
Im heutigen Deutschland, schreibt Gabriel Schoenfeld, begreife man sich zunehmend als Opfer des Nazi-Terrors, und nicht als
Tätervolk. Die
Zerstörung Dresdens durch alliierte Bomber am 13. Februar 1945 spiele bei der gewandelten Sicht auf die eigene Vergangenheit eine prominente Rolle, spätestens seit Jörg Friedrichs
"Der Brand".
Frederick Taylor widerspricht in seiner Studie
"Dresden" (
erstes Kapitel) nun der These, dass die Bombardierung unnötig und grausam war, weil Dresdens Bevölkerung unschuldig und die Elbmetropole darüber hinaus weder von strategischer noch
kriegswirtschaftlicher Bedeutung war. Außerdem habe das Bombardement nur
höchstens 40 000 und nicht 100 000 Menschen das Leben gekostet, und auch Leben gerettet. Schoenfeld
überzeugt in seiner Besprechung vor allem dieser Aspekt. "Nur Tage vor dem Angriff erhielten die wenigen
übriggebliebenen Juden - bisher durch ihre Ehe mit Ariern verschont - den Deportationsbefehl. Am 16. Februar sollten sie nach Auschwitz gebracht werden. Unter den durch die Brandbomben der Alliierten geretteten Juden war auch der Chronist Deutschlands im Krieg,
Victor Klemperer, der mit seinem Manuskript überlebte."
Im Aufmacher
empfiehlt John Dust den letzten Roman des im Dezember verstorbenen
John Gregory Dunne:
"Nothing Lost" erzähle von einem schwarzen Drifter, seinen Mördern und einem
publicity-hungrigen Supermodel, mit einem Finale, das Dust nicht weniger als "superb" findet.
Im
New York Times Magazine geht der
Historiker und Philosoph Michael Ignatieff der
Frage nach, ob die USA den Kampf gegen den Terror verlieren können, wie eine solche Niederlage aussehen könnte und
wie groß das kleinere Übel sein darf, mit dem man das größere bekämpfen will. Zum Schluss plädiert er: "Wir müssen unseren
Glauben an die Freiheit behalten. Wenn Terroristen konstitutionelle Demokratien angreifen, beabsichtigen sie damit, Wähler und Gewählte zu überreden, dass die Stärke dieser Gesellschaften - öffentliche Debatten, gegenseitiges Vertrauen, offene Grenzen und konstitutionelle Begrenzungen exekutiver Macht - Schwächen sind. Wenn Stärken als Schwächen angesehen werden, können sie leicht abgeschafft werden. Wenn das die Logik des Terrors ist, dann müssen die demokratischen Gesellschaften neuen Glauben finden, dass ihre
scheinbare Verwundbarkeit eine Form der Stärke ist. Dafür braucht es nichts Neues oder Besonderes. Es bedeutet lediglich, dass diejenigen, die für die demokratischen Institutionen verantwortlich sind, ihre Arbeit machen. Wir wollen CIA-Mitarbeiter, die verstehen, dass
die Hunde des Krieges gebraucht werden, aber
an die Leine gehören. Wir wollen Richter, die verstehen, dass die nationale Sicherheit keine Carte blanche für die Aufhebung individueller Rechte ist, eine
freie Presse, die weiterhin fragt, wo die Gefangenen sind und was mit ihnen gemacht wird."
Unter der Überschrift
"The German Question" beschreibt Richard Bernstein die Beziehungen zwischen
Deutschland und den USA seit dem 2. Weltkrieg, schildert die Gründe für die Eiszeit, die der
Irakkrieg mit sich brachte, zeichnet für seine amerikanischen Leser ein kurzes, nicht uncharmantes Porträt
Joschka Fischers und überlegt schließlich, wie sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern in Zukunft gestalten könnten: "Das Ende des Kalten Krieges und die Wiedervereinigung Deutschlands haben zu Veränderungen geführt. Ein langsamer, aber stetiger Prozess führt zu dem, was die Deutschen ein
normales Land nennen, ein Land wie andere, obwohl die Deutschen zu verstehen scheinen, dass die bloße Tatsache, dass sie normal zu sein wünschen, bedeutet, dass sie es
zumindest in einigen Dingen nicht sein können." Für Bernstein ist klar, dass in Zukunft die
EU für Deutschland eine mindestens so große Rolle spielen wird wie bisher die Vereinigten Staaten. Aber dies, meint er, ist der unvermeidliche Preis, den die USA für einen "der größten Triumphe" der amerikanischen Außenpolitik bezahlen müssen: "die Formung eines friedlichen, demokratischen, vereinigten Deutschlands".