Trumps Friedensplan für die Ukrainekrieg sieht so aus, dass dem Aggressor die Krim und und die anderen eroberten Gebiete
zum Geschenk gemacht werden, während das Opfer der Aggression
kapitulieren und sich schutzlos der Ausbeutung durch Russland und Amerika fügen soll.
Trump will sich de facto
die Ukraine mit Russland teilen, meint auch Thomas Avenarius in der
SZ. "Denn Washington versucht, aus der gedemütigten Rumpf-Ukraine noch herauszuschlagen, was es kriegen kann. Die Bezahlung bereits gelieferter Waffen, Zugang zu seltenen Erden, den Betrieb von Europas größtem Atomkraftwerk. Das wären Reparationen, die das Opfer zahlt:
Perverser lässt sich Frieden kaum gestalten. Selten hätte ein
Angriffskrieg sich so sehr gelohnt. ... Ja, all das ist zutiefst verwerflich. Ja, all das darf und kann keine europäische Regierung akzeptieren. Aber - was sollten Deutschland, Frankreich oder Großbritannien militärisch und diplomatisch denn tun?" Nichts, erkennt Avenarius mit Blick auf die völlig abgewirtschaftete Bundeswehr, die sich besser vorbereiten sollte, auf das, was nach der Ukraine kommt.
Trumps
Verachtung für die Ukraine, die sich etwa in seinen "niederträchtigen Kommentaren zu dem russischen Massaker an der Bevölkerung von Sumy" ausdrückt, offenbart seine
Verachtung für Demokratie an sich,
schreibt Richard Herzinger in seiner jüngsten Intervention für den
Perlentaucher. Hinter seiner "prorussischen Haltung steckt nicht einfach Naivität, Ignoranz oder blanke Dummheit. Der Trumpismus und die ihn tragende MAGA-Bewegung sind vielmehr ideologisch durch und durch
mit dem Putinismus verwachsen. Das Trump-Regime kann daher nicht mittels gutem Zuspruch und geduldiger Aufklärung über die weltpolitische Realität zurück auf den rechten Weg der Vernunft gebracht werden. Seine Absichten stehen vielmehr in diametralem Gegensatz zu den ideellen Grundlagen nicht nur der amerikanischen Demokratie, sondern der
demokratischen Zivilisation als solcher."
Ähnlich
sieht es Laurent Joffrin, ehemals Chefredakteur von
Libération, in der französischen Netzzeitung
lejournal.info: "Jeder, der über ein Mindestmaß an gesundem Menschenverstand verfügt, versteht, dass Trump in diesem Konflikt zwischen einer Demokratie und einer Diktatur
den Diktator zum Sieger erklärt und ihm nach dem Gewinn der ersten Runde ermöglicht, seine Armee wieder aufzubauen, seine Wirtschaft wieder anzukurbeln, um in einem Jahr oder in fünf Jahren die zweite Runde zu gewinnen und die Eroberung der Ukraine zu vollenden." Joffrins Resümee ist bitter: "So sieht die Welt aus, an die wir uns gewöhnen müssen. Unter dem Beifall der
europäischen Rechtsextremen, Putins fünfter Kolonne, verabschieden sich die Vereinigten Staaten von ihrer Rolle als Führer der freien Welt, um sich der Tyrannei anzuschließen."
"Putin ist es gelungen, mit seinen postmodernen leninistischen Methoden die Trump-Truppe kirre zu machen",
meint Ulrich M. Schmid in der
NZZ. Er zitiert den Polittechnologen und Putin-Berater
Wladislaw Surkow, der kürzlich im französischen Magazin
Express gesagt habe, "in den
USA gehe zurzeit eine '
Perestroika' vor sich. In Russland habe die Perestroika zum Zusammenbruch der Sowjetunion geführt. Nun sei es möglich, dass die amerikanische 'Perestroika' die Nato und die EU zerstöre. Die EU sei zu schnell gewachsen und wisse nicht, ob sie ein Staat sein wolle. Das geschwächte Europa könne
in den Einflussbereich Russlands geraten, das sich so weit ausdehne, 'wie Gott es will'. Die Utopie eines 'großen Nordens' hat durchaus auch eine rassistische Komponente. Richard Spencer, der Gründer der Alt-Right-Bewegung und bekennender 'white supremacist', erblickt in Russland die 'stärkste Kraft der weißen Macht in der Welt'. Spencer war mit der Russin Nina Kuprianowa verheiratet, die auch zwei Bücher von Dugin ins Englische übersetzt hat. Sie bezeichnet sich selbst stolz als 'Anführerin der Kremlin-Trolle'."
Außerdem: Der in Deutschland lehrende belarussische Politologe
Alexander Libman rät europäischen Regierungen in der
taz, Kontakt zu
russischen Eliten aufzunehmen, um Putins Regime zu destabilisieren und Optionen für die Zukunft aufzubauen: "Wenn überhaupt, werden
Veränderungen in Russland von den Eliten ausgehen: der zivilen Bürokratie, Teilen des Militärs und möglicherweise wohlhabenden Unternehmer*innen - auch wenn diese Gruppe seit Jahrzehnten von Putin entmachtet wurde."