Magazinrundschau - Archiv

Wired

201 Presseschau-Absätze - Seite 17 von 21

Magazinrundschau vom 27.11.2012 - Wired

Stephen Levy schaut sich den Patente-Wahnsinn genauer an: Was einst einen sinnvollen Schutz für Unternehmertum und Innovation dargestellt haben mag, hat sich längst in ein Schlachtfeld verwandelt: "Die Technologieindustrie ist voller ausgedehnter Patente. Schon viel zu viel Energie und Geld wird darauf verwendet, sie zu erwerben und durchzusetzen. Amazon 'besitzt' den Prozess, der es Leuten gestattet, Sachen mittels eines einzigen Klicks zu erwerben. Apple beansprucht nun das exklusive Recht, Kommunikationsgeräte in Form eines Rechtecks mit abgerundeten Ecken, auf denen Icons in einem Raster und mit einer Reihe feststehender Icons am unteren Bildschirmrand angeordnet sind, zu verkaufen. Und eine kleine Firma in Tyler, Texas, verlangt einst mehr als 600 Millionen Dollar von Google - wegen des Designs der Ränder um deren Anzeigen." (Mehr zum Thema hier.)

Außerdem: Faktisch stellen Passwörter heute einen kaum mehr verlässlichen Schutz für Online-Accounts dar, mahnt Mat Honan, der die unterschiedlichen Strategien und Manöver zum Passwort-Hacking ausgiebig recherchiert hat. Noah Shachtman erklärt, wie es Kryptologen gelang, ein mysteriöses Manuskript zu dechiffrieren. Bill Wasik blickt hinter die Kulissen von TEDx, dem unabhängigen, internationalen Ableger von TED. In der "Icons"-Gesprächsreihe unterhält sich Shoshana Berger mit dem Designer James Dyson. Joel Warner amüsiert sich unterdessen prächtig bei japanischer Comedy.
Stichwörter: Amazon, Comedy, Geld, Hacking, Texas

Magazinrundschau vom 30.10.2012 - Wired

In den 80ern und 90ern schuf Peter Molyneux Computerspiele-Klassiker wie "Populous" und "Theme Park", die mit ausgefuchster künstlicher Intelligenz und originellen Spielideen brillierten. Dann kamen lange Zeit nie gehaltene Versprechungen und gescheiterte Projekte, berichtet Jason Tanz - bis der Fake-Twitteraccount @PeterMolydeux mit einer Abfolge aberwitziger Spielvorschläge (ein Beispiel) den Kult um den Spielemeister neu befeuerte: Seitdem arbeitet Molyneux an einem neuen, größenwahnsinnigen Online-Spieleprojekt namens "Curiosity": "Die Idee ist so hochtrabend, dass sie glatt einem Tweet von @PeteryMolydeux entsprungen sein könnte: Die ganze Welt versucht, sich den Weg ins Innere eines riesigen Würfels zu bahnen und nur dem Spieler, dem dies als erstem gelingt, ist es gestattet, das versteckte Geheimnis im Innern zu entdecken. ... Unterdessen wird das Team von Molyneux ständig Daten sammeln. Was sind die effektivsten Methoden, um Leute dazu zu motivieren, sich dem Spiel anzuschließen? Wie lange wird es dauern, bis die Leute alle knapp 60 Milliarden Miniwürfel abgetragen haben, aus denen sich der Würfel zusammensetzt. Und wie wird der Gewinner am Ende die Nachricht von dem, was sich im Innern befindet, verbreiten? Molyneux hat niemandem verraten, was sich im Würfel befindet - nicht seiner Frau, nicht seinem Sohn, auch nicht seinen Mitarbeitern."

Weitere Artikel: Knapp eine Woche lang gastierte Wired-Autor Charles Graeber auf der Neuseeländer Ranch von Kim Dotcom, der ihm während dieses Aufenthalts - unter anderem mit Frühstück abends um kurz vor 10 - ausführlich seine Lebensgeschichte, die Ungerechtigkeiten, die ihm widerfuhren, und seine Pläne für die Zukunft - ein Sharehoster, der von den Behörden nicht mehr dingfest gemacht werden können soll - schilderte. Steven Levy staunt bei der Visite in Googles Serverfarmen manchen Bauklotz. Chris Anderson spricht in der "Icons"-Gesprächsreihe mit dem 41-jährigen Internet-, Raumfahrt-, Elektroautos-, Solaranlagenunternehmer Elon Musk, der - ganz "Bond-Style" - aus dem Pazifik Raketen zum Mars schießt, um seinem Traum, auf dem roten Planeten Pflanzen zu pflanzen, näher zu kommen. Außerdem erklärt James Verini , wie der virtuelle Popstar Hatsune Miku Japan im Sturm erobert hat. In Japan gibt sie holografische Konzerte:



Magazinrundschau vom 02.10.2012 - Wired

Wenn es nach Wired geht, steht uns eine gehörige Designrevolution ins Haus. Chris Anderson etwa sieht mit dem neuen (und noch immer schlappe 2000 Dollar kostenden) 3D-Printer Replicator 2 von MakerBot und einer zusehends wachsenden Zahl von Onlinequellen für Printer-Vorlagen endlich den Durchbruch für die neue Heimtechnologie zur Erstellung von Plastikmodellen gekommen: "Dies ist der Macintosh-Moment für MakerBot. Vor knapp 30 Jahren verhalf Apple dem Desktop-Publishing zum Mainstream-Durchbruch. Das Ziel für den Replicator 2 ist es nun, den Massen etwas Neues nahezubringen: Desktop-Manufacturing. Vor einer Generation erstellten die Leute, die mit ihren originalen Macs herumspielten, einige scheußliche Layouts - üblicherweise irgendeinen Murks mit Fonts und Clip Art. Doch dann wurden sie besser. ... Desktop Publishing veränderte die Welt. Die heutigen ersten 3D-Print-Versuche mögen so wenig berauschend sein wie diese ersten Gehversuche im Desktop Publishing. Doch der Replicator 2 (...) ist darauf ausgerichtet, die Lernkurve mittels einer höheren Auflösung (...), mehr Farben, komplexeren Formen und einem verlässlicheren Endergebnis auf ausgeklügeltere Objekte hin auszurichten. ... Schon heute kann man eine via 3D-Printing eigens zugeschnittene Actionfigur des eigenen World-of-Warcraft-Charakters oder des eigenen Xbox-Live-Avatars erhalten. Und wenn man nach Tokyo geht, kann man sich dort seinen eigenen Kopf für eine nach einem selbst nachempfundene, fotorealistische Actionfigur einscannen." Einen ausführlichen Hintergrundartikel zum Thema 3D-Printing gibt es im übrigen hier bei Foreign Affairs.

(Allerdings wird uns auch ein 3D-Printer in Zukunft kein Popcorn in den Mund schießen wie dieses Wunderding.)

Weitere Artikel: Lauren Hilgers staunt über Zhang Yue, der ein Haus mit dreißig Stockwerken in 15 Tagen bauen ließ (hier ein Video - vielleicht sollte das lahme Berlin den Mann mal für den neuen Flughafen engagieren?). Bob Parks schaut sich die neue Objektdesignsoftware von Autodesk an. Bryan Gardiner stellt Pyroceram als robusten Werkstoff der Zukunft vor. Rob Walker berichtet von den Sorgen übererfolgreicher Verkäufer auf der auf Handgemachtes spezialisierten Handelsplattform Etsy, deren Erfolg in Konflikt mit der Auflage gerät, keine Angestellten zu beschäftigen. Außerdem unterhält sich Steven Levy in der "Icons"-Reihe mit der Investorin Mary Meeker, die auf dem langen Weg der Internet-Erfolgsgeschichte in so ziemlich alles und jeden investiert hat.

Und wer solchen Designrummel viel zu irdisch findet, der schwelgt einfach in dieser tollen Fotogalerie mit Aufnahmen aus der Europäischen Südsternwarte (Website), die gerade ihr fünfzigjähriges Bestehen feiert.

Magazinrundschau vom 18.09.2012 - Wired

Geeta Dayal hat sich mit Science-Fiction-Autor William Gibson (@) so ausführlich unterhalten, dass das Gespräch in drei Lieferung erfolgt (hier Teil 2, hier Teil 3). Neben Gibsons Wurzeln im Punk, Herausforderungen der literarischen Futurologie und Gibsons Ansichten zu den sozialen Medien (in nuce: Twitter schlägt Facebook) dreht sich das Gespräch auch um das Internet als Wissensquelle. Anlass ist seine frühere, mittlerweile nicht mehr weiterverfolgte Begeisterung für mechanische Uhren (hier Gibsons Essay von 1999 dazu): "Ich wollte völlig ohne Anlass einfach wirklich viel über eine Sache wissen. ... Es war ein großer Spaß - ich habe damals einige ganz außergewöhnlich sonderbare Leute kennengelernt. Keine dieser Erfahrungen wäre möglich gewesen ohne das Internet. Früher musste man, wollte man auf wirklich wahnsinnige Weise etwas über eine Sache wie diese wissen, selber grundsätzlich wahnsinnig sein - du musstest die Welt bereisen, andere Leute finden, die hinreichend verrückt waren, um alles zu wissen, was es darüber zu wissen gab. Das war schwer zu bewerkstelligen, und zum Großteil reine Glückssache, weil die Anzahl solcher Leute von vornherein niedrig war. Doch heute kann man ein Jugendlicher in einer Stadt im brasilianischen Hinterland sein, der eines Morgens aufwacht und sich denkt: 'Ich möchte alles über rostfreie Sportuhren aus Stahl aus den 50er Jahren wissen.'' Und wenn man sich dann wirklich hinsetzt, im Internet, könnte man sich im Laufe eines Jahres ein Wissen aneignen, das einem Universitätsabschluss in diesem kleinen, sinnlosen Feld entspricht. Ich habe definitiv viele Leute getroffen, die sich ein Äquivalent dieses akademischen Grads angeeignet haben."
Stichwörter: Soziale Medien, 1950er

Magazinrundschau vom 07.08.2012 - Wired

Im vollautomatsierten Aktienhandel ist der Kampf um jede Millisekunde Geschwindigkeitsvorteil voll entbrannt, beobachtet Jerry Adler. Je weniger materiellen Widerstand ein Datenweg aufweist, umso höher am Ende die Gewinne: Der Handel vollzieht sich im hundertstel Sekundentakt, die Gewinne liegen meist im Bereich von Cent-Bruchteilen, die sich erst in der Breite der Handelstätigkeiten zu wirklichen Profiten auswachsen, während oft nur kurzlebige Algorithmen einander bekriegen: "Die Aktienkurse, die das Order Book von Yahoo etwa für Intel auswirft, stammen wahrscheinlich von einem Algorithmus und stehen einem mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zur Verfügung. Selbst wenn man über einen Zugang zum Handel verfügen würde, was selbstverständlich nicht der Fall ist, wären die Kurse wohl nicht mehr aktuell, sobald man den Markt betreten hat - entweder wurden sie bereits ausgeführt oder, was noch wahrscheinlicher ist, zurückgezogen bevor auch nur eine Aktie den Besitzer wechseln konnte. Und hier beginnt der wirklich gefährliche Teil: Es verhält sich nicht nur so, dass Menschen immer weniger in die Handelsabläufe involviert sind, sondern so, dass sie nicht involviert sein können. 'Zu dem Zeitpunkt, an dem der normale Investor einen Kurs sieht, ist das so, als würde man einen vor 50000 Jahren ausgebrannten Stern beobachten", sagt Sal Arnuk, ein Partner von Themis Trading und Co-Autor eines kritischen Buchs über Hochfrequenz-Aktienhandel mit dem Titel 'Broken Markets'. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass 90 Prozent der Aktienkurse der zentralen Börsen noch vor Zustandekommen eines Deals zurückgezogen werden. Viele von ihnen sollten das auch von vornherein; es gibt sie nur, um den Markt zu testen, um konkurrierende Algorithmen zu verwirren oder zu subvertieren, oder um den Handel bestimmter Aktien zu verlangsamen, indem man das System behindert - eine Praxis, die man Kurseverstopfen nennt. Dabei mag es sich sogar um andere Aktien handeln, dann aber um solche, die auf dem selben Server gehandelt werden. Im Internet nennt man das Denial-of-Service-Attacken und wird als Verbrechen angesehen. Unter den quantitativen Analytikern gilt es bloß als schlechtes Benehmen."
Stichwörter: Algorithmen, Behinderte, Themis, Yahoo

Magazinrundschau vom 04.09.2012 - Wired

Nur eine Branche kann es im Netz mit Pornografie aufnehmen, wenn es um reine Aufmerksamkeitsökonomie geht: Die Katzenindustrie. Zumindest in Japan bringen manche Katzen bereits mehr Geld nach Hause als das japanische Durchschnittseinkommen abwirft, staunt Gideon Lewis-Kraus in einem mit exzellenten Katzenporträts geschmückten Artikel. Dabei haben die Katzen den denkbar einfachsten Job: Sie tun, was sie eh schon tun, während sie ihre Besitzer dazu bringen, sie auf Video aufzuzeichnen, die Aufnahme nachzubearbeiten und bei Youtube einzustellen, auf dass die Werbeprovisionen nur so aufs Konto sprudeln. Vergeblich war jedoch Lewis-Kraus' Versuch, die Halter der populärsten Youtube-Starkatze Maru zu kontaktieren, die an Verschlossenheit gegenüber der Öffentlichkeit offenbar selbst noch Thomas Pynchon überbieten: "All diese Zurückhaltung macht wütend. In Amerika posten die Leute Videos von sich, wie sie im Tutu 'Free Bird' pfeifen, und sind tief im Innersten verletzt, wenn sie nicht umgehend zu The View (Website) eingeladen werden. Anders in Japan. Dort hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass der eigentliche Sinn des Internets sich nicht bloß darin erschöpft, dich berühmt und geliebt zu machen, sondern dich über Nacht berühmt und geliebt zu machen und das auch noch ohne wirklichen Grund, während es dir zugleich ziemlich exakte Maßeinheiten in die Hand gibt, um festzustellen, wie berühmt und beliebt du warst und für wie lange Zeit. Für die Japaner ist das Internet nicht so sehr ein Ort der Selbstanpreisung und -ausstellung, sondern der Zurückhaltung und Anonymität." Auch Katze Maru zieht es offenbar zuweilen vor, nicht erkannt zu werden:

Magazinrundschau vom 21.08.2012 - Wired

Ach was, Weltuntergang, winkt Matt Ridley ab. Der Autor der Website Rational Optimist und Kolumnist beim Wall Street Journal lehnt sich allen apokalyptischen Konjunkturen zum Trotz entspannt zurück und lässt die zentralen Szenarien der Weltuntergangsfolklore der letzten 40 Jahre Revue passieren: Die vier apokalyptischen Reiter, die er dabei identifiziert, sind "Angst vor Chemikalien", "Seuchen", "Überbevölkerung" und "Ressourcenmangel" - und nichts davon habe sich bei rückblickender Betrachtung als derart bedrohlich herausgestellt wie zuvor angenommen. Seine zentrale Stütze bildet dabei ein ausgeprägter Techno-Optimismus: "Genau wie Regulation die Klimakrise verschärfen kann - Biokraftstoffauflagen haben nicht nur die Zerstörung des Regenwalds und die Freisetzung von Kohlenstoff vorangetrieben, sondern auch Millionen in Armut und Hunger getrieben -, kann Technologie sie lindern. ... Die Menschheit ist ein sich rasant bewegendes Ziel. Wir werden unsere ökologischen Bedrohungen zukünftig bekämpfen, indem wir ihnen da, wo sie sich erheben, energisch entgegen treten, und nicht mit einer von Worst-Case-Szenarios angestachelten Massenpanik."

Weiteres: Peter Schwartz sieht die Hegemonie von Öl und Gas im Energiehaushalt auch weiterhin nicht bedroht, ganz im Gegenteil. Kevin Kelly spricht mit dem Öko- und Internet-Aktivist Stewart Brand, der in den 80ern erste Netzforen für Umweltschutz gründete und heute aus dem Staunen über die technologischen Möglichkeiten von Biohacking, Gentechnik und Kernfusion nicht mehr herauskommt. Den lesenswerten Artikel zum automatisierten Light-Speed-Trading hatten wir bereits in der Magazinrundschau vom 07.08. vorgestellt.

Magazinrundschau vom 31.07.2012 - Wired

Noah Shachtman porträtiert in einem riesigen Text den russischen IT-Sicherheitsexperten Eugene Kaspersky, der mit seiner Antivirus-Software weltweit effektiv etwa 300 Millionen Kunden betreut und dessen Team auch für Regierungen auf der ganzen Welt arbeitet. Dabei kommt Shachtman ordentlich das Gruseln: Zwar belässt Kaspersky seine vom KGB finanzierte Ausbildung, seine Tätigkeit als Sowjet-Geheimoffizier und seine Nähe zum Putin-Regime im Dunkeln, über was er aber sehr offen spricht ist seine "Vision für die Zukunft der Internetsicherheit, die vom westlichen Standpunkt aus extrem erscheinen mag. Sie beinhaltet die Notwendigkeit strikt überwachter digitaler Personalausweise für einige Onlineaktivitäten und die Möglichkeit staatlicher Eingriffe in soziale Netzwerke, um Protestbewegungen entgegenzuwirken. 'Dort herrscht zuviel Freiheit', sagt Kaspersky mit Blick auf Websites wie Facebook. 'Freiheit ist gut, aber die bösen Jungs können diese Freiheit missbrauchen, um die öffentlichen Meinung zu manipulieren.' Das sind nicht gerade beruhigende Worte von einem Mann, der für die Sicherheit von so vielen unserer PCs, Tablets und Smartphones zuständig ist. Doch darin besteht das Paradox von Eugene Kaspersky: Er ist ein Vertrauter des autokratischen Putin-Regimes, der mit der Bewachung der Daten von Millionen Amerikanern beauftragt ist; ein angeblich pensionierter Geheimdienstoffizier, der heute damit beschäfigt ist, die geheimen Aktivitäten anderer Nationen aufzudecken; eine vitale Präsenz im offenen und freien Internet, der nicht möchte, dass wir zu frei sind."

Außerdem: Bald ein Jahr nach Steve Jobs' Tod und Walter Isaacsons Biografie über den Software-Tycoon sind IT-Visionäre und andere Geschäftsmänner in zwei Lager gespalten, wenn es darum geht, aus Jobs' kontroversem Führungsstil persönliche Konsequenzen zu ziehen, beobachtet Ben Austen: Auf der einen Seite sieht er die "Akolythen", für die ein zwischenmenschlich defizitärer Umgang mit Menschen gerechtfertigt ist, wenn er einem höheren Zweck dient, auf der anderen Seite die "Rejektoren", die einen Mittelweg zwischen geschäftlichem und privatem Erfolg verfolgen. Monica Murphy und Bill Wasik schreiben über die Rätsel, die die Tollwut der Medizin bis heute aufgibt. Chris Baker spricht in der "Icons"-Reihe mit dem Gamedesigner Will Wright.

Magazinrundschau vom 17.07.2012 - Wired

Der Medien- und Post-Privacy-Künstler Kyle McDonald berichtet von seinen Erfahrungen mit seinem "People staring at Computers"-Projekt, für das er auf die in New Yorker Apple Stores ausgestellten Computer eine App installierte, die über die Webcam Fotos schießt und jene mit einem Gesicht automatisch auf einen Onlineserver und in ein eigens eingerichtetes Blog postet. Das Projekt wurde von Apple im vergangenen Jahr nicht nur nach allen Regeln der Kunst hochgenommen, McDonald hatte eines Tages auch den Secret Service mit einem Durchsuchungsbefehl vor der Haustür stehen - gefolgt von einer heftigen Diskussion über den Kunstcharakter der Aktion. Allen Unannehmlichkeiten zum Trotz ist McDonald am Ende doch froh über sein Projekt: Duchamp sagt, "hat ein Künstler seine Arbeit erstmal dem Betrachter überlassen, liegt es an dem Betrachter eine Entscheidung über den Status dieser Arbeit zu treffen. Manchmal unterliegt die Entscheidung, ob etwas Kunst ist oder nicht, ob es bewegt, zu Gedanken anregt oder irgend eine andere Wirkung entfaltet, einem einzigen Betrachter. ... Mit 'People staring at Computers' habe ich etwas neues erlebt: Ein riesiges Publikum beteiligte sich über Diskussionen unter Blogposts und Nachrichtenartikel an einem kollektiven Echtzeit-Entscheidungsprozess über eine Kultur, für die sie sich verantwortlich fühlten."

Außerdem denkt der Science-Fiction-Autor Bruce Sterling in einer Rede zum 100. Geburtstag von Alan Turing darüber nach, warum wir eine Künstliche Intelligenz, aber keine Künstliche Weiblichkeit zu programmieren versuchen, warum Künstliche Intelligenzen in unserer Vorstellung zwar menschlich sein, aber keinen Todestrieb aufweisen sollen und wie das alles womöglich damit zusammenhängt, dass Turing schwul und Nerd in einer Zeit war, die für beides kein Verständnis hatte.

Magazinrundschau vom 26.06.2012 - Wired

Von albernen "lulz" über Scientology-Proteste bis zum arabischen Frühling: Quinn Norton erzählt in aller Ausführlichkeit die (eigentlich filmreife) Geschichte von Anonymous, wie also aus dem anonymen Amüsement beim Mem-Tausch auf dem Imageboard 4chan eine gefürchtete politische Kraft aus dem Internet wurde. Zentral für das Verständnis der Gruppe ist dabei der Begriff der "Do-ocracy", "um einen in der Open-Source-Szene populären Begriff zu verwenden. Wie dieser impliziert, bedeutet dies ein Reglement durch reines Handeln: Individuen schlagen Aktionen vor, andere schließen sich an (oder auch nicht) und über dem Resultat wird dann die Anonymous-Flagge gehisst. Niemand, der eine Genehmigung erteilt, kein Versprechen auf Ruhm und Ehre, damit muss jede Aktion ihre eigene Belohnung darstellen. ... Doch diese unterscheidet sich grundlegend von denen anderer 'Do-ocracys' der Internetära (wie etwa Wikipedia oder Linux). ... Der chaotische Handlungsstil von Anonymous entsprang auf ganz natürliche Weise der Struktur des Imageboards. Da es dort keine Namen oder Archive gibt, besteht die einzige kulturelle Währung in dem, was auch immer man hacken, der Lächerlichkeit preisgeben oder jetzt in diesem Moment auf dem Bildschirm tun konnte, während der Rest des Schwarms zuschaute."

Außerdem: Steven Levy schaut Twitter-MitgründerJack Dorsey über die Schulter, wie der sein neues Projekt Square, das aus jedem iPhone mittels eines Dongles einen Kreditkartenscanner macht, vorantreibt. Chris Anderson berichtet von der prosperienden Amateur-Drohnenszene in den USA. Für die "Icons"-Gesprächsreihe plaudert Tim Greenwald mit Peter Diamandis, der mit viel Eifer und Elan an einer privaten Weltraumindustrie arbeitet.