
Wunderbare Anekdoten weiß der tschechische
Regisseur und Drehbuchautor
Ivan Passer zu erzählen, der zu den Begründern der Tschechischen Neuen Welle gehörte und
1968 gerade noch rechtzeitig vor dem Einmarsch der Russen gemeinsam mit
Miloš Forman zuerst nach Frankreich, dann in die USA floh, wo er seither arbeitet und lebt. "Um vier Uhr morgens erreichten wie einen kleinen österreichischen Grenzposten. Ein Offizier kam aus dem Häuschen und hörte sich von uns an, dass wir ein
Wochenende in Wien verbringen wollten, kontrollierte unsere Pässe und stellte natürlich fest, dass wir keine Ausreisegenehmigung hatten. Darauf ich, die Papiere müssen im Koffer sein, und obwohl wir keine hatten, tat ich so, als würde ich sie suchen. Und dabei hörte ich plötzlich diesen absurden Dialog: 'Sind Sie Miloš Forman, der Filmregisseur?' - 'Ja.' - 'Wissen Sie, dass ich
alle Ihre Filme gesehen habe?' - 'Ich nehme mal an, dass Ihnen keiner davon gefallen hat.' Ich dachte schon, jetzt packt der mich gleich, aber dieser Offizier begann,
seine Lieblingsszenen aus
'Die Liebe einer Blondine' vorzuspielen, und sagte schließlich, wir sollten nicht weiter nach den Papieren suchen. Als wir losfuhren, sah man ihm an, dass er wusste, dass wir nicht zurückkehren würden." Seine
neue Heimat USA sieht Passer trotz Rassenkonflikten und Trump-Kampagne optimistisch. Als er in den 60er-Jahren in New York einen Taxifahrer auf ein Bier einladen wollte, "entgegnete der mir, er dürfe nicht mit, weil
er schwarz sei. Für mich war das ein Schock, dass es so etwas nicht nur im amerikanischen Süden gab, wo ich es von Faulkner her kannte, sondern in einer Metropole wie New York. Das war auch ein Grund dafür, weshalb ich in meinen Filmen dann so viele Rollen mit Schwarzen besetzt habe. Aber wissen Sie was,
Karl Marx würde Amerika lieben, er hat ja gesagt, jenes Land sei das beste, wo eine
permanente Revolution stattfindet. Und ich habe in den Staaten gleich mehrere miterlebt. Vor allem in der Rassenfrage. Zur der Zeit meiner Einwanderung hätte ich nie gedacht, dass ich einmal den Tag erlebe, an dem ein Schwarzer Präsident wird."
(Bei
Youtube kann man
zwei Filme von Passer sehen:
"Stalin" von 1992 und
"Born to Win" von 1971 mit George Segal als drogenabhängiger Friseur, Karen Black und Paula Prentiss. Und bei
Arte spricht er über einige seiner Filme.)