
Im Debattenteil
beschreibt der belgische Schriftsteller
Francois Weyergans, warum auch in diesem Herbst sein Buch, das bereits seit vier Sommern beharrlich angekündigt wird, nicht erscheinen wird. Was offenbar auch am
Eigenleben liegt, das seine
zentrale Romanfigur, ein Schriftsteller, entwickelt. Nicht ganz ohne Weyergans' Zutun: "Ich gestatte ihm gelegentlich,
das Stück zu verlassen, und dann fällt er für zwei Stunden bei
Wine and Bubbles ein, wo er sich mit dem Eigentümer des Ladens eine Flasche 14,5-prozentigen Languedoc teilt statt Xanax, während ich
grünen Tee trinke, ein grauenerregendes Aufputschmittel."
In einem Essay fragt sich
Peter Schneider (mehr
hier), ob sich "die
Pazifisten geirrt" hätten, und
erklärt, warum die "Einhelligkeit", mit der in Deutschland der Irakkrieg kritisiert wird, für ihn etwas "Beängstigendes" hat. Es sei doch ein "überraschendes Phänomen, dass der Verlauf des Krieges
beide Seiten in ihrer Meinung bestärkt hat. Wir hatten Recht, heult das Weiße Haus in Richtung Europa, wir sind diejenigen, die klar gesehen haben; wir hatten den Durchblick, entgegnen Millionen deutsche Pazifisten, die gegen der Krieg waren. Für dieses
paradoxe Spektakel kann es nur eine Erklärung geben: Die Wortführer erinnern sich lediglich an diejenigen ihrer Prophezeiungen, die sich durch die Ereignisse anscheinend bewahrheitet haben und vergessen entschlossen jene, die entkräftet wurden."
Eine ausführliche Besprechung
stellt eine
Geschichte des Reisens vor ("Humeurs vagabondes. De la circulation des hommes et de l?utilite des voyages", Fayard). Außerdem
zu lesen ist ein Interview mit der Gründerin der Befreiungsbewegung Liberation,
Lucie Aubrac, über den von den Nazis erschossenen Philosophen
Jean Cavailles (mehr
hier und
hier), anlässlich dessen 100. Geburtstag jetzt eine
Biografie erschienen ist (Le Felin).
Die erste Folge einer Sommerserie über
"große Schätze in kleinen Museen" der französischen Provinz
widmet sich zwei Häusern in Bagnols-sur-Ceze und Pont-Saint-Esprit.
Vorgestellt werden eine Reihe amerikanischer Publikationen über den
Familien-Clan von John Houston, und in einem kleinen
Schwerpunkt erinnert der Nouvel Obs an den 10. Todestag des französischen Chansonniers
Leo Ferre, zu lesen sind unter anderem ein
Porträt, ein
Interview Ferres Sohn Mathieu und eine
Zusammenstellung von Veröffentlichungen und CDs.