Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 37 von 43

Magazinrundschau vom 07.07.2003 - Economist

Die BBC steht mit der britischen Regierung auf dem Kriegsfuß, berichtet der Economist. Denn laut einem BBC-Bericht habe die Regierung Informationen über den Irak so aufbereitet, dass die Öffentlichkeit dem Krieg zustimmen musste. Hauptakteur soll dabei Tony Blairs PR-Berater Alastair Campbell gewesen sein. Nun soll das Parlamentskommittee für Auswärtige Fragen (Parliament's Foreign Affairs Committee) Licht ins Dunkel bringen, indem es drei Fragen klärt: "Hat die Regierung Geheimdienstinformationen aufgepeppt?", "Hat sich die BBC in ihrer Berichterstattung korrekt verhalten?" und "Hat der Premierminister das Parlament irregeführt?" Eins ist jedoch sicher, meint der Economist: Dieser Konflikt zwischen BBC und Regierung schafft Ablenkung von der eigentlichen Frage: Ist der Irak-Krieg aufgrund von fadenscheinigen Beweisen geführt worden?

Weitere Artikel: Seit neuestem wollen die Brasilianer, die sich immer als harmonische Hybride verstanden haben, durch eine Gleichberechtigungs-Politik in Sachen Hautfarbe glänzen, so der Economist. Doch gerade dadurch haben sie endgültig ihre Rassen-Unschuld verloren. Den Bürgerkrieg in Liberia kann man unmöglich begreifen, wenn man ihn als isolierten Konflikt betrachtet, versichert der Economist und erklärt daraufhin die Bürgerkriegslage im gesamten Westafrika. Kann man angesichts der Tatsache, dass Deutschland und Frankreich zu ähnlichen Mitteln greifen um ihre Wirtschaftskrise zu lösen, von einer deutsch-französischen Vereinbarung oder gar von einem Komplott sprechen? Offiziell zumindest nicht, so der Economist. Weiter geht es darum, wie Kalifornien die direkte Demokratie zum Verhängnis werden kann, und warum mit der von den palästinensischen Terror-Organisationen angebotenen Waffenruhe ein neuer Funken Hoffnung für den Friedensprozess zwischen Israel und Palästina besteht.

Außerdem wundert sich der Economist, dass Robert Lowells Gesamtwerk "Collected Poems" mehr als 25 Jahre nach seinem Tod erschienen sind, obwohl man Lowell zu den wichtigsten amerikanischen Nachkriegsdichtern zählt. Und schließlich schwärmt der Economist ungehalten für die verstorbene Hollywood-Legende Katherine Hepburn.

Bislang waren die Vermögensverwalter, deren Aufgabe es ist, Investoren und Gelder zu beschaffen, im Rahmen der Spekulationsskandale weitgehend unbescholten geblieben, doch nach Ansicht des Economist sind sie sogar mehr als nur mitverantwortlich. Passend dazu liefert der Economist ein Dossier über Vermögensmanagement.

Nur im Print zu lesen: Italiens turbulenter Start als EU-Vorsitzender und ein Sozialist im Weißen Haus (wer?).

Magazinrundschau vom 30.06.2003 - Economist

George Orwell gibt Stil-Unterricht! Und auch wenn derzeit sein 100. Geburtstag zur regelrechten Heiligenverehrung gerät, habe bei weitem nicht alles, was Orwell geschrieben hat, Hand und Fuß. Aber Stil. Und davon, meint der Economist, kann man lernen: "1) Nie eine Metapher, einen Vergleich oder eine andere sprachliche Figur benutzen, die man gewöhnlich geschrieben sieht, 2) Nie ein langes Wort benutzen, wo ein kurzes genauso gut passt, 3) Ist es möglich, ein Wort zu streichen, immer streichen, 4) Nie Passiv benutzen, wo man Aktiv benutzen kann, 5) Nie einen fremdsprachlichen Ausdruck, einen wissenschaftlichen Begriff, oder ein Jargon-Wort benutzen, wenn einem ein entsprechender alltagsenglischer Ausdruck einfällt, 6) Eher jede dieser Regeln brechen, als etwas Barbarisches zu sagen. Wenige Heilige haben so nützliche Ratschläge hinterlassen", lobt der Economist.

In weiteren Artikeln kann man erfahren, dass das erhoffte "politische Europa" kein Zuckerschlecken wird, warum Afrika keinesfalls als neues Nest des islamistischen Terrors gelten kann, warum sich paradoxerweise alle Beteiligten im Prozess um Rassenquoten an einer amerikanischen Universität als Sieger fühlen, dass Bernard Williams, einer der größten Kritiker der Moralphilosophie gestorben ist, und dass Dan Briodys Buch über die einflussreiche Carlyle-Finanzgruppe ("The Iron Triangle: Inside the secret world of the Carlyle Group") leider wie ein Roman von John Grisham geschrieben ist.

Und schließlich, pünktlich zu seinem 160. Geburtstag, liefert der Economist eine Bestandsaufnahme der Beziehung zwischen Kapitalismus und Demokratie. Herausgeber Bill Emmott eröffnet den Reigen und verspricht polemische Essays für den Liberalismus, aber auch gegen den Missbrauch von Kapitalismus und Demokratie - vor allem in den USA.

Nur im Print zu lesen ist, wer mit den türkischen "Ehrentoten" gemeint ist.

Magazinrundschau vom 23.06.2003 - Economist

Äußerst streng ist das Urteil des an sich europafreundlichen britischen Magazins über den europäischen Verfassungsentwurf, der letzte Woche vorgelegt wurde. "Es bestand immer ein Risiko, dass der Konvent keine besonders gute Verfassung verabschiedet", lautet ein Kommentar. "Schwerer vorzustellen war, dass der Konvent einen Text hervorbringt, der die Probleme, die er beheben soll, verschlimmert. Aber irgendwie hat er das hingekriegt. In vielerlei Hinsicht macht der Verfassungsentwurf die konstitutionelle Architektur Europas noch schwerer verständlich als bisher." In zwei Punkten zeigt sich ein Hintergrundartikel zur Verfassung besonders enttäuscht: "In gewisser Hinsicht schafft der Entwurf Institutionen, ohne ihnen Substanz zu geben. Der sogenannte Außenminister kann keine Politik über die Köpfe der Regierungen hinweg führen, die ein Vetorecht über die Außenpolitik und die Kontrolle über ihre Armeen behalten. Und die EU wird nicht fähig sein, Steuern zu erheben oder sie auch nur zu harmonisieren. Zwei zentrale Gewalten eines Staates - die Macht, Steuern zu erheben und Krieg zu führen - bleiben außerhalb der Reichweite Brüssels."

Weitere Artikel: Der Titel ist aus Anlass eines indischen Staatsbesuchs in China dem Verhältnis zwischen den beiden Riesenländern gewidmet. Ein Artikel des Dossiers ist online freigegeben. Die Inder, so der Kommentar, hätten "von den Chinesen weniger zu fürchten als sie denken". Und dann noch ein kleiner Kommentar zur Frage: "Wer zum Himmel ist Leo Strauss?" Wie nunmehr in Dutzenden von Publikationen festgestellt, berufen sich einige der Regierungsintellektuellen in Washington auf den hierzulande fast vergessenen, nach Amerika emigrierten Philosophen. "Der Aufstieg macht auch ein weiteres Mal eine kleine Kuriosität des amerikanischen Konservatismus deutlich. Trotz aller Galle, die sie über das 'Alte Europa' schüttet, hat die amerikanische Rechte ihre Inspiration stets in europäischen Denkern gefunden. Vor einigen Jahren berief sie sich auf einen österreichischen Libertär namens Friedrich Hayek (mehr hier). Und jetzt haben wir es mit einem deutschen Juden zu tun, der das alte Griechenland als Quelle aller Weisheit ansah."

Magazinrundschau vom 16.06.2003 - Economist

Der innertürkische Streit um Reformen geht weiter, berichtet der Economist: Die Regierung unter Premierminister Tayyip Erdogan will sie - die immer noch mächtigen Generäle nicht. Einerseits garantieren die geplanten Reformen der kurdischen Minderheit mehr Freiheiten, was die Generäle strikt ablehnen, und andererseits vermuten die Generäle, die Regierung habe langfristig vor, den türkischen Laizismus abzuschaffen. "Doch dieses Mal könnte es sein, dass die Generäle, die in den letzten vier Jahrzehnten dreimal direkt die Macht übernommen und 1997 die erste islamistische Regierung entmachtet haben, sich den falschen Kampf ausgesucht haben. Ein Grund dafür ist, dass die überwältigende Mehrheit der Türken einen EU-Beitritt wünscht und erkennt, dass die Reformvorschläge dazu beitragen werden, dieses Ziel zu erreichen. (...) Dadurch sind die Generäle in die Defensive geraten, und einige versuchen nun, die Lage zu entschärfen: 'Erwähnen Sie bloß nicht das Wort Coup', ärgert sich General Ozkok, 'Es gibt weder Falken noch Tauben, weder junge Offiziere, noch alte. Wir unterstützen eine EU-Mitgliedschaft, aber wir sind der Meinung, wir sollten der EU als Gleichwertige beitreten, solange unsere nationale Einheit keine Gefahr läuft."

Die zwei neuen George-Orwell-Biografien von Gordon Bowker ("George Orwell") und D. J. Taylor ("Orwell: The Life") sind beide gut, aber Bowkers ist besser, meint der Economist. Unter anderem vergleiche er Orwell mit Camus und ernenne ihn zu Englands Existentialisten: "Ob sich seine wöchtenliche Kolumne darum drehte, wie man klar schreibt, wie man der Tyrannei widersteht, oder wie man Tee kocht, über klares Schreiben, bei ihm klang es immer, als ginge es um Leben und Tod."

Weitere Artikel: Großbritannien hat seinen Euro-Beitritt erneut verschoben, da es nur einem der fünf Tauglichkeitskriterien gerecht werden konnte, wie schon vor sechs Jahren. Wahrscheinlich, so der Economist, wird es daher zu einem Referendum kommen. Etwas hämisch wundert sich der Economist weiterhin, warum man sich so sehr den Kopf über Großbritanniens Euro-Qualifikation zerbricht, wo doch die eigentlich Frage laute, ob nicht Deutschland aus der Euro-Zone rausfliegen sollte. Der Economist hat Deutschland dem Euro-Test unterzogen, und das Ergebnis ist eindeutig: Euro-untauglich.

Außerdem lesen wir über den Tod des Denkmalbauers Felix de Weldon, dem das berühmte amerikanische Heldendenkmal auf Iwo Jima zu verdanken ist und über den neuen, aufsehenerregenden Fall der amerikanischen Bürgerrechtlerin Erin Brockovich. Weiter warum Amerikas große Auto-Giganten aussterben, warum sich die amerikanische Wirtschaft zu erholen scheint, und Neues aus der Wissenschaft: Könnte der Embryo der Vater des Patienten sein? Alles deute darauf hin, dass im späteren Leben auftretende Krankheiten schon im Embryonal-Stadium angelegt sind. Und zuletzt hat der Economist sehr ausführlich über den skandalträchtigen Airbus recherchiert.

Nur im Print zu lesen, was es mit Iran und Amerika auf sich hat, wie irakische Kommunisten und irakische Kleriker zueinander stehen, und ein Überlick über die nordischen Gefilde.

Magazinrundschau vom 10.06.2003 - Economist

Blair am Ende? Tatsache ist, so der Economist, dass die Briten es ihrem Premierminister sehr verübeln würden, sollte sich herausstellen, dass er Geheimdienstberichte aufgebauscht hat, um den militärischen Einsatz im Irak zu rechtfertigen: "Er hat die Labour Party davon überzeugt, sich von vielen ihrer langjährigen linken Überzeugungen zu verabschieden. Er hat die Wähler davon überzeugt, 1997 eine Partei zu wählen, die, als sie das letzte Mal gewählt wurde, das Land in die Knie gezwungen hatte. Er hat die Briten davon überzeugt, dem Irak den Krieg zu erklären. Doch Überzeugungskraft beruht auf Vertrauen; und somit gilt das Gleiche für Blairs Machtgrundlage. Was passiert, zum Beispiel, wenn er letztendlich zu einem Referendum zum Euro-Beitritt aufruft, und seiner nervösen Wählerschaft mit diesem vertrauten Schimmer in den Augen sagt: 'Vertraut mir. Ich weiß, was zu tun ist.' Werden sie ihm dann vertrauen?"

Weitere Artikel: Gerhard Schröder stehen schwere Zeiten bevor. Sollte es ihm jedoch gelingen, sein Reformpaket durchzusetzen, so der Economist, würde es sich um die wahrscheinlich weitreichendsten Reformen im Nachkriegsdeutschland handeln. Ob es nach der Bush-Dynastie auch eine Clinton-Dynastie im Weißen Haus geben wird? Hillary Clintons neues Buch, meint der Economist, legt jedenfalls den Grundstein zu einer möglichen Präsidentschafts-Kandidatur.

Außerdem erklärt der Economist, was uns die SARS-Epidemie lehrt, warum ein europäisches Verbot für genmanipuliertes Saatgut unwahrscheinlich ist, was der jüngste Pakt zwischen den Giganten AOL Time Warner und Microsoft für die High-Tech-Industrie bedeuten könnte, und wie es der europäischen Wirtschaft angesichts des starken Euros geht: unterschiedlich schlecht. Und schließlich gratuliert der Economist den drei Großen unter den Klavierbauern zum Geburtstag: Blüthner, Bechstein und Steinway werden 150 Jahre alt.

Nur im Print zu lesen: die Titelgeschichte über den Nahost-Friedensgipfel.

Magazinrundschau vom 02.06.2003 - Economist

"Waren die irakischen Massenvernichtungswaffen nur ein Vorwand für den Irak-Krieg?", fragt der Economist leicht irritiert. Angesichts der von Bush und Blair ausgemalten Bedrohungsszenarien, sei es nun doch "überraschend, dass trotz der angestrengten Nachforschungen der amerikanischen Inspektions-Teams keine Massenvernichtungswaffen zu Tage gefördert wurden: keine." Und dies findet der Economist höchst beunruhigend, denn sollte es tatsächliche keine gegeben haben, sei der Krieg unberechtigt gewesen, oder schlimmer noch, sollte es sie gegeben haben, ist es ungewiss, in wessen Hände sie geraten sein mögen. "Die vermasselte Jagd nach den irakischen Massenvernichtungswaffen könnte noch schlimmer als nur peinlich werden."

Wie will die amerikanische Regierung mit den anderen Schurkenstaaten umgehen, die gegen die internationalen Nuklear-Waffen-Abkommen verstoßen oder sie heimlich unterlaufen? Zumal die amerikanischen Abrüstungs-Forderungen, angesichts ihrer eigenen Aufrüstungs-Programme, eher unglaubwürdig und willkürlich erscheinen, grübelt der Economist.

Weitere Artikel: Kein Wunder, meint der Economist, dass man in Großbritannien nichts mehr vom Euro hört, geschweige denn von einer Volksabstimmung über den Euro-Beitritt. Der Labour-Regierung schaudere es allein bei dem Gedanken, die Presse könnte sich der Debatte annehmen, und sie zur Schlammschlacht machen. Zum selben Thema, wenn auch aus etwas anderer Perspektive, fragt der Economist, inwiefern die international geprägte europäische Fußball-Landschaft zum Abbau nationaler Vorurteile beigetragen hat.

Und zweimal Südostasien : Obwohl das eher synkretistische Indonesien von einer Welle muslimischer Orthodoxie heimgesucht wird, glaubt der Economist nicht an eine fundamentalistische Wende. Trotzdem müsse es zu einer öffentlichen Diskussion über Religion und Toleranz kommen. Indonesien, so der Economist weiter, ist das unbekannteste unter den großen Ländern der Erde. Grund genug, Theodore Friends Überblick ("Indonesian Destinies") über diesen noch ziemlich jungen Staat zu begrüßen.

Außerdem erfahren wir, wie die Nahost-Region auf die neue geopolitische Lage im Irak reagiert, warum die von George Bush geplante Steuerreform geistlos und kurzsichtig ist, und schließlich, warum die klassische Musik anstatt des gewohnten "largo doloroso" ein "allegro con brio" anstimmen könnte.

Leider nur in der Printausgabe zu lesen: George Bushs diplomatische Weltreise und sein Verhältnis zur Pro-Israel-Lobby.

Magazinrundschau vom 26.05.2003 - Economist

Dass sich der britische Innenminister David Blunkett zunehmend über die britischen Richter ärgert, deutet der Economist als gutes Zeichen für Großbritanniens Justizpraxis. Gerade in Asyl- und Terrorismusfragen habe die Justiz jüngstens Kritik an der Innenpolitik angemeldet und einige Verfahrensweisen der Regierung auf Legalität und Fairness überprüft, was dem Innenministerium als anmaßender Eingriff erscheint. Diese Ansicht kann der Economist jedoch nicht im Geringsten teilen: "Großbritanniens Judikative ist nur ein blasser Schatten im Vergleich zu Staaten, die über eine schriftliche Verfassung verfügen, wie Amerika, wo der Oberste Gerichtshof ständig die Handlungen der Exekutiven und der Legislativen im Licht der Verfassung prüft. Doch das zunehmend selbstbewusste Vorgehen der britischen Richter ist ein Anzeichen dafür, dass sich die Dinge in die richtige Richtung entwickeln. Je mehr sich David Blunkett ärgern muss, desto besser."

Weitere Artikel: Wie schwer es Europa haben wird, zu einem Volk zusammenzuwachsen, zeigt sich für den Economist am immer noch hoffnungslos gespaltenen Belgien. Die Chefetagen der großen Konzerne scheinen es langsam zu begreifen: Die Aktionäre sind es denen, die Firmen gehören, und die sind nicht mehr bereit, wahnwitzige Gehälter für schwache Leistungen zu bezahlen. Außerdem wirft der Economist die Frage auf, wer für das Verschwinden wertvoller Kunstgegenstände im Badgader Museum verantwortlich ist. Gut recherchiert und mutig findet der Economist das jüngste Buch des französischen Philosophen Bernard-Henri Levy, "Qui a tue Daniel Pearl?", das der Frage gewidmet ist, wer den amerikanischen Journalisten Daniel Pearl getötet hat - und warum. Dabei gerate Pakistan in den Verdacht, geopolitisch "ein doppeltes, oder gar dreifaches Spiel" zu spielen. Und schließlich erfahren wir Neues aus der Forschung: dass Licht schneller sein kann als Licht, und warum unterernährte Mütter verhältnismäßig mehr Töchter gebären als Söhne.

Leider nur in der Printausgabe nachzulesen: Überlegungen zur Frage, ob Al-Quaida zurückkehrt.

Magazinrundschau vom 19.05.2003 - Economist

Dass mit Saddams Sturz auch Al-Quaida außer Gefecht gesetzt sein würde, war von jeher unwahrscheinlich, meint der Economist. Dass dem tatsächlich nicht so ist, hätten die Attentate von Riad gezeigt. Doch der Wiederaufbau im Irak biete eine ausgezeichnete Möglichkeit den islamistischen Terrorismus zu untergraben. "Der Irak hat die menschlichen und die wirtschaftlichen Ressourcen, die er braucht, um eine florierende liberale Demokratie zu werden. Ihn dahin zu führen, und ihn dann in Frieden zu verlassen, reicht nicht aus, um Amerika vor weiteren Angriffen von unerbittlichen Jihadis zu schützen. Doch allein die Existenz eines demokratischen Iraks könnte dazu beitragen, Millionen von Muslimen davon zu überzeugen, dass die Alternative zu einer sekulären Diktatur keine islamistische Diktatur sein muss - oder überhaupt irgendeine Art von Diktatur."

In einem interessanten Artikel erfahren wir, dass George Bush und der sozialkonservativ ausgerichtete Teil seiner Partei eine schwierige Ehe führen: "Man denke an Richard Burtons Beziehung mit Elizabeth Taylor (ohne die Juwelen), dann hat man einen guten Eindruck gewonnen", denn was Abtreibung und Homosexualität angeht, verstehen die Sozialkonservativen keinen Spaß.

Weitere Artikel: Der Economist äußert sich zufrieden über die sich anbahnende Schuldenpolitik in Sachen Irak. Ein Schuldenerlass sei ganz sicher die richtige Lösung, doch sei es heikel, dass gerade die USA diesen Erlass verlangen, wo doch Frankreich und Russland die größten Geldgeber sind. Wie wirkt sich ein Hochstapler-Skandal bei einer Zeitung aus, die für seriöse Berichterstattung stehen will?, fragt sich der Economist anlässlich des Aufruhrs um einen Star-Journalisten der New York Times. In Bruce Allen Murphys Biografie "Wild Bill: The Legend and Life of William O. Douglas" und Sandra Day O'Connors "The Majesty of the Law: Reflections of a Supreme Court Justice" hat der Economist zwei Visionen von Rechtsprechung vorgefunden, die unterschiedlicher nicht sein können. Außerdem befasst sich der Economist mit dem weltweiten Fälschungsmarkt. Und schließlich: Neues vom zweiten AIDS-Virus HIV-2 und ein Nachruf auf die malende Nonne Barbara Vernon Bailey.

Magazinrundschau vom 12.05.2003 - Economist

Der Economist hält es für äußerst unangebracht, dass, wenn Italien am 1. Juli den Vorsitz der EU übernimmt, Silvio Berlusconi zum offiziellen Sprecher der EU werden wird. Denn gerade nach den jüngsten Divergenzen "ist es wirklich Zeit für Klarsicht, diplomatische Finesse und Ausübung von der Art moralischer Autorität, die mit großzügigem Respekt einhergeht. Kann Italien solch eine Führung bieten? Oder eher, kann es sein Premierminister, Silvio Berlusconi? Unsere Antwort lautet Nein." Einen Vorsitzenden, der seine Immunität nutze, um sich der eigenen Justiz zu entziehen, könne die EU nicht gebrauchen.

Weitere Artikel: Der Economist versucht es mit dem Prinzip Hoffnung. Zwar könnten die Freundschaftsbekundungen zwischen dem "neuen Europa" und Amerika dem europäischen Zusammenhalt erheblich schaden, sie könnten aber auch zu einer erneuten Annäherung über die NATO-Einbindung führen. "Was braucht man noch Satire, wenn man die Konservativen hat?" Der Economist amüsiert sich königlich über den amerikanischen "Virtukraten" und Moralprediger Bill Bennett, der, wie nun offenkundig wird, dem Glücksspiel verfallen ist. Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage rät der Economist der britischen Regierung zu einer Rentenreform, die die Unternehmer zugunsten des Staates entlastet.

Dass öffentliche Hinrichtungen auch im 18. Jahrhundert nichts mit Karnaval zu tun hatten, hat der Economist in Peter Linebaughs neuaufgelegtem Klassiker "The London Hanged" nachgelesen. Außerdem war der Economist auf dem asiatischen Filmfestival "Far East Film" in Udine und stellt seine zwei Lieblingsfilme vor: Ma Xiaoyings "Gone Is the One Who Held Me Dearest in the World" und Lee Jeong-hyangs "The Way Home". Und schließlich erfahren wir, warum auch die von George Bush geplante Steuersenkung den amerikanischen Arbeitsmarkt nicht aus dem Tief retten wird.

Ein Dossier ist den IT-Technologien und ihrer Zukunft gewidmet.

Interessiert hätte uns auch noch, wie es um die Integration der Immigranten in Europa steht, und warum Amerika das Gefangenenlager auf Guantanamo Bay schließen sollte, doch das ist leider nur in der Printausgabe zu lesen.

Magazinrundschau vom 05.05.2003 - Economist

BBC-Chef Greg Dyke hat unlängst in einer Rede erklärt, er sei "schockiert" über die Kriegsberichterstattung der amerikanischen Nachrichtensender, und hat die BBC im Gegenzug als "Fels der Objektivität in einem kommerziellen, amerikanisierten Meer von unkritischem Hurrapatriotismus" dargestellt. Doch dies ist dem Economist gleich in doppelter Hinsicht suspekt. Zum einen stelle die Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung, und besonders die "eingebetteten" Reporter, ganz neue und tückische Anforderungen an die Nachrichtenmacher ("Kameraeinstellung auf einen Reporter, der mit Schutzbrille in einem Sandsturm in der Wüste steht: 'Was ist Ihre Gesamteinschätzung der Lage?' "), und zum Anderen sei Greg Dykes Forderung nach objektiver "Wahrheit" schlicht blauäugig. Oder doch nicht? "Könnte Greg Dykes Sorge um die Wahrheit gar viel mit wirtschaftlichen Interessen zu tun haben", etwa mit Marktanteilen?

Nordkoreas Hang zur Provokation macht diplomatische Verhandlungen schwierig, findet der Economist. Denn selbst wenn es zu einer diplomatischen Lösung des Konfliktes kommen sollte - etwa in Form eines Abkommens -, bleibe dennoch die Frage, ob man einem schon so oft wortbrüchig gewordenen Staatschef überhaupt noch trauen kann. In einem weiteren Artikel zum Thema Nordkorea begrüßt der Economist das wachsende Engagement der Anrainerstaaten, allen voran China.

Weitere Artikel: Nicht nur der Irak hat einen Wiederaufbau bitter nötig, sondern auch die internationalen Bündnisse. Doch trotz des derzeit verkrampften transatlantischen Verhältnisses sieht der Economist Anlass zur Hoffnung. Anfang Juni gibt die britische Regierung die Ergebnisse einer Studie bekannt, die über die Euro-Tauglichkeit Großbritanniens befinden soll: Der Economist vermutet, dass die Antwort "noch nicht" lauten wird. Tony Blair, so der Economist, zeigt sich im irischen Friedensprozess jetzt von seiner eisernen Seite: Seine Forderung an die IRA, sie möge den bewaffneten Kampf aufgeben, hat er damit bestärkt, dass die geplanten nordirischen Parlamentswahlen zunächst verschoben werden. Weite Teile der italienischen Regierung sind korrupt und auch von der Justiz für korrupt befunden worden. Doch dass nun die Justiz selbst ins Kreuzfeuer genommen wird - wegen vermeintlicher politischer Voreingenommenheit, findet der Economist dreist und besorgniserregend.

Außerdem lesen wir einen Nachruf auf den großen britischen Gärtner Graham Thomas und eine Besprechung von Margaret Atwoods neuem Roman "Oryx and Crake". Schließlich ein Dossier in Sachen globale Finanzlage.

Nur im Print zu lesen: Wie eine kleine Gruppe europäischer Staaten versucht, die NATO zu untergraben, und warum die amerikanischen Demokraten aus dem Rennen sind.