September eröffnet das Geschäft auf 5.000 Quadratmetern. Vier Millionen Besucher pro Jahr will die Mayersche anlocken. Im eigenen Revier - Nordrhein-Westfalen - stehen die Zeichen weiter auf Expansion. Bereits im Herbst soll eine Filiale in Essen eröffnet werden.

Finanzielle Vorteile schaffen moralisch verwerfliche Abhängigkeiten. Oder? Nein, es geht nicht um Cem Özdemir (oder, um ein etwas weniger öffentliches Thema zu nennen, um Journalistenrabatte), es geht um den so genannten Ausverkauf der Kunst, sprich: um Werbung in oder gar mit Büchern. Die Reaktionen auf Fay Weldons Werbe-Roman "Bulgari Connection" (hier ein Beispiel) waren vorhersehbar. Im September erscheint das Buch in Deutschland bei Hoffmann und Campe. In Erwartung eines weiteren Aufschreis weist der buchreport darauf hin, dass die Finanzierung von Büchern durch Werbung nicht neu ist: Legendär ist die Werbung für Pfandbriefe und Kommunalobligationen in Rowohlt-Taschenbüchern, "Ullstein hatte in den 80er Jahren Marlboro-Werbung in seinen Krimis, der Berliner Verlag be.bra lässt seine 'Berlin Krimi'-Reihe von einem ortsansässigen Bestatter sponsern. Kochbücher und Ratgeber werden von Markenherstellern wie Milka, Iglo oder Philadelphia finanziert. (...) Luigi Malerba, in Deutschland bei Suhrkamp und Wagenbach zu Hause, hat 2001 sein Buch 'Citta e dintorni' (Verlag Mondadori) mit Reklame finanziert. So kostete das Buch statt 32.000 nur 18.000 italienische Lire."

Die Euro-Umstellung hat im Buchhandel zu vielen glatten Preisen geführt. Im Gegensatz zu D-Mark-Zeiten (DM 19,80) werden häufig gerade Summen verlangt (Euro 10,00). "Eine Überprüfung der Belletristik-Bestsellerverlage (Hardcover: Diogenes, Carlsen, Hanser, Klett-Cotta, Heyne und Zsolnay; Taschenbuch: Goldmann, Heyne, dtv, Bastei-Lübbe und Rowohlt) hat ergeben: Euro-Preise, die auf 00, 50 oder 90 Cent enden, dominieren."

Weitere Meldungen: Mittelfristig strebt Weltbildplus die Marke von 300 Filialen an. Derzeit gibt es in Deutschland, Österreich und in der Schweiz 218 Filialen. Lübbe lässt künftig ausschließlich von KNO ausliefern. Die Holtzbrinck-Verlage Urban & Fischer und Spektrum Akademischer Verlag legen Marketing, Vertrieb und Verkauf zusammen. Eine einheitliche Führungsstruktur war ihnen bereits verordnet worden. Und die Verlage aus der Schweiz, aus Österreich und Luxemburg sind sauer auf die Frankfurter Buchmesse-Veranstalter. Sie wurden in Halle 4.0 angesiedelt, bei "Media und Technology".

Hier der wöchentliche Link zur buchreport-/Spiegel-Bestsellerliste.

Die Buchmacher vom 22.07.2002 - buchreport.express

Während der BuchMarkt in seiner letzten Ausgabe darüber spekulierte, ob Vertreter zukunftsfähig sind, denken die Verlage über eine dritte Vertreterreise nach. Zwar seien die Verlage mit dem bisherigen Verlauf der Vertreterreise "in Anbetracht der schwierigen Lage im Buchhandel nicht unzufrieden", so der buchreport, "aber es mangelt an Stückzahlen bei den Novitäten und Bestellungen für Backlist-Titel". Dies sei das Ergebnis der traditionellen Vertriebsleiter-Umfrage, die der buchreport jeweils sechs Wochen nach Beginn der Herbst- und Frühjahrsreise durchführt.

Trotz der offenbar noch halbwegs passabel verlaufenden Vertreterreise besteht kein Grund zum Jubel. Das merkt auch die Frankfurter Buchmesse: Verlage sagen ab oder reduzieren die Größe ihres Auftritts - "und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem eine völlige Neuordnung in den Hallen ohnehin für Unruhe sorgt". Die Springer-Verlagsgruppe Ullstein Heyne List will 730 Quadratmeter belegen; im vergangenen Jahr waren es noch 1.120 Quadratmeter. Random House geht von 1.650 auf 1.000 Quadratmeter zurück. Und die Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger sagte die Teilnahme von mehr als 30 Verlagen ab, weil sie sich schlecht platziert fühlte. In einem Kommentar weist Bodo Harenberg darauf hin, dass Frankfurt ganz grundsätzliche Probleme hat. "Fragt der eine Aussteller auf der Frankfurter Buchmesse den anderen: 'Warum gehen wir eigentlich noch nach Frankfurt, wo wir doch von Buchhändlern sowieso keine Messeaufträge mehr bekommen und das Lizenzgeschäft längst anderswo entschieden wird?' Antwortet der andere Aussteller: 'Weil es sonst heißt, denen geht es so schlecht, dass sie sich nicht einmal mehr die Buchmesse leisten können.'" Wichtige Geschäfte würden "nicht mehr an einem einzigen Termin pro Jahr festgemacht", zugleich steige die Bedeutung der Konkurrenzmessen in den USA und in London. "Der Börsenverein muss sich also auf einen Schrumpfungsprozess einstellen und für Ausrichter und Besucher neue Parameter abstecken. Ansonsten könnte der größten Buchmesse der Welt das Schicksal der Dinosaurier drohen. Sie sind das Opfer ihrer eigenen Größe geworden." Schlechte Nachrichten - vermutlich vor allem für die Leipziger Buchmesse.

Nach der geplatzten Übernahme der Weka-Zeitschriftensparte durch die Süddeutschen Verlag Hüthig Fachinformation will Weka die SVHFI auf Schadenersatz verklagen. "Weka-Geschäftsführer Wolfgang Materna beziffert den Schaden aus dem geplatzten Handel auf 75 Millionen Euro. Begründung: Seit dem Vertragsschluss sei der Wert der Zeitschriftengruppe durch die Krise auf dem Anzeigenmarkt kräftig gesunken."

Der Branchenführer Thalia hat dementiert, Interesse am Haupthaus der Berliner Buchhandlung Kiepert zu haben. Dagegen bestätigte Thalia-Geschäftsführer Jürgen Könnecke dem buchreport, sein Unternehmen habe die beiden Filialen an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg und in Zehlendorf übernommen. Unterdessen sind nach Kiepert-Angaben zahlreiche Verlage bereit, auf Forderungen gegen den Berliner Filialisten zu verzichten. Kiepert-Geschäftsführer Andreas Kiepert sagte dem buchreport, die Reaktionen auf einen entsprechenden Vorstoß seien überwiegend positiv. Kiepert hatte die Verlage gebeten, auf 60 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten und die Restforderungen bis zum 30. September zinslos zu stunden. Nach eigenen Angaben belaufen sich die "aktuell bestehenden Lieferantenverbindlichkeiten" auf ca. 5,1 Millionen Euro.

In Krefeld haben sich zehn Buchhandlungen zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen die Invasion von Thalia und Habel zu kämpfen. Nun auch im Internet (nämlich hier). Grund für die Aktion: Die Thalia-Tochter Greven wird von 450 auf 1.700 Quadratmeter erweitert, Habel eröffnet auf 3.000 Quadratmeter. Der Herbst in Krefeld verspreche heiß zu werden, prognostiziert der buchreport.

In München ist das Problem nicht der Zuzug der Großen, sondern der Auszug der Institute: Aus Platzmangel gehen die naturwissenschaftlichen und technischen Institute der TU an den Stadtrand; freies Gelände hatte die Stadt nicht der TU, sondern dem neuen Museumsviertel gegeben. "Alteingesessene Buchhändler, deren Klientel vor allem von den betroffenen Instituten gespeist wird, sehen sich in ihrer Existenz bedroht."

Der buchreport berichtet außerdem über die ganzseitige Hugendubel-Anzeige in der Süddeutschen Zeitung, in der zum Kauf der Bücher "Schundroman", "Tod eines Kritikers" und "Über Literaturkritik" von Marcel Reich-Ranicki aufgerufen wurde. Der Listenpreis für eine ganze Seite - 41.606,40 Euro - sei allerdings nicht bezahlt worden. Zudem hätten sich die Verlage - FVA, Suhrkamp und DVA - über Freiexemplare an der Anzeige beteiligt.

Weitere Meldungen: Der britische Bestsellerautor Terry Pratchett hat für seinen Roman "The Amazing Maurice and his Educated Rodents" die prestigereiche Carnegie Medal erhalten. Und auf Platz eins der Bestsellerliste der New York Times steht ein Titel aus dem Bilderbuch der Amerika-Klischees: "Slander" von Ann Coulter. Untertitel: "Liberal Lies About the American Right".

Und hier die deutsche Bestsellerliste.

Die Buchmacher vom 07.07.2002 - buchreport.express

Wirklich überraschend ist das absolut nicht, und doch bringt der buchreport die Meldung auf der Titelseite: "Martin Walser entert die Bestsellerliste". Natürlich auf Platz eins (da ist aber ein Dankeschön an den Herrn Schirrmacher fällig, gelt?). Ohne zünftigen Antisemitismus-Vorwurf schafft Kritikermord Nummer zwei es zwar auch auf die Liste, muss sich aber mit Platz zwölf zufrieden geben. Der dritte Titel, von dem schon vor Erscheinen klar war, dass es ein Bestseller werden würde, kam übrigens auf Platz vier: "Die Korrekturen" von Jonathan Franzen.

Suhrkamp will die Höhe der zweiten und der dritten Auflage von "Tod eines Kritikers" nicht nennen, schreibt der buchreport unter Berufung auf Verkaufsleiter Ulrich Sonnenberg, "weil das bei Suhrkamp nicht Usus sei und weil man sich nicht dem Vorwurf aussetzen wolle, die Antisemitismus-Diskussion für den Verkauf zu nutzen". Die Ermittlungen laufen: Cui bono?

Zum Rausschmiss des Frankfurter Buchmesse-Chefs Lorenzo A. Rudolf schreibt der buchreport: "Da ihre Bedeutung als Geschäftsmesse abnimmt, wollte Rudolf das Profil der Veranstaltung als kulturelles Forum schärfen. Seine Versuche zur Internationalisierung der Messe gerieten jedoch schnell ins Stocken: So musste der Messe-Chef den Plan, in New York in diesem Jahr einen Ableger der Frankfurter Buchmesse als Rechte-Börse zu etablieren, nach Widerständen in der amerikanischen Verlagsbranche aufgeben."

Der Cora Verlag bringt eine neue Taschenbuchreihe auf den Markt: Das Label heißt Mira Taschenbuch und will "ausschließlich Autoren" (und vor allem Autorinnen) veröffentlichen, "die auf der Bestsellerliste der New York Times notiert gewesen sind". Die Idee sei vom kanadischen Liebesromanverlag Harlequin gekommen, der seit 1976 als Mitgesellschafter dabei ist. (Mehr hier.)

Nach der Fußball-WM freut sich der Buchhandel auf einen guten Absatz der WM-Bücher (schließlich müssen die Fußballfans die soziale Lücke füllen, die die WM hinterließ, mehr hier). "Auch die Türkei ist im Fußballfieber - und bekommt in Sachen WM-Buch Schützenhilfe aus Deutschland: Bei Mohndruck in Gütersloh wird zusätzlich zur deutschen Ausgabe des Sportverlags eine türkische Auflage gedruckt, in der nur einige Seiten ausgetauscht wurden."

Wie das Börsenblatt berichtet auch der buchreport über den Spiegel-Artikel über die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck sowie über das Interview im hauseigenen Handelsblatt, mit dem Stefan von Hotzbrinck auf den Artikel reagierte. Dazu meint Bodo Harenberg in einem Kommentar, Bücher kämen bei den Konzernen auf den Prüfstand, weil sie "nicht mehr affin" seien und kaum Synergien versprächen. Überdies sei das Geschäft der Publikumsverlage mühsam geworden und stecke fast überall in den roten Zahlen. "Allerdings: Jeder Käufer braucht auch einen Käufer - und für Unternehmen der Größenordnung, in der die Buchtöchter der Medienkonzerne inzwischen angesiedelt sind, kommen als Käufer eigentlich nur die Konzerne selbst in Frage. Deshalb werden sich die Multis fürs Erste darauf beschränken, die Bräute herauszuputzen. Irgendwo, irgendwann wird sich dann vielleicht auch ein Freier finden."

Weitere Beiträge: Ein Artikel beschäftigt sich mit Ramsch-Aktionen im Einzelhandel. Aus einem weiteren erfahren wir, dass der Versender Ronald Meersteiner in immer mehr Städten in NRW die Schulbuch-Ausschreibungen gewinnt; die örtlichen Buchhändler gucken in die Röhre.

Die Buchmacher vom 01.07.2002 - buchreport.express

In der Kooperation der Vereinigten Verlagsauslieferung VVA mit Libri sieht der buchreport den Versuch, "den Rücktstand zum Stuttgarter Familienunternehmen Koch, Neff & Oetiner (KNO) nebst dessen Tochter Koehler & Volckmar (KV) so schnell wie möglich aufzuholen". Die Konkurrenzsituation zwischen VVA und KNO nennt das Blatt das "Duell der Giganten". Ein Hintergrundartikel befasst sich mit Veränderungen in der Auslieferungsbranche.

Basel bekommt eine eigene, die Schweiz ihre zweite Buchmesse. Matthyas Jenny, "Vater der Schriftstellerin Zoë Jenny und zuletzt Vertriebsleiter bei Ammann in Zürich, will mit einer Basler Buchmesse auch den deutschsprachigen Verlagen en Forum in der Schweiz schaffen: Bei der bisher einzigen internationalen Schweizer Buchmesse, dem traditionsreichen Genfer Salon du Livre, ließ die Präsenz dieser Verlage in den vergangenen Jahren immer mehr nach".

Der Medientheoretiker Nils Röller hat einen SMS-Roman geschrieben. "Der 'Roman' über ein Paar, das sich am Flughafen trennt und in verschiedene Richtungen davonfliegt, besteht aus vier Kapiteln, die wiederum in mehrere SMS-Nachrichten aufgeteilt sind." Nachzulesen ist der Text hier.

Von dem populärwissenschaftlichen Sachbuch "A New Kind of Science" hat der Autor Stephen Wolfram in den USA bislang 50.000 Exemplare verkauft. Obwohl das Buch 44,95 Dollar kostet, steht es in der Amazon.com-Bestsellerliste auf Platz 22. Das Besondere an diesem Buch: Wolfram hat es im Eigenverlag veröffentlicht. "Eigentlich wollte Wolfram das Buch auf dem konventionellen Weg herausbringen, einen Vertrag mit Addison Wesley hatte er schon in der Tasche. Doch dann konnten sich die Pearson-Tochter und der Autor nicht auf einen Erscheinungstermin einigen und lösten den Vertrag. Jetzt ist der Wissenschaftler auf den Geschmack gekommen und will auch das Taschenbuch - trotz lukrativer Angebote - selbst verlegen."

Weitere Meldungen: Die Gruner + Jahr-Tochter National Geographic Deutschland will weiter wachsen, Gondrom hat eine in Pforzheim eine weitere Erlebnisraum-Buchhandlung eröffnet, der Schwabenverlag meldet einen Umsatzrückgang von minus 1,8 Prozent, und der HörVerlag hat seinen Umsatz im ersten Quartal 2002 gegenüber dem Vorjahresquartal um 40 Prozent gesteigert.

Schließlich: die Bestseller.
Stichwörter: Libri

Die Buchmacher vom 24.06.2002 - buchreport.express

Der buchreport - traditionell Bertelsmann-kritisch - hat kein Verständnis für den geplanten Verkauf von BertelsmannSpringer. Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff spreche von "Weltmachtführung" (?) und Milliarden-Beträgen auf der Haben-Seite. Tatsächlich hätten jedoch fünf der sieben Unternehmensbereiche im Rumpfgeschäftsjahr 1. Juli bis 31. Dezember 2001 "feuerrote Zahlen" geschrieben. "Ausgerechnet von den beiden Unternehmenssegmenten - BertelsmannSpringer und Arvato -, die im Rumpfgeschäftsjahr positive EBIT-Zahlen abgeliefert haben (Ergebnis vor Zinsen und Steuern), will Middelhoff nunmehr offensichtlich einen Ergebnisträger abtrennen". In einem längeren Hintergrundartikel schreibt der buchreport, der Verkauf von BertelsmannSpringer solle "weiteres Bargeld in die Kasse bringen", das der Konzern für den Kauf des Musiklabels Zomba Records brauche. Über die Frage, wer als Käufer von BertelsmannSpringer in Frage kommen könnte, schreibt das Blatt: "Bis auf Reed Elsevier haben die großen Player dieses Segments mehr oder weniger deutlich abgewunken. Für Reed Elsevier könnte der Kauf interessant sein, weil das niederländisch-britische Unternehmen auf dem deutschen Markt bisher nur schwach vertreten ist".

Die Verlagsauslieferung Hans-Heinrich Petersen (HHP) steht "unmittelbar vor dem Ende", berichtet der buchreport. "HHP wurde ein Opfer der Regeln, die auch im Transfergeschäft der Bundesliga dafür sorgen, dass der Ball flüssig läuft. Im beinharten Wettbewerb kann letztendlich nur die Auslieferung punkten, die eine zugkräftige Kommittenten-Mannschaft aufstellen kann", mit anderen Worten: die viele Auftraggeber hat. Doch die wechselten zur Konkurrenz: Im vergangenen Jahr beendeten die Holtzbrinck-Verlage Fischer und Rowohlt ihre Kooperation mit HHP, dann gingen Hoffmann und Campe sowie Aufbau. In kurzer Zeit habe HHP damit 95 Prozent seines Auftragsvolumens eingebüßt. Erst 1998 hatte das Unternehmen "auch auf Zureden der Vertragspartner" (so zitiert der buchreport, offenbar den HHP-Inhaber Johann-Christian Petersen) in Hamburg-Billbrook ein neues Betriebsareal übernommen. Rund 23 Millionen Euro habe Petersen dort investiert.

Die Fachbuchhandelskette Lehmanns hat im Konditionen-Streit mit dem Thieme Verlag zu "weichen Boykottmaßnahmen" gegriffen, da ein Verzicht auf Thieme-Titel nicht in Frage kam. Drei Maßnahmen sollen Thieme dazu bewegen, die neuen Buchhandelskonditionen zurückzunehmen: "In den Werbeanzeigen, mit denen Lehmanns regelmäßig in Fachpublikationen wie dem hauseigenen Deutschen Ärzteblatt sein Sortiment bewirbt, werden die Bücher des Thieme Verlags ausgespart." "Die Thieme-Titel werden nicht mehr in Mailings erwähnt, mit denen Lehmanns bei Kliniken und Arztpraxen Reklame für Neuerscheinungen macht." Und: "In den Lehmanns-Filialen sollen die Bücher des Stuttgarter Verlags wesentlich zurückhaltender präsentiert werden." Eigentlich habe der Medizin-Verlag mit seinem neuen Konditionenmodell unter anderem erreichen wollen, dass die Händler seine Bücher besonders aktiv präsentierten, so der buchreport. "Im Fall Lehmanns hat Thieme vorerst das Gegenteil erreicht."

Trotz der Krise im Buchhandel wollen die Großen weiter expandieren. Das hat eine Umfrage des buchreport ergeben. Im laufenden und im kommenden Jahr wollen die Buchhandlungen Thalia, Grüttefien, die Mayersche, Hugendubel, Weltbild Plus, Gondrom, Habel und Kober/Löffler insgesamt 19 neue Filialen eröffnen, Weiland und Gondrom planen eine, Thalia zwei Erweiterungen. Fünf der geplanten Filialen werden sich in Einkaufszentren befinden.

Bald werden in der Europäischen Union nur noch Finnland, Irland und Großbritannien keine Buchpreisbindung haben. "Während nun die Literatur in finnischer Sprache hierzulande nie wirklich den Durchbruch geschafft hat, gewinnen die preisbindungsfreien englischsprachigen Bücher immer mehr an Bedeutung", schreibt der buchreport. Für britische Verlage sei der deutsche Markt die Nummer vier unter den Export-Märkten - "direkt hinter den USA, Australien und Neuseeland".

Schließlich: die Bestseller.

Die Buchmacher vom 17.06.2002 - buchreport.express

Der Käuferstreik geht weiter, meldet der buchreport. Im Mai sei der Umsatz im Buchhandel abermals um 3,5 Prozent zurückgegangen, 5,4 Prozent weniger Kunden als im Mai 2001 seien in die Buchläden gekommen. "Entsprechend eisig ist die Stimmung in der Branche." (Auch das Börsenblatt meldet Umsatzrückgänge.) In einem Kommentar vertritt David Wengenroth die Auffassung, dass der Börsenverein mehr gegen die Krise im Buchhandel tun müsste. Er bezieht sich auf ein Interview mit Vorsteher Dieter Schormann im Börsenblatt vom 11. Juni. "Gerade die mittelständischen Buchhändler haben nicht die Möglichkeit, der Krise aus eigener Kraft wirksam zu begegnen. Regionale Marketingaktionen und aufwändige Präsentationen einzelner Titel reichen nicht aus, um der erlahmten Kauflust der Verbraucher auf die Sprünge zu helfen." Doch was soll der Börsenverein tun? Wengenroth fordert eine große, überregionale Marketing-Aktion, "die nicht so kläglich im Rohr krepiert wie der 'Deutsche Bücherpreis' oder die lauen Versuche zum 'Welttag des Buches'."

"So viele Vorteile die Preisbindung auch hat und so überlebenswichtig sie für die meisten Marktteilnehmer auch ist, hat sie eben doch auch einen Nachteil", schreibt David Wengenroth weiter: "Anders als ihre Kollegen im übrigen Einzelhandel können die Sortimenter keine zusätzlichen Kaufanreize durch Preisabschläge und andere Rabatt-Aktionen schaffen." In einem anderen Artikel verweist der buchreport auf das Beispiel England: "Im Kampf um Kunden überbieten sich die großen Buchketten gegenseitig mit Sonderangeboten. Von Borders/Books Etc. bis WH Smith werden derzeit Aktionspakete in bisher nicht gekanntem Umfang geschnürt. Dazu kommen begleitende Marketingkampagnen, wie sie auf der Insel sonst nur im Weihnachtsgeschäft üblich sind." Waterstones etwa wirbt mit "3 for 2": drei Taschenbücher zum Preis von zweien.

Erneut beschäftigt der buchreport sich mit der Lage des Buchhandels in Berlin, dem "Zentrum der Buchhandelskrise". Der "einstmalige Platzhirsch" Kiepert steht vor betriebsbedingten Kündigungen, Hugendubel musste in seinen fünf Berliner Filialen Kurzarbeit anmelden, 2001 hätten 29 kleinere Buchhandlungen schließen müssen, in diesem Jahr waren es bereits elf. Der buchreport erinnert an die gescheiterten Berliner Auftritte von Virgin, Fnac und Herder, denen allerdings die Expansion von Hugendubel, Thalia, Dussmann und Wohlthat entgegenstehe.

Natürlich hat die Krise längst nicht alle Unternehmen der Branche erfasst. Weltbild expandiert munter weiter, wie einer Kurzmeldung zu entnehmen ist. Bis zum September sollen neue Filialen in Minden, Nordhorn, Dresden und Hamburg eröffnet werden.

Zur Abwendung des endgültigen Konkurses hat der österreichische Filialist Libro laut buchreport "noch eine Galgenfrist" bekommen. In einem weiteren Artikel aus Österreich berichtet das Blatt, die Buchgemeinschaft Donauland wolle Libro langfristig als größte österreichische Buchhandlung verdrängen. Zu diesem Zweck habe der Buchclub in seinen 23 stationären Filialen auch preisgebundene Verlagsausgaben in die Regale gelegt.

Amazon.de hat ein Hörbuch-Paket geschnürt. Der Internet-Händler bietet 100 Hörbuchbestseller mit einem Preisnachlass von 25 Prozent an. "Das Segment Hörbuch hat nach unseren Beobachtungen in den letzten Jahren kontinuierlich zugelegt", zitiert der buchreport den Amazon-Sprecher Felix Petzel.

In spätestens zwei Monaten soll die Privatisierung des Österreichischen Bundesverlags (ÖBV) abgewickelt sein, meint Michael Veit, der Geschäftsführer der Ernst Klett Information Beteiligungsgesellschaft. Zu den Interessenten gehört auch die Klett-Gruppe. Bis zum 10. Juni hatten die Interessenten Zeit, ihre Angebote in der Wiener Zweigstelle der Wirtschaftsprüfer KPMG abzuliefern. KPMG regelt die ÖBV-Privatisierung im Auftrag des Wiener Finanzministeriums. Laut KPMG liegen zehn Angebote vor. Mehr hier.

Bei den Klagenfurter Literaturtagen hat erstmals auch das Publikum Mitspracherecht: "Der Gewinner des so genannten Kelag-Preises soll bei Internet-Abstimmung ermittelt werden. Im Vergleich zu den von der Fachjury vergebenen Preisen ist dieser demokratische Lorbeer mit 5.000 Euro allerdings eher mickrig dotiert", meint der buchreport.

Weitere Meldungen: Am Literatursommer der Landesstiftung Baden-Württemberg beteiligen sich mehr als 100 Städte und Gemeinden. Die Veranstaltungsreihe wird noch bis zum 8. September fortgesetzt. Die Stiftung Lesen erwägt den Umzug von Mainz nach Frankfurt am Main. Und dann gibt es Gerüchte, denen zufolge Jeff Bezos eine kanadische Amazon-Niederlassung plant.

Schließlich: die Bestseller.

Die Buchmacher vom 11.06.2002 - buchreport.express

Die Debatte um Walsers "Tod eines Kritikers" überlassen buchreport und Börsenblatt dem Feuilleton. Nur in kurzen Beiträgen wird auf die Antisemitismus-Vorwürfe hingewiesen. In einem Kurz-Kommentar vertröstet Bodo Harenberg seine Leser auf die Zeit nach dem Erscheinen des Buches: "Frank Schirrmacher hat mit seiner Vor-Verurteilung in der FAZ sich selbst und sein Blatt in den Vordergrund rücken und Macht demonstrieren wollen. Doch das Urteil wird erst gefällt, wenn alle gelesen haben, was Schirrmacher im Vertrauen darauf, dass er sich an die Spielregeln hält, als Erster lesen durfte." Eine Seite weiter wird gereimt: "Das Buch, das keiner kennt und das Welten trennt, rennt. In fünf Tagen von Null auf Hundert. Schirrmacher sei zumindest dafür Dank." Denn Urteil hin oder her: Die Buchhändler hoffen zusammen mit Walser und Suhrkamp, dass der Skandal einen Bestseller produziert.

Ansonsten schlechte Nachrichten auch im buchreport: "Die Branche fährt mit angezogener Bremse" heißt es auf Seite 1. Als Beispiele nennt das Blatt Hugendubel (Vorbereitungen auf Kurzarbeit wurden getroffen, ein Sparkonzept verabschiedet) und Kiepert (dazu weiter unten mehr). In den Herbstprogrammen der Verlage gebe es in diesem Jahr "bedeutend weniger Bücher bei stark zurückgenommenen Werbebudgets". Ein Renner wie im Vorjahr Harry Potter IV oder Günter Grass im Frühjahr 2002 sei nicht in Sicht (von Walser ist an dieser Stelle nicht die Rede). "Wer trotz der angespannten Lage Flexibilität bewahrt, könnte aus der Misere gestärkt hervorgehen. Denn: Sieger werden nicht in fetten Jahren gekürt."

Wie gesagt, ein Renner ist nach Ansicht des buchreport nicht in Sicht (dass das Blatt damit vermutlich falsch liegt, zeigt ein Blick auf diese Meldung). Auf zehn Seiten werden die Novitäten der kommenden Saison vorgestellt.

Die Buchhandlung Kiepert, die in Berlin mit neun und in Frankfurt (Oder) sowie in Röhrsdorf bei Chemnitz mit je einer Buchhandlung vertreten ist, muss Mitarbeiter entlassen. "Umsatzrückgänge und die Last der vor zwei Jahren getätigten Investitionen im Haupthaus haben die Grenzen des Verkraftbaren gesprengt." Im Mai wurden nur 70 Prozent der Gehälter an die Angestellten ausgezahlt, schreibt der buchreport weiter. Im Haupthaus sollen Verkaufs- und Bürofläche reduziert werden. Und alle Standorte würden mit Blick auf ihre Rentabilität überprüft. In einer Randnotiz liefert der buchreport Zahlen zum Buchhandelsstandort Berlin: Die Fläche sei in den vergangenen vier Jahren unverhältnismäßig stark gewachsen (1997: 50.000 qm, 2001: 80.000 qm). Im Jahr 2001 mussten 29 Buchhandlungen schließen, 330 gibt es derzeit. Und Wohlthat eröffnet drei neue Filialen in der Hauptstadt, heißt es auf der folgenden Seite des buchreport.

Bremen ist laut buchreport der aktuelle Schauplatz der Expansionspläne großer Buchhandelsketten: Thalia und Grüttefien wollen noch in diesem Jahr weitere Filialen in der Stadt eröffnen. Grüttefien wird dann mit vier, Thalia mit drei Filialen in Bremen vertreten sein.

In Wuppertal haben die örtlichen Buchhändler 80 Prozent der städtischen Schulbuchaufträge verloren. Die müssen in NRW neuerdings nämlich europaweit ausgeschrieben werden. Besonders ärgerlich für die Wuppertaler Buchhändler: Ihr Angebot war gleichwertig. Die Aufträge im Wert von insgesamt 1,1 Millionen Euro wurden daher verlost. Manche Buchhändler der Stadt seien nun existenziell bedroht.

In den USA bastelt die Buchhandelskette Borders am "gläsernen Kunden": Großlieferanten verwalten Warengruppen über das so genannte Category Management selbst. "Ihren Einfluss auf das Sortiment und den Zugriff auf die Erkenntnisse, die Borders aus der Marktforschung gewinnt, müssen sich die Verlage teuer erkaufen: Die Beteiligten mauern, doch ist hinter vorgehaltener Hand von rund 100.000 Dollar jährlich pro Warengruppe die Rede." Derzeit wird Category Management bei Borders in drei Warengruppen erprobt: mit Random House für das Bilderbuch und HarperCollins für Kochbücher und Romane.

Weitere Meldungen: In Buchhandlungen wird immer häufiger mit Plastikgeld bezahlt - noch häufiger als im Einzelhandel insgesamt, so der buchreport. Dann sind in diesem Jahr in Deutschland und Österreich gleich drei Antiquariatsmessen abgesagt worden (Hamburg, München, Wien).

Schließlich bringt der buchreport eine Gegendarstellung: "In buchreport.express Nr. 14/2002 vom 4.4.2002 ist unter der Überschrift 'Bücher wider Willen' - Klage von KiWi gegen Bettina Röhl wurde abgewiesen" ein Beitrag enthalten, zu dem Bettina Röhl folgende Gegendarstellung verlangt: Falsch ist, der Verlag könnte gezwungen sein, das Buch zu veröffentlichen. Richtig ist, dass der Verlag nach dem Urteil des Landgerichts Hamburg verpflichtet ist, das Buch zu veröffentlichen. Unwahr ist, Frau Röhl sei schon zuvor 1997 vom Econ Verlag abgewiesen worden. Richtig ist, dass Frau Röhl den Vertrag mit Econ Ende 1997 fristlos gekündigt hatte. (...) Unwahr ist, Frau Röhl sei bei mehreren Verlagen erfolglos vorstellig geworden. Richtig ist, dass Gespräche mit anderen Verlagen bislang ohne Ergebnis blieben, da das Rechtsverhältnis zwischen KiWi und Röhl bislang nicht rechtskräftig geklärt ist." (Hintergrund des Streits zwischen Röhl und KiWi sind Publikationen der Journalistin über die Vergangenheit von Joschka Fischer, der ebenfalls KiWi-Autor ist.) Die buchreport-Redaktion schreibt, Röhl bestätige mit ihrer Darstellung die Richtigkeit der Berichterstattung des Blattes. "Da das Urteil des Landgerichts Hamburg nicht rechtskräftig ist, ist der Kiepenheuer & Witsch Verlag auch nicht verpflichtet, ihr Buch zu veröffentlichen."

Zu guter Letzt: die Bestseller.

Die Buchmacher vom 03.06.2002 - buchreport.express

Die Verlagsgruppe Ullstein Heyne List steht "im Mittelpunkt von Spekulationen", schreibt der buchreport auf seiner Titelseite. Der Grund: Die Axel-Springer-Publikumsverlage machten im Geschäftsjahr 2001 bei einem Umsatz von 167 Millionen Euro ein Minus von 45,8 Millionen Euro. Dies sei "ein historisches Tief in der Buchhandelsgeschichte". Auch wenn in diesen Zahlen so genannte Einmaleffekte enthalten seien, "so stellt sich doch die Frage, ob Springer zu seiner kostspieligen Buchtochter weiterhin stehen wird - dies umso mehr, als der neue Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Dr. Matthias Döpfner (39), klar gemacht hat, dass Bücher nicht zu den Kerngeschäften der Axel Springer AG gehören." Angeblich habe Döpfner den Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff gefragt, "ob Gütersloh daran interessiert sei, Ullstein Heyne List zu übernehmen". Die verlaute "aus zuverlässiger Quelle". Verlagsleiter Christian Strasser hält dagegen, Springer trage das Ergebnis seiner Buchverlage mit Fassung: "Springer habe ein für allemal reinen Tisch machen wollen und deshalb in die Bilanz 2001 gepackt, was überhaupt abschreibbar gewesen sei - um die Zukunft der Buchverlage fortan nicht mehr zu belasten."

Die Hannoveraner Traditionsbuchhandlung Sachse & Heinzelmann schließt zum 30. Juni, die Buchhändler Thalia und Habel verhandeln derweil um eine Immobilie ganz in der Nähe. In dem Gebäude in der Georgstraße saß bislang eine Woolworth-Filiale. Der neue Investor, der zurzeit nach Mietern sucht, verhandelt nach eigenen Angaben neben den beiden Buch-Ketten auch mit H&M sowie mit einer Versicherungsgesellschaft. In Hannover gibt es bislang keine großen Filialketten. Die Stadt wurde bisher von Schmorl & von Seefeld sowie von Decius dominiert. (Eine entsprechende Meldung hat auch das Börsenblatt.)

Die Kassette verschwindet langsam aus den Programmen der Hörbuchverlage, hat der buchreport wieder mal festgestellt. "MCs werden einfach nicht mehr so stark nachgefragt, der einzige Bereich, in dem sie gut gehen, sind Krimis", sagt Claudia Gehre vom Eichborn-Hörverlag Lido.

Wem Walsers "Tod eines Kritikers" als Branchen-Roman schon jetzt zu abgenudelt ist, der sei auf eine Liste des buchreport verwiesen. Im Herbst erscheinen folgende Bücher mit Geschichten aus der Buchbranche: "Schundroman" von Bodo Kirchhoff (Liebes- und Kriminalroman), "Der Geschichtenverkäufer" von Jostein Gaarder (tragikomisches Schicksal eines Schriftstellers, der seine Manuskripte heimlich an Bestsellerautoren verkauft), "Der Geschichtendieb" von Jean-Pierre Gattegno (erfolgloser Autor lässt sich von einem Serienkiller überreden, dessen Morde zu beschreiben), "Das Buch zum Buch" von HoCa-Chef Rainer Moritz (Satiren) und der Sammelband "Von Büchern & Menschen", der bei Schöffling & Co. erscheint.

Der Booker Prize, der bislang Autorinnen und Autoren aus dem Commonwealth vorbehalten war, soll auf die USA ausgedehnt werden. Das will jedenfalls der neue Sponsor, The Man Group. Dagegen gibt es Proteste von Autoren, Verlegern, Literaturkritikern und Medien. "Der Sponsor wird beschuldigt, aus kommerziellen Gründen 'die Zerstörung einer britischen Institution' in Kauf zu nehmen. Zumal, wie die Times irritiert anführt, die US-Amerikaner ihre eigenen Literaturpreise wie den 'National Book Award' und den 'Pulitzer' eifersüchtig gegen internationale Bewerber abschotten."

Weitere Meldungen: Die 40-prozentige Thalia-Tochter buch.de besorgt künftig das Online-Geschäft des Filialisten. Klett ordnet seinen Lernsoftwarebereich neu: "Alle schulbuch- und schulfachbegleitenden Software-Produkte aus dem Heureka Klett Softwareverlag werden zukünftig dem Ernst Klett Verlag zugeordnet. Bei Heureka verbleiben nur jene Spiele für die ganze Familie, die nicht an Klett-Schulbücher gebunden sind." Und das Gallimard-Taschenbuchlabel Folio wird 30 Jahre alt.

Schließlich: die Bestseller.