
Im Debattenteil
erklärt der Politikwissenschaftler
Denis Lacorne, was es mit den jüngsten amerikanischen
Ausbrüchen von Frankophobie auf sich hat. Nach einem historischen Exkurs - "Die Frankophobie ist die älteste Sache der Welt" - erklärt er die Funktion des wechselseitigen Austauschs von
Stereotypen, die "die nationalen Leidenschaften stärken" sollen. Die zentralen rhetorischen Mittel dieser "bevorzugten nationalistischen Propaganda" seien Polemik, Wirksamkeit (d.h. "leicht zu merken"), Dichotomisierung (die/wir) und ihr performativer Charakter. Lacorne räumt aber ein, dass "auch
Frankreich ganz gerne
Klischees produziert. Wir mögen keine allzu vielschichtigen amerikanischen Präsidenten wie Jimmy Carter. Dagegen schätzen wir Reagan und bis vor kurzer Zeit George W. Bush: die Realisten, die Harten, die unsere Vorurteile gegenüber dem Antiintellektualismus der amerikanischen Politik bestärken" Denn das sei die französische Vorstellung von "Uncle Sam:
brutal, manipulativ und immer im Dienst des amerikanischen Kapitalismus."
Kurz, aber dafür sehr gut wird der neue Roman von
Jacques Tournier "A l'interieur du chien" (Grasset)
besprochen: "Das Buch ist wie eine
Mozartsonate, gespielt von
Clara Haskil: Es vertreibt die Finsternis". Mit einigen Auszügen wird der
Briefwechsel von
Camille Claudel (mehr
hier)
vorgestellt. 1886 hatte sie beispielsweise Auguste Rodin geschrieben: "Ich kann nicht kommen, wohin Sie mich bestellt haben, weil ich
weder einen Hut noch Schuhe habe, und meine Stiefel sind alle abgetragen. Camille". Philippe Sollers
rezensiert schließlich einen Essay über die Philosophie der
altchinesischen Malerei - "La grande image n'a pas de forme. Ou du non-objet par la peinture" (Seuil).
Darüber hinaus wird in dieser Ausgabe viel geredet: In
Interviews geben der amerikanische Jazz-Saxofonist
Wayne Shorter, der schon mit John Coltrane und Miles Davis gespielt hat,
Auskunft über seine neue CD "Alegria" (mehr
hier), Chinas berühmtester Rockstar,
Cui Jian,
erklärt die anhaltenden
Probleme mit den Behörden bei der Organisation eines Konzerts, und
Anne de Stael gibt eine kleine Einführung in die große Ausstellung mit Arbeiten ihres Vaters, des Malers
Nicolas de Stael (mehr
hier) im
Centre Pompidou.