Toni Negri, Galionsfigur der italienischen Linken, gibt in einem
Interview Auskunft über seinen Weg von den
Roten Brigaden zu den Globalisierungsgegnern. Negri, der nach seiner Verurteilung in Italien 14 Jahre im französischen Exil lebte und danach im italienischen Gefängnis zusammen mit dem Amerikaner
Michael Hardt die vielgelobte Gesellschaftsanalyse
"Empire" verfasste, lebt heute in Rom unter Hausarrest und hat jetzt mit "Du retour" eine Art
politiktheoretische Autobiografie geschrieben. Befragt, wie diese wohl im heutigen
Berlusconi-Italien aufgenommen werde, antwortet er, das Problem in Italien sei nicht die Rechte. "Das
wahre italienische Drama, und ganz Europas, ist
die Linke. Konfus, etatistisch, im Wesen bürokratisch, versteht sie überhaupt nichts von der Globalisierung (...) Der alte industrielle Kapitalismus ist tot. Die Arbeiterklasse ist tot. (...) Die neuen Ausgeschlossenen, die Mehrheit der Unsicheren, alle jene, die sich gegen die fortgesetzte Korruption der 'Gemeinschaft' verbünden wollen: das sollte die Linke dringend in ihr Wirtschaftsprogramm aufnehmen."
Im vergangenen Jahr gewann
Roman Polanski mit seinem Überlebensdrama aus dem Warschauer Ghetto,
"Der Pianist", die Goldene Palme in Cannes. Jetzt wurde der Film erstmals in seinem Heimatland
Polen gezeigt - und Polanski wurde gefeiert: von 2000 Zuschauern, darunter alle, die im polnischen Kulturleben Rang und Namen haben. Der Warschau-Korrespondent des Nouvel Obs
berichtet von der Veranstaltung, die Polanski
sichtlich rührte: "Cannes war schon heftig, aber das hier übertrifft alles."
Weitere Artikel: Mit einer eigenen
Beilage begleitet das Magazin die
Ausstellung "Matisse-Picasso", die ab 22. September im
Grand Palais gezeigt wird. Das Großereignis versammelt über 150 Arbeiten aus allen Museen der Welt. Unter anderem zu lesen: die
Geschichte ihrer "
turbulenten Freundschaft" und
Auskünfte darüber von Picassos einstiger Lebensgefährtin
Francoise Gilot. Für einschlägig Interessierte lohnt vielleicht auch ein Blick ins
Dossier: Hier geht es in dieser Woche um die
Bedrohung der französischen Weinwirtschaft und was diese dagegen zu tun gedenkt. Lesenswert: ein
Interview über die "Rettung der französischen Ausnahme" und die "Fallen des Elitismus" mit
Jacques Berthomeau, seines Zeichens "controleur general des Offices au ministere de l'Agriculture et animateur du groupe de reflexion Vin & Cie".