Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 38 von 43

Magazinrundschau vom 28.04.2003 - Economist

Der Economist macht sich Gedanken über den wachsenden Einfluss der sogenannten Neo-Konservativen innerhalb der amerikanischen Regierung und fragt sich, ob es sinnvoll ist, von einer jüdischen Kabale zu sprechen, die eine ideologische Geiselnahme der amerikanischen Politik zustande gebracht habe. "Manche Europäer scheinen zu glauben, dass der Einfluss der Neo-Konservativen eine direkte Folge von George Bushs Unfähigkeit ist, grundlegende außenpolitische Prinzipien zu begreifen. Die jüngste Entwicklung der amerikanischen Politik bestätigt diese herablassende Theorie jedoch nicht. Diese neue politische Richtung wurde als Antwort auf eine Katastrophe eingeschlagen. Sie wird auf fast allen Regierungsebenen unterstützt, auch im Kongress (nennenswerte Ausnahmen sind das Auswärtige Amt und dienende Offiziere der Streitkräfte). Vor allem aber wird die neue Politik vom Präsidenten selbst bestimmt. Die neo-konservative Clique ist von Bush abhängig, nicht anders herum."

Weitere Artikel: Die SARS-Epidemie könnte zu Chinas Tschernobyl werden. Dass die Regierung jetzt reagiert, so der Economist, hat jedoch weniger mit der Sorge um die öffentliche Gesundheit zu tun als mit der Angst vor internationalem Gesichtsverlust. Ebenfalls besorgniserregend findet der Economist Nordkoreas Ankündigung, es befinde sich bereits im Besitz von Nuklearwaffen.

Außerdem erfahren wir, warum Valery Giscard d'Estaings Vorschlag zur EU-Reform auf heftigen Protest von Seiten der Kommission und des Parlaments gestoßen ist, dass mit der Verhaftung des ehemaligen irakischen Premierministers Tariq Aziz die Koalition einen neuen Schritt in Richtung irakische Regierungsbildung gemacht hat, dass die Irakis es gerne sehen würden, wenn die Amerikaner das Land verlassen, und wie die neue palästinensische Regierung aussieht.

Weiter kann man in Esteban Buchs Buch "Beethoven's Ninth: A Political History" nachlesen, was Beethovens Neunte zum Politikum macht. Und zuletzt ein Nachruf auf Leonard Tose, einen pathologischen Spieler - mit Klasse.

Magazinrundschau vom 22.04.2003 - Economist

Bestimmendes Thema in dieser Ausgabe: der Wiederaufbau im Irak.

Der Economist warnt davor, die Schwierigkeit eines Wiederaufbaus im Irak zu unterschätzen. Denn um auf Akzeptanz bei den Irakis zu stoßen, so der Hauptaugenmerk des Artikels, müsse die Neustrukturierung nicht nur politischer, sondern unbedingt auch wirtschaftlicher Natur sein, wobei insbesondere die Ölpolitik eine zentrale Rolle spiele.

Ein zweiter Artikel beschäftigt sich mit anderen Aspekten des Wiederaufbaus, etwa wie man mit den Apparatschiks des alten Regimes umgehen sollte, auf die man größtenteils nicht verzichten könne. In der Zeitgeschichte findet der Economist Anregungen zu verschiedenen Spielarten der "De-Saddamisierung": "Entweder man zieht einen dicken schwarzen Strich unter die Geschichte", wie es Polen und andere ex-kommunistische Staaten getan haben, die von einer Verfolgung der kommunistischen Führer abgesehen haben. Oder man schafft lokale Körperschaften, die über die Sünden der alten Ordnung verhandeln: Südafrikas "Wahrheits- und Versöhnungskommission" zum Beispiel. Oder aber der Sieger richtet - wie es bei den Nürnberger Kriegverbrecher-Prozessen der Fall war".

Weitere Artikel: Wie der Vater, so der Sohn? Wird George Bush junior seinem Vater nicht nur ins Weiße Haus und in den Golfkrieg folgen, sondern auch in die Wahlniederlage? Außerdem fragt sich der Economist, ob Frankreich aus der diplomatischen Isolation herausfinden wird, und welche Wege sich dazu anbieten. Zu lesen ist auch ein Nachruf auf Abdul Majid al-Khoei, einen der Hoffnungsträger für den neuen Irak. Schließlich erfahren wir Wunderliches über das Übersetzerteam, dem England die King James Bibel verdankt. Der Economist hat's in Adam Nicholsons "God's Secretaries: The Making of the King James Bible" gelesen.

Nur im Print zu lesen: Amerikas Ambitionen im Mittleren Osten und wie die Kultur des Irak gerettet werden kann.

Magazinrundschau vom 14.04.2003 - Economist

Die Kritiker des Irak-Krieges mögen berechtigte Fragen gestellt haben - doch der Irak-Krieg hat auch sein Gutes, meint der Economist. Schließlich "kann man sich kaum eine Nachkriegs-Verteilung vorstellen, bei der Irakis unfreier und elender wären, als sie es unter Saddam Hussein waren." Doch nun stehe George W. Bush die nächste Herausforderung ins - Weiße - Haus: Der Wiederaufbau des Irak. Am günstigsten wäre natürlich, so der Economist, die UNO in den Wiederaufbau miteinzubeziehen, auch weil die arabische Welt auf ein amerikanisches Protektorat empfindlich reagieren könnte. "Doch nicht um jeden Preis. Die Gefahr, die von Jacques Chirac und seinem salon des refuses ausgeht, ist, dass ihnen sei mehr daran gelegen scheint, Amerikas Macht in der Welt zu schwächen, als Amerika bei der Durchführung seiner ambitionierten Ziele des Friedens und der Demokratie im Irak zu helfen."

Weitere Artikel: Amüsiert zeigt sich der Economist über den heimlichen Helden des Krieges, den irakischen Informationsminister Mohammed Saeed al-Sahaf, dessen Fernsehauftritte von so viel Entertainer-Talent zeugten, dass er zur "Scheherazade von Bagdad" und zum Helden der arabischen Fernsehzuschauer wurde. Der türkische Premier Tayyip Erdogan und seine Regierung planen Reformen. Unter anderem, die Aufhebung des oft verspotteten Verbots des Buchstaben "W", den es im kurdischen, nicht aber im türkischen Alphabet gibt. Wie soll man auch sonst George W. Bush schreiben?

Außerdem: Der Economist schreibt einen Nachruf auf Henri Marcel Racamier, der die Luxusfirma Louis Vuitton zum internationalen Giganten machte, weil er genau wusste, dass Understatement der Geist des Luxus ist und - sehr wichtig - , dass tiefe Preise jeden Luxuslöwen ob der Qualität der Ware misstrauisch machen. Den neuen Shorter Oxford English Dictionary, die gekürzte Ausgabe des britischen Standardwörterbuchs, findet der Economist ausgezeichnet, aber wer die letzte Ausgabe besitze, könne es ruhig dabei belassen.

Leider nur im Print zu lesen: wie die Prozesse gegen die irakischen Führer aussehen sollen.

Magazinrundschau vom 07.04.2003 - Economist

Allen Befürchtungen zum Trotz, der anglo-amerikanische Einmarsch in den Irak könnte den arabischen Nationalismus entflammen und den Mittleren Osten in einen Brandherd verwandeln, behauptet der Economist, dass die Araber keine "gefährlichen Antworten" parat haben. "Doch das heißt nicht, dass sie keine gefährlichen Probleme haben. Im Gegenteil: Neben den bestehenden Problemen autoritärer Regimes, wachsender Bevölkerung und einer scheiternden Wirtschaft könnte ein erfolgreicher amerikanischer Krieg im Irak für eine weitere Dosis bitterer Erniedrigung sorgen. Die Freude, mit der so viele Araber angesichts der irakischen Leistungen den Mythos des David-besiegt-Goliath-Widerstandes geschwenkt haben, deutet auf die Gefahr einer furchtbaren Enttäuschung hin, wenn die Wirklichkeit der Kehrseiten des Regimes über die Menschen hereinbricht. Auch ein kurzer Krieg, in dem die Koalition sich ein Bein ausreißt, um zu zeigen, dass sie das irakische Regime bekämpft und nicht die irakische Nation, wird in den arabischen Sensibilitäten einen Bluterguss hinterlassen."

Indessen stellt sich die muslimische Gemeinschaft in Westeuropa entschieden gegen den Irak-Krieg und ist irgendwie gerührt vom gesamteuropäischen Widerstand. Doch fast genauso entschieden werde das irakische Regime kritisiert: Von "heiligem Krieg", so der Economist, könne hier nicht die Rede sein.

Weitere Artikel: Mehr und mehr stellt sich für den Economist die Frage: Was wird nach dem Irak-Krieg? Wie interessant kann die Übernahme irakischer Schulden sein? Und nicht zuletzt, wird man das transatlantische Zerwürfnis, für das die Amerikaner sich immer noch nicht mitverantwortlich fühlen, wieder kitten können? Diese Missstimmung, so der Economist, scheint sich auch auf anderen Gebieten niederzuschlagen, etwa im europäischen Widerwillen gegen den "kulturellen Imperialismus" amerikanischer Nachrichtenkanäle wie CNN. Außerdem lesen wir einen Nachruf auf den russischen Spionenfänger Rem Krasilnikov, erfahren. Sehr gefallen hat schließlich Anne Appelbaums klarsichtige Studie über den Gulag ("Gulag: A History"), die zweifellos zum "Standardwerk" werden sollte.

Nur im Print zu lesen ist unter anderem, inwiefern Tony Blair nicht Margaret Thatcher ist.

Magazinrundschau vom 31.03.2003 - Economist

Der Economist liefert ein Porträt des amerikanischen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld: "Donald Rumsfeld liebt Führungs-Maximen. Eine der 'Rumsfeld-Regeln' lautet: 'Teile die Welt nicht in "sie" und "wir" auf.' Darin hat er offensichtlich versagt. Eine andere lautet: 'Besuche deine Vorgänger aus vorigen Regierungen. Versuche eher originelle Fehler zu machen, als unnötigerweise die ihrigen zu wiederholen.' Was uns zu McNamara zurückführt, auch ein ehemaliger Geschäftsführer mit grenzenlosem Ego und eine Vorliebe für zurückgegeltes Haar, randlose Brillengläser und hochtechnologisierte Kriegsführung. Ob Rumsfeld eine weitere seiner Regeln bricht und unnötigerweise McNamaras vor so vielen Jahren in Vietnam begangene Fehler wiederholt, werden wir bald erfahren."

Weitere Artikel: Der Irakkrieg spaltet die arabische Welt, indem er die arabische Bevölkerung von ihren politischen Führern entfremdet, da die eine eindeutige Stellungnahme zu den Ereignissen vermissen lassen. Der syrische General Assad bringt es auf den Punkt: "Es kann gefährlich sein, dieser Tage Amerikas Feind zu sein, aber dessen Freund zu sein, könnte sich als fatal herausstellen." Neues in Sachen transatlantischer Verstimmung: Der Economist vergleicht das jetzige franko-amerikanische Zerwürfnis mit der Krise von 1966, als Charles de Gaulle die amerikanische Vietnam-Politik verurteilte. Das internationale Bankabkommen "Basel 2" könnte wegen amerikanischen Widerständen zum zweigleisigen Modell geraten.

Zu lesen außerdem ein Nachruf auf den Amerikaner Daniel Patrick Moyhinan, "einen der bemerkenswertesten Politiker seiner Generation", und die entzückte Besprechung von Simon Winchesters Buch über den legendären Ausbruch des Krakatoa-Vulkans. Und schließlich: Was darf es denn sein? Der Economist berichtet, dass Forscher einen Zusammenhang zwischen dem Geschlecht eines Kindes und der Jahreszeit seiner Zeugung herausgefunden haben.

Nur im Print zu lesen ist der Aufmacher, der mit dem "Nebel des Krieges" nicht nur die Sandstürme meint.

Magazinrundschau vom 24.03.2003 - Economist

Der Economist fragt sich, ob der militärische Eingriff im Irak nicht auch positive Folgen haben könnte, indem er zukünftigen Konfliktpartnern in Sachen Massenvernichtungwaffen nahelegt, in Anbetracht der eventuellen Konsequenzen den Konflikt auf diplomatische Weise zu lösen. "Um die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen einzudämmen, muss der Preis für Möchtegern-Wucherer in die Höhe getrieben und der Nutzen, den man glaubt, durch solche Waffen zu haben, geschmälert werden. Indem Amerika es mit dem Irak aufnimmt, demonstriert es anderen Nuklear-Möchtegernen, wie hoch der Preis für einen Regelverstoß sein kann."

Weitere Artikel: Wie der Vater, so der Sohn? Nicht ganz, meint der Economist. Denn George Bush Seniors Golfkrieg war ein anderer als der seines Sohnes. Es scheint sogar, als sei der zweite Golfkrieg das genaue Gegenteil des ersten: weniger Alliierte und mehr Zustimmung in der amerikanischen Bevölkerung. Mit dem parlamentarischen Beschluss einer militärischen Beteiligung Großbritanniens im Irak scheint sich das Schicksal zu Tony Blairs Gunsten gewendet zu haben. Und das, so der Economist, verdankt er vor allem den Fehlern seiner Gegner. Zwar lobt der Economist das von Gerhard Schröder vorgelegte ambitionierte Reformpaket, doch wird der Kanzler an dessen Umsetzung gemessen werden. Gelobt wird auch Dana Priests Buch "The Mission: Waging War and Keeping Peace with America's Military", in dem die Pentagon-Spezialistin harsche Kritik übt an der lautlosen Übernahme der politischen Spitze Amerikas durch Uniformträger. Schließlich gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Psychologie der Verschwörungstheorien und deren sofortige Anwendung auf die Firmenbeteiligung am geplanten Wiederaufbau im Irak, denn die Hauptlizenz bekommt wahrscheinlich Halliburton, die frühere Firma des amerikanischen Vize-Präsidenten Dick Cheney.

Außerdem, ein verschmitzter Nachruf auf den mit 104 Jahren gestorbenen Mediziner William Sunderman: "Er erzählte von Freunden, die sich nach Florida zurückgezogen hatten. Zuerst, sagte er, hätten sie regelmäßig Golf gespielt und vor dem Abendessen ein Glas getrunken. Später spielten sie weniger Golf und fingen um die Mittagszeit mit dem Trinken an. 'Dann vergaßen sie das Golfspielen ganz, wurden Alkoholiker und starben.' Doktor Sunderman sagte, er persönlich habe zuviele Interessen um sich zurückzuziehen."

Nur im Print zu lesen ist die Frage, was für ein Sieg im Irak zu erwarten ist.

Magazinrundschau vom 17.03.2003 - Economist

Ein Satz des demokratischen Kongress-Abgeordneten Jim Moran sorgt in der amerikanischen Öffentlichkeit für Aufregung. So soll er Anfang März gesagt haben: "Wäre da nicht die starke Unterstützung der jüdischen Gemeinschaft für diesen Irak-Krieg, würden wir das alles nicht tun." Laut dem Economist bilden solche Aussagen jedoch keineswegs die Ausnahme. Mehr und mehr werden Vermutungen und Vorwürfe laut, die jüdische Lobby in den USA fungiere als Kriegsanstifter. "Was auch seine Fehler sein mögen, ist Jim Moran nicht der einzige, der Verdacht hegt angesichts der Tatsache, dass so viele Falken in der Bush-Regierung, unter anderem der stellvertretende Verteidigungsminister, Paul Wolfowitz, und der Chef des Verteidigungs-Gremiums im Pentagon, Richard Perle, zufällig Juden sind. Nach und nach beginnen Leute aus dem linken wie aus dem rechten Lager in der Öffentlichkeit zu behaupten, was einige Gemäßigte insgeheim flüstern: dass der Krieg gegen den Irak vorangetrieben worden ist von einer Intrige jüdischer Hardliner, die mehr an der Sicherheit Israels interessiert sind, als daran, Amerikas nationale Interessen zu fördern." Was für den Economist das Aufleben eines dunklen Kapitels der amerikanischen Vergangenheit bedeutet, als nämlich in den dreißiger Jahren der jüdischen Gemeinschaft vorgeworfen wurde, die USA in den Zweiten Weltkrieg verwickeln zu wollen.

Was seine außenpolitische Linie angeht, hat Jacques Chirac zwar die Unterstützung sowohl der öffentlichen Meinung in Frankreich als auch seiner politischen Gegner, doch werden jetzt auch kritische Stimmen laut vonseiten der sogenannten "Atlantizisten", die ihm die Verantwortungslosigkeit seiner Politik vorwerfen. Es bleibt nur zu hoffen, so der Economist, dass Chirac in seiner Einschätzung, dass weder das transatlantische Verhältnis noch die EU dauerhaften Schaden davontragen werden, Recht behält.

Weitere Artikel: Auch jenseits des Atlantiks gibt es Zeichen der Anspannung: Die immer schon zwiespältige Beziehung zwischen Kanada und den USA wird im Zuge des Irak-Konflikts auf eine harte Probe gestellt. Außerdem denkt der Economist nach, wie die britische Politik nach Tony Blair aussehen könnte, und die Antwort lautet: "Nicht wirklich anders." Und zum Thema Alleingang gibt es eine Besprechung von Thomas Laqueurs Kulturgeschichte der Selbstbefriedigung ("Solitary Sex - A Cultural History of Masturbation", Zone Books).


Außerdem erfahren wir etwas über islamistische Videospiele, dass es höchste Zeit ist, sich mit Nordkorea zu befassen, warum dem Economist die Politik der Zentralbanken angesichts der schwachen Weltwirtschaftslage missfällt, welche Entdeckungen die Computer-Anthropologie über Gruppenverhalten gemacht hat, wie karitative Verbände und Terrorismus zusammenhängen, dass die Weltwirtschaftslage nicht nur unter dem Irak-Konflikt leidet, und was genau am Irak-Konflikt die Wirtschaft verunsichert.

Gerne hätten wir auch erfahren, was mit "Saddams letztem Sieg" gemeint ist, doch das ist den Lesern der Printausgabe vorbehalten.

Magazinrundschau vom 10.03.2003 - Economist

Selbst der als neoliberal geltende Economist hat Probleme mit George W. Bushs Politik: "Im nicht-amerikanischen Ausland hofft jeder, dass ein Krieg im Irak, falls er kommt, schnell und relativ barmherzig sein wird. Doch es gibt keine Garantie, dass dies so sein wird. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass der darauffolgende Wiederaufbau äußerst schwierig sein wird - ganz zu schweigen von der politischen Veränderung im Nahen Osten. War es also klug von Bush bis zur letzten Minute damit zu warten, langfristige politische Veränderungen anzusprechen? Und dies in so vagen, klischeehaften Worten zu tun? War es scharfsinnig, währenddessen so wenig für einen israelisch-palästinensischen Frieden einzutreten, wo doch solch ambitionierte Veränderungen nicht von Amerika allein bewerkstelligt werden können? Und war es klug, so viele Europäer so beiläufig in allem zu reizen, vom Kyoto-Protokoll bis zu Sticheleien über das 'alte Europa'?"

Zur Lockerung zwischen zwei Kriegsfragen gibt es eine Kostprobe der neuen englischen Phonetik, wie sie in den geschriebenen Kurznachrichten der britischen Jugend auftaucht: "txtN wil stil survIv, bt az a ritN dialect, jst az spOkn dialex survIvd Tchaz F4tz 2 frash dem outa :- kds. so cheer ^!" Falls das mit der Lockerung nicht geklappt haben sollte, gibt es hier Übersetzungshilfe.

Weiteres in Sachen Krieg: Der Economist macht sich Gedanken über den Wiederaufbau im Irak. Eine Demokratie scheine fast utopisch, wenn man bedenke, dass der Irak eine patriarchalische Gesellschaft sei, die sich in Klans, Glaubensgruppen und sozialen Klassen zersplittere. Die türkische Regierung steckt in einem Dilemma angesichts der amerikanischen Kooperationsforderung und der Economist vermutet, dass es zu einer zweiten Abstimmung kommen wird. Dieser Irak-Konflikt scheint anders zu sein als der Letzte: Der Economist stellt fest, dass sich die amerikanische Militärtechnologie seit dem letzten Golfkrieg stark verändert hat, und dass die Ölindustrie einem Irak-Krieg weniger begeistert entgegen sieht, als man meinen könnte.

Weitere Artikel: Der Economist warnt die amerikanische Regierung davor, den Erlass von spezifischen Anti-Terror-Gesetzen weiter schleifen zu lassen. "Zuviel des Guten", so lautet nicht nur Fareed Zakarias Fazit in Hinblick auf die Demokratie, sondern auch das Urteil des Economist über Zakarias Buch "The Future of Freedom". Wir lesen einen Nachruf auf den französischen 3-Sterne-Koch Bernard Loiseau, dessen Selbstmord allenfalls diskret angedeutet wird. Außerdem erfahren wir, dass es um die britische Zeitungsbranche noch schlimmer steht, als es den Anschein hat, und dass sich unter den zwölf reichsten Menschen der Welt ganze fünf Mitglieder der Wal-Mart-Familie Walton befinden.

Leider nur im Print zu lesen ist, wie sich die USA an der Welt übernommen haben

Magazinrundschau vom 03.03.2003 - Economist

Nur die "Gutgläubigen" glauben noch, dass Frankreichs Widerstand im Sicherheitsrat tatsächlich mit dem Irak-Krieg zu tun hat. Vielmehr geht es den Franzosen um die Frage, "wie der Rest der Welt vorhat, mit Amerikas Machtposition nach dem Kalten Krieg und nach dem 11. September, umzugehen", meint der Economist, Und hierbei könnte sich Frankreichs Taktieren äußerst schädlich auswirken. Denn "die Integrität des Sicherheitsrats hängt jetzt davon ab, ob er Amerika erlaubt, seine Macht zu nutzen, um den Willen des Rats durchzusetzen, und nicht, ob er seine Meinung ändert und Amerika dazu zwingt, auf eine 'Koalition der Willigen' außerhalb seiner Autorität zurückzugreifen. Es ist noch Zeit für Chirac, dies zu überdenken. Im Interesse der Welt und im Eigeninteresse Frankreichs, sollte er es tun."

Passend dazu: Die Franzosen ärgern sich darüber, dass Französisch als EU-Amtssprache zugunsten von Englisch verdrängt wird, und befürchten, dass damit das amerikanische Denken in die EU Einzug erhält. Einziger Trost: "dass das Englische an all den Ausländern zugrunde geht, die es so schlecht sprechen".

Es könnte sein, meint der Economist, dass George W. Bush mit seiner Rede im Washingtoner American Enterprise Institute, in der er die "zivilisierte Welt" zur "Veränderung des Mittleren Ostens" aufgerufen und zum ersten Mal auch den israelisch-palästinensischen Konflikt miteinbezogen hat, die wahre Bush-Doktrin eines aufklärerischen Sendungsbewusstseins preisgegeben hat. "Während andere Länder über den nächsten Schritt im Countdown zu einem Krieg im Irak diskutieren, drängt Bush Amerika dazu, nicht nur darüber zu debattieren, was im Irak nach Husseins Fall passiert, sondern auch über die Auswirkungen, die dieses Ereignis über Jahrzehnte in der Region haben könnte." Selbst wenn Bush einem Irrtum aufsäße, was das demokratische Potenzial der arabischen Welt angeht, "könnte ihm niemand fehlenden Ehrgeiz vorwerfen".

Weitere Artikel: Der Economist erinnert die Irak-besessene Welt daran, dass es da auch noch ein Problem namens Nordkorea gibt. Wir lesen die Besprechung von Margaret Plants Buch über das sterbende Venedig, einen Nachruf auf den Hotel-Pionier Kemmons Wilson und eine Art Nachruf auf Iain Duncan Smith, den Chef der Tories, der nicht nur inkompetent sei, sondern zu allem Übel nicht aus seinen Fehlern lerne.

Außerdem erfahren wir, warum Mexiko seinen frisch erhaltenen Sitz im Sicherheitsrat gleich mit einem diplomatischen Dilemma bezahlt, warum es in Bagdad zur Zeit wie auf der Titanic zugeht, wie sich der Wechsel an Chinas politischer Spitze gestaltet, warum die durchgeführten Testversuche in Sachen AIDS-Impfstoff für Afrika eher nutzlos sind, wie die Physiker sich über Raum und Zeit streiten, dass Flugpassagiere bald in den Genuss des Internets kommen, und schließlich, was Sony sich für unser Wohnzimmer vorstellt.

Magazinrundschau vom 24.02.2003 - Economist

Krieg ist das Thema, auch beim Economist - der naturgemäß einen scharfen Blick in die Kriegskasse wirft.

Gibt es eine Mehrheit, die den Krieg befürwortet?, fragt der Economist angesichts des europäischen Widerstandes, sowohl auf diplomatischer Ebene, als auch unter der Bevölkerung, wie es die Großdemonstrationen des letzten Wochenendes bewiesen hätten. Und trotzdem, meint der Economist, laute die Antwort "Ja". Denn der Großteil der Protestierenden sei laut Umfragen gegen den amerikanischen Alleingang aufgebracht, wäre aber mit einem von der UNO gebilligten Angriff einverstanden. Doch sollte man mit dieser Mehrheit den Krieg auch tatsächlich führen? Für den Economist ist das die einzige Lösung, denn diesen Krieg zu führen, ist "bei weitem besser, als an der verfehlten und tödlichen Politik der letzten zwölf Jahre festzuhalten. Jetzt wäre es klug, sich einer UNO-Unterstützung zu versichern, um den Krieg gleichzeitig weniger riskant und den Nachkriegs-Frieden dauerhafter zu machen. Doch letztlich bleiben die Tatsachen: Wenn Hussein die Entwaffnung verweigert, ist es richtig, in den Krieg zu ziehen. Soddom, wenn wir es tun, aber auch Soddom, wenn wir es nicht tun."

Weiterhin untersucht der Economist die wirtschaftlichen Risiken eines Irakkriegs und fragt nach den Kosten. Glauben sollte man einer eventuellen Antwort allerdings auf gar keinen Fall, denn die grobe Unterschätzung von Kriegskosten sei eine der zähesten Konstanten der Geschichte.

Europa ist gespalten, und der Economist möchte ein bisschen Ordnung reinbringen: "Auf einer Linie mit Amerika stehen Großbritannien, Italien, Spanien, Dänemark, Portugal, die Niederlande und Irland; in der Nur-Geduld-Mannschaft haben wir Deutschland, Frankreich, Belgien, Griechenland, Finnland, Schweden und Österreich, während Luxemburg, der kleinste EU-Staat vor Unentschlossenheit gelähmt zu sein scheint." Entscheidend für diese Aufteilung seien nicht etwa der Irak oder andere Probleme, sondern die "Einstellung gegenüber den Vereinigten Staaten und deren Vorrangstellung".

Weitere Artikel: Altes Europa und Junges Amerika? Von wegen! Der Economist dreht den Spieß einfach um. Dogma-Filme sind gut - immer noch. Und das liegt für den Economist auch daran, dass man dem Geist des Dogma treu bleibt und nicht unbedingt seinen Vorschriften. Außerdem lesen wir einen Nachruf auf Walt Rostow, der Berater im Weißen Haus zur Zeit des Vietnam-Kriegs war. Und viele Fragen: Wie wird Palästinas Verfassung aussehen? Braucht die Welt Luxus-Handys? Gibt es kein angstfreies Management? Und wie steht es um Brasilien?