Novinky liefert Eindrücke vom diesjährigen
Internationalen Dokumentarfilm-Festival von Jihlava, darunter viel Politisches: Gast war unter anderem
Maria Wladimirowna Aljochina von Pussy Riot, die im
Gespräch mit Alex Švamberk ihre Anerkennung für die tschechische Künstlergruppe
Ztohoven äußert, die kürzlich auf der Prager Burg die Präsidentenflagge gegen eine
flatternde rote Riesenunterhose austauschte. "Ich glaube, euer Präsident ist mit Putins Regime verbunden." Auf die Frage, warum sie damals ihre Art des Protests gewählt habe, antwortet Aljochina: "Zu jedem Protest gehört Musik. Das ist eine alte Tradition." Ob der Gerichtsprozess nach ihrer Performance in der
Christ-Erlöser-Kathedrale 2012 von Putin ausging oder von der Kirche?: "Ich denke, Sie können diese beiden Themen nicht voneinander trennen. Wir haben diese Kathedrale gewählt, weil Putin sie als einen der Hauptorte für die Verbreitung seiner Ideen nutzte. Es ging damals also nicht um die Kirche, sondern darum, dass die
Kirche als politische Plattform genutzt wurde."
Auf dem Festival konnte das Publikum via Internet auch mit
Julian Assange von WikiLeaks sprechen, der
versicherte: "Es stimmt nicht, dass wir uns nur auf die westliche Welt konzentrieren. Ja, wir sprechen vor allem Englisch, in den anderen Sprachen ist unser Wirken nicht so einfach. Aber wir haben zum Beispiel hundertzwanzigtausend
Dokumente über Russland veröffentlicht, eine Menge Material auf
Chinesisch, etwa das Protokoll von Festlichkeiten der dortigen kommunistischen Partei, und es heißt, wir hätten mit unseren Enthüllungen die Wahlen in
Peru beeinflusst."
Ferner wurde der Dokumentarfilm "Matrix AB" über den tschechischen Oligarchen und Finanzminister
Andrej Babiš gezeigt, dessen Regisseur
Vít Klusák sagt: "Ich bin überzeugt, dass Babiš eine Bedrohung der tschechischen Demokratie darstellt. Es fragt sich sogar, ob wir überhaupt noch eine Demokratie haben in einem Moment, da der Finanzminister jemand ist, der gleichzeitig die meistgelesenen seriösen
Zeitungen kontrolliert und außerdem noch unseren tagtäglichen Konsum beeinflusst. Wenn Sie sich morgens etwas
zum Frühstücken kaufen gehen, ist es fast unmöglich, dabei Produkten zu entgehen, an deren Herstellung die Firma Agrofert beteiligt war."