
Ein Satz des demokratischen Kongress-Abgeordneten
Jim Moran sorgt in der amerikanischen Öffentlichkeit für
Aufregung. So soll er Anfang März gesagt haben: "Wäre da nicht die starke Unterstützung der
jüdischen Gemeinschaft für diesen
Irak-Krieg, würden wir das alles nicht tun."
Laut dem
Economist bilden solche Aussagen jedoch keineswegs die
Ausnahme. Mehr und mehr werden Vermutungen und Vorwürfe laut, die
jüdische Lobby in den USA fungiere als
Kriegsanstifter. "Was auch seine Fehler sein mögen, ist Jim Moran nicht der einzige, der Verdacht hegt angesichts der Tatsache, dass so viele
Falken in der
Bush-Regierung, unter anderem der stellvertretende Verteidigungsminister,
Paul Wolfowitz,
und der Chef des Verteidigungs-Gremiums im Pentagon,
Richard Perle, zufällig Juden sind. Nach und nach beginnen Leute aus dem linken wie aus dem rechten Lager in der Öffentlichkeit zu behaupten, was einige Gemäßigte insgeheim flüstern: dass der Krieg gegen den Irak vorangetrieben worden ist von einer
Intrige jüdischer Hardliner, die mehr an der
Sicherheit Israels interessiert sind, als daran,
Amerikas nationale Interessen zu fördern." Was für den
Economist das Aufleben eines
dunklen Kapitels der amerikanischen Vergangenheit bedeutet, als nämlich in den dreißiger Jahren der jüdischen Gemeinschaft vorgeworfen wurde, die USA in den
Zweiten Weltkrieg verwickeln zu wollen.
Was seine
außenpolitische Linie angeht, hat
Jacques Chirac zwar die Unterstützung sowohl der
öffentlichen Meinung in Frankreich als auch seiner politischen Gegner, doch werden jetzt auch
kritische Stimmen laut vonseiten der sogenannten
"Atlantizisten", die ihm die Verantwortungslosigkeit seiner Politik vorwerfen. Es bleibt nur zu hoffen,
so der
Economist, dass Chirac in seiner Einschätzung, dass weder das
transatlantische Verhältnis noch die EU
dauerhaften Schaden davontragen werden, Recht behält.
Weitere Artikel: Auch jenseits des Atlantiks gibt es
Zeichen der Anspannung: Die immer schon zwiespältige Beziehung zwischen
Kanada und den
USA wird im Zuge des Irak-Konflikts auf eine
harte Probe gestellt. Außerdem
denkt der
Economist nach, wie die britische Politik
nach Tony Blair aussehen könnte, und die Antwort lautet: "Nicht wirklich anders." Und zum Thema Alleingang gibt es eine
Besprechung von
Thomas Laqueurs Kulturgeschichte der
Selbstbefriedigung ("Solitary Sex - A Cultural History of Masturbation", Zone Books).
Außerdem erfahren wir etwas
über islamistische Videospiele,
dass es höchste Zeit ist, sich mit
Nordkorea zu befassen,
warum dem Economist die
Politik der Zentralbanken angesichts der schwachen Weltwirtschaftslage missfällt,
welche Entdeckungen die
Computer-Anthropologie über Gruppenverhalten gemacht hat,
wie karitative Verbände und Terrorismus zusammenhängen,
dass die
Weltwirtschaftslage nicht nur unter dem Irak-Konflikt leidet, und
was genau am Irak-Konflikt die Wirtschaft
verunsichert.
Gerne hätten wir auch erfahren, was mit
"Saddams letztem Sieg" gemeint ist, doch das ist den Lesern der Printausgabe vorbehalten.