
Wunderschön zu lesen ist eine
Sottise des
Schriftstellers Gary Shteyngarts über Amerika und seine Einwanderer. In den einschlägigen
Ratgebern für Immigranten erkennt man laut Shteyngart das Wesen Amerikas am Besten. "Ein Land voller Krämer und Träumer, Hausarbeitsmodellen, falscher
Kindermodel-Wettbewerbe und grassierendem Identitätsschwindel. Es bedeutet hauptsächlich in Südkalifornien zu leben, mitten unter
kambodschanischen Doughnut-Tycoons und chinesischem Wäscherei-Imperien es bedeutet an Gott zu glauben (am besten Jesus Christus) und ihn (sie) zu einem Teil von allem machen, was man tut." Als er 1980 aus der Sowjetunion in die USA kam, bezog Shteyngart seine Verhaltensregeln noch aus einem schmalen Büchlein. "Direkt auf den
sowjetischen Immigranten abzielend betonte das Buch den ausgiebigen
Gebrauch eines Deos und die Verpflichtung, schmerzhaft zu grinsen, wann immer ein Amerikaner anwesend war (ich merkte mir diese Ratschläge unter dem Motto
'smell-n-smile')."
Elena Lappin steuert ihre Erfahrungen als illegaler Einwanderer bei. Sie wurde 26 Stunden am Flughafen von Los Angeles festgehalten, weil sie als Britin
kein Visa hatte.
Überraschend milde, ja generös
beurteilt Larry McMurtry
Bill Clintons viel gescholtene wie beworbene Memoiren
"My Life" (
erstes Kapitel). Das Werk ist "die bisher reichhaltigste präsidentielle Autobiografie - kein Buch erzählt uns
lebendiger oder ausführlicher wie es ist, für acht Jahre Präsident der Vereinigten Staaten zu sein." Wie sanft Clinton mit seinem Vater umgeht, beeindruckt McMurtry besonders, und wenn er "in den Bereich
ernsthafter Politik kommt, wird seine Erzählstimme zuversichtlicher und die Geschichte beginnt ihre Anziehungskräfte zu entfalten." Der Kollege Michiko Kakutani vom Mutterblatt dagegen
hält Clintons Buch für "schlampig, selbstverliebt und oft
himmelschreiend dumpf." Es liest auch der Meister selbst,
zum Anhören.
Aus den weiteren Besprechungen: "
Hendrik Hertzberg ist amüsant, aufschlussreich und
halsstarrig. Seine Zeit ist vorüber, unsere hoffentlich noch nicht",
notiert Richard Brookhiser zu
"Politics", einer Sammlung von Artikeln des Urgesteins des politischen Journalismus in den USA. Franklin Foer schafft es in "How
Soccer Explains the World" (
erstes Kapitel) zwar nicht, das Versprochene einzulösen, aber sein
"faszinierender, exzentrischer Essay" über den Fußball und seine Fans lässt das schnell vergessen,
jubelt Joe Queenan. In belletristischer Hinsicht sticht
Michael Andre Bernsteins Roman "Conspirators" (
erstes Kapitel) hervor, eine "lange, unterhaltsame" Geschichte über politische Ränkespiele im untergehenden
Habsburger Reich. Alan Riding
gefallen nicht nur die bizarren Charaktere dieser gierigen und dekadenten Ära, er lobt auch den dem Sujet angemessenen
"eleganten und mäandernden Erzählstil" des Debütautors.
Im
New York Times Magazine begleitet Jennifer Senior die beste Verkäuferin für
Sexspielzeuge auf Verkaufstour in die amerikanische
Provinz: Linda Brewer, die Königin der
Passion Parties. Herausgekommen ist eine köstliche
Reportage. "Seitdem sie im Außendienst tätig ist, rast Linda Brewer in einem silbernen Cadillac Escalade durch den Süden, mit einem Nummernschild, auf dem
'Funlady' steht. Auf der Straße bemerken das Männer oft und hupen, um dann erstaunt und amüsiert zu gucken, wenn sie merken, dass die Frau am Steuer
auf die Sechzig zugeht.".
Im langen Titel
ruft Ted C. Fishman wieder einmal das
chinesische Jahrhundert aus, gestützt auf eine lange Latte gut recherchierter Details. Sara Corbett
war mit einem
professionell Reisenden auf Blitztour in Lissabon:
Rick Steve, sympathisch und manisch zugleich, steht hinter den erfolgreichsten
Reiseführern für Europa. Er verführt vor allem Ältere zum
Sprung über den Atlantik und hofft damit, ein wenig zur Annäherung der beiden Kontinente beizutragen. Im Rest geht es um die Welle.
Brian Wilson von den
Beach Boys gesteht Deborah Solomon, dass er immer noch nicht surfen kann und den Herbst am liebsten mag, Catherine Saint Louis
unterhält sich mit Regisseur
Stacy Peralta über die Sucht nach der Welle (Peraltas
Dokumentarfilm "Riding Giants" startet demnächst), und eine
Diaschau zeigt uns
Kelly Slater & Co als Models.