
Die Vereinigten Staaten im Jahr 1940. Der
Fliegerheld und Antisemit
Charles A. Lindbergh kandidiert gegen Franklin D. Roosevelt, gewinnt und wird
Präsident der USA. Vor dieser Kulisse entfaltet sich
"The Plot Against America", der neue Roman von
Philip Roth (
mehr). In einem Essay
beschreibt er, wie ihn die
Memoiren Arthur Schlesingers inspiriert haben und was ihn persönlich mit dem Thema verbindet. "Noch bevor ich zur Schule ging, wusste ich schon etwas über den
Antisemitismus der Nazis und den amerikanischen Antisemitismus, der von so bekannten Personen Leuten wie
Henry Ford und Charles Lindbergh gepflegt wurde, die mit Filmstars wie Chaplin und Valentino in diesen Jahren die weltweit bekanntesten Berühmtheiten waren. Das Genie des Verbrennungsmotors und der Luftfahrtheld Lindbergh - und unser nationaler
antisemitischer Propagandaminister, der Radiopriester
Charles Coughlin (Lebenslauf, Reden und Hörprobe
hier) - waren ein Hassthema sowohl für meinen Vater wie auch seine Freunde. Freiwillig besaß in unserer jüdischen Nachbarschaft
praktisch niemand einen Ford, obwohl es das beliebteste Auto des Landes war."
T. C. Boyles (
mehr) neues Stück nennt sich "Inner Circle" (
erstes Kapitel) und handelt von den persönlichen, professionellen und sexuellen Beziehungen des legendären Soziologen
Alfred C. Kinsey zu einem seiner ergebenen Mitarbeiter. Obwohl Boyle von Perfektionisten wie Kinsey fasziniert sei, erweise er sich selbst "immer wieder als
Herold der menschlichen Unzulänglichkeiten",
diagnostiziert A. O. Scott. Leider hören die Unzulänglichkeiten diesmal nicht beim Sujet auf. Der Roman, meckert Scott weiter, "hat eine verwischte, hastige, unfertige Art. Wir bekommen
nicht genug Kinsey und gleichzeitig
viel zu viel von ihm."
Weiteres: Die
New York Times Book Review druckt den Titel von nicht mal zur Hälfte ab, Vendela Vida
lobt die 81 kurzen
experimentellen Kapitel von
Nick Flynns Autobiografie als "kunstvolle Meditation". Der Titel des Buchs, den die Times nicht nennen mag, lautet
"Another Bullshit Night in Suck City". Terrence Rafferty hat den aktuellen Reißer der produktiven
Joyce Carol Oates gelesen und
rät: "Lesen Sie
'The Falls' schnell und schauen Sie nicht zu genau hin, oder zu lange. Dann machen Sie was anderes. Oates wird es jedenfalls tun." Und Maud Casey
windet dem "komisch-düsteren" Debüt "April Fool's Day" (
erstes Kapitel) des kroatischen Schriftstellers
Josip Novakovich einen Lorbeerkranz aus Druckerschwärze. Wie Novakovic alleine den
serbischen Regen beschreibt, in diesem "leichten, eleganten Tempo"! Laura Millers
Letztes Wort ist eine
Suada gegen die Sitte, Bücher grundsätzlich zuerst als
Hardcover herauszubringen. (Hm, werden Autoren von Taschenbuch-Tantiemen satt?)
Im
New York Times Magazine berichtet Deborah Solomons
Bericht von ihrem Treffen mit dem 88-jährigen
Arthur Miller. Es geht um "Finishing the Picture" - nach "After the Fall" von 1964 der zweite Versuch Millers, seine
Ehe mit Marilyn Monroe in einem Theaterstück zu beschreiben. Doch Solomon kann ihm kaum ein Wort über Monroe entlocken. "'Man tut, was man tun kann und den Rest muss man dem Zeitgeist überlassen', bemerkt er fröhlich. 'Vielleicht werde ich
vollkommen vergessen. Die meisten Werke auf der Welt werden vollkommen vergessen; 99,99 Prozent aller Kunstwerke sind vergessen. Es gab so viele Autoren, die in ihrer Zeit berühmt waren, und die heute niemand mehr kennt. Geschichte ist wie ein
gigantisches Biest - sie krümmt ihren Rücken und wirft einfach herunter, was drauf liegt.' Seine Bemerkungen waren bescheiden, aber unmöglich ernst zu nehmen. Die Wahrheit ist, nicht jeder wird in den Abgrund des Vergessens geworfen. Und als er sprach, musste ich daran denken, dass
Monroe unvergessen ist."
Lynn Hirschberg
unterhält sich mit dem brasilianischen Regisseur
Walter Salles, dessen
"Motorcycle Diaries" (mehr
hier und
hier) über den frühen
Che Guevara demnächst herauskommt. Elizabeth Rubin
zeichnet den Weg der jungen amerikanischen
Anwältin Fern Holland, die sich im Irak für die
Rechte der Frauen einsetzte und dafür
ermordet wurde. Hingewiesen sei schließlich noch auf das opulente
Style Magazine, das ganz der herbstlichen
Männermode gewidmet ist.