
Der
innertürkische Streit um Reformen geht weiter,
berichtet der Economist: Die Regierung unter Premierminister
Tayyip Erdogan will sie - die immer noch mächtigen
Generäle nicht. Einerseits garantieren die geplanten Reformen der
kurdischen Minderheit mehr Freiheiten, was die Generäle strikt ablehnen, und andererseits vermuten die Generäle, die Regierung habe langfristig vor, den
türkischen Laizismus abzuschaffen. "Doch dieses Mal könnte es sein, dass die Generäle, die in den letzten vier Jahrzehnten dreimal direkt die Macht übernommen und 1997 die erste islamistische Regierung entmachtet haben, sich den
falschen Kampf ausgesucht haben. Ein Grund dafür ist, dass die überwältigende Mehrheit der Türken einen
EU-Beitritt wünscht und erkennt, dass die Reformvorschläge dazu beitragen werden, dieses Ziel zu erreichen. (...) Dadurch sind die Generäle in die Defensive geraten, und einige versuchen nun, die Lage zu entschärfen: 'Erwähnen Sie bloß nicht das Wort
Coup', ärgert sich General Ozkok, 'Es gibt weder Falken noch Tauben, weder junge Offiziere, noch alte. Wir unterstützen eine EU-Mitgliedschaft, aber wir sind der Meinung, wir sollten der EU als
Gleichwertige beitreten, solange unsere
nationale Einheit keine Gefahr läuft."
Die zwei neuen
George-Orwell-Biografien von
Gordon Bowker ("George Orwell") und
D. J. Taylor ("Orwell: The Life") sind beide gut, aber Bowkers ist besser,
meint der Economist. Unter anderem vergleiche er Orwell mit
Camus und ernenne ihn zu
Englands Existentialisten: "Ob sich seine
wöchtenliche Kolumne darum drehte, wie man klar schreibt, wie man der Tyrannei widersteht, oder wie man Tee kocht, über klares Schreiben, bei ihm klang es immer, als ginge es
um Leben und Tod."
Weitere Artikel:
Großbritannien hat seinen
Euro-Beitritt erneut verschoben, da es nur einem der fünf
Tauglichkeitskriterien gerecht werden konnte, wie schon vor sechs Jahren. Wahrscheinlich,
so der Economist, wird es daher zu einem
Referendum kommen. Etwas hämisch
wundert sich der Economist weiterhin, warum man sich so sehr den Kopf über Großbritanniens Euro-Qualifikation zerbricht, wo doch die eigentlich Frage laute, ob nicht
Deutschland aus der Euro-Zone rausfliegen sollte. Der Economist hat Deutschland dem
Euro-Test unterzogen, und das Ergebnis ist eindeutig:
Euro-untauglich.
Außerdem lesen wir
über den Tod des Denkmalbauers
Felix de Weldon, dem das berühmte amerikanische Heldendenkmal auf
Iwo Jima zu verdanken ist und
über den neuen, aufsehenerregenden Fall der amerikanischen Bürgerrechtlerin
Erin Brockovich. Weiter
warum Amerikas große Auto-Giganten aussterben,
warum sich die
amerikanische Wirtschaft zu erholen scheint, und
Neues aus der Wissenschaft: Könnte der Embryo der
Vater des Patienten sein? Alles deute darauf hin, dass im späteren Leben auftretende
Krankheiten schon im
Embryonal-Stadium angelegt sind. Und zuletzt hat der Economist sehr ausführlich über den
skandalträchtigen Airbus recherchiert.
Nur im Print zu lesen, was es mit
Iran und
Amerika auf sich hat, wie
irakische Kommunisten und
irakische Kleriker zueinander stehen, und ein Überlick über die
nordischen Gefilde.