Dass die Verleumdungskampagne gegen die Rechtsprofessorin
Frauke Brosius-Gersdorf ganz maßgeblich von
rechtsextremen Organisationen lanciert wurde, hatte zum Beispiel die
taz recherchiert (unser
Resümee). Richard Herzinger
macht in seinem Blog darauf aufmerksam, dass etwa die "Lebensschützer"-Organisation 'CitizenGO'
russisch gesteuert ist: "Die Gruppierungen, die hinter diesem Angriff stehen, sind fest in die Einfluss-Netzwerke des russischen Regimes in Deutschland eingebunden. So wird CitizenGO unter anderem von dem putinnahen Oligarchen Konstantin Malejew finanziert und entsprechend gelenkt, dessen Denkfabrik 'Katehon' die geopolitische Ideologie des großrussisch-nationalistischen, die Vorherrschaft Russlands über Europa propagierenden Autors und Aktivisten
Alexander Dugin verbreitet. Hauptsächlich über die Bundestagsabgeordnete
Beatrix von Storch, deren adlige Familie eine Schlüsselrolle im Kontext deutsch-russischer Netzwerke spielt, sind diese fest mit der AfD verwachsen und wirken auf diese Weise direkt in die deutschen Parlamente hinein."
Trump scheint auf Putin gerade nicht so gut zu sprechen zu sein, neulich jammerte er, dass Putin auf all seine Nettigkeiten gar nicht eingeht. Aber Putin hat seine Position im Grunde nie verändert, schreibt Reinhard Veser im Leitartikel der
FAZ: "Von Anfang an hat die russische Führung deutlich gemacht, dass sie über nichts anderes verhandeln wird als über die
Kapitulation der Ukraine. Wie Trump dazu steht, ist aus russischer Sicht zwar nicht bedeutungslos, aber zweitrangig. Verschafft der amerikanische Präsident Russland einen Vorteil, indem er
Kiew unter Druck setzt, wird das in Moskau wohlwollend registriert. Tut er das Gegenteil, ändert das nichts an der Entschlossenheit des Kremls, die unabhängige
Ukraine zu zerstören. Putin baut darauf, dass er bereit ist, für die Niederwerfung des Landes einen höheren Preis zu zahlen als der Westen für dessen Verteidigung."
Ist bald Krieg? Ebenfalls in der
FAZ schätzt der Politologe
Nils Bormann die Gefahr eines russischen Angriffs auf ein EU-Land so ein: "Schafft es die EU, eine
glaubwürdige Abschreckung herzustellen, solange Putin den Einsatz der US-Armee fürchtet, bleibt das Risiko einer russischen Aggression gering. Wäre die EU jedoch noch mitten im Aufbau militärischer Kapazitäten, wenn der Einsatz der US-Armee infrage stünde, stiege das Risiko eines russischen Angriffs stark an. Gleiches gilt, wenn die
Ukraine den Widerstand gegen Russland bald aufgeben müsste. Denn dann wäre aus Putins Sicht ein Präventivschlag gegen die EU lohnenswert, um einer Machtverschiebung zugunsten der grundsätzlich wirtschaftlich stärkeren EU zuvorzukommen."
Das
BSW würde sofort eine
AfD-Regierung tolerieren und hat dazu bald nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt 2026 Gelegenheit, vermutet der
Politikwissenschaftler Benjamin Höhne im
SZ-Interview mit Peter Laudenbach. "Das BSW hat schnell gezeigt, dass es an die Regierungsmacht will. Das war in den Vorläuferparteien, PDS und Linkspartei, umstrittener. Zum Rechtspopulismus wird in der Politikwissenschaft die Auffassung vertreten, dass es sich schlicht um
eine Machterwerbsstrategie handelt. Dafür braucht die AfD unter den derzeitigen Bedingungen ihrer Isolation im Parteiensystem eine elektorale Stimmenmaximierungsstrategie. Diese kann jedoch durch rechtsextreme Ideologie unterminiert werden. Deren Vertreter sind nicht bereit, dem Ziel der politischen Macht alles andere unterzuordnen. Daraus resultiert die derzeitige Strategiedebatte der AfD zwischen
Normalisierungsbemühungen und Radikalisierung."
Die deutsche Demokratie kann eine so destruktive Partei wie die
AfD aushalten, erklären die
Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter und
Eckhard Jesse. Sie fordern in diesem Zuge eine Normalisierung der AfD im deutschen Parlamentarismus. "Deutschland ist das einzige demokratische Land - die schlimme Vergangenheit wirkt nach -, in dem maßgebliche Teile der politischen Klasse das
Verbot einer Zwanzig-Prozent-Partei fordern. Selbst dessen Kritiker argumentieren häufig strategisch und defensiv: Ein Verbotsantrag bringe die Partei in eine Opferrolle, fördere den Märtyrerstatus und sei kontraproduktiv. Ein demokratisches Staatswesen mit
so stabilen Institutionen wie die Bundesrepublik kann eine solche Kraft aushalten.
Warum wird das nicht gesagt? Man muss diese - keineswegs homogene - Partei nicht achten, aber muss man sie ächten? Ihren Abgeordneten den Vorsitz in Parlamentsausschüssen zu verweigern und sie damit auszugrenzen, ist kein Zeichen von Selbstbewusstsein, sondern eines von Schwäche."
Die deutschen Mitte-links Parteien
haben Angst vor einer demokratischen Auseinandersetzung mit der AfD,
konstatiert der
Philosoph Rüdiger Safranski im
NZZ-Interview mit Rico Bandle. Dies habe sich in der Diskussion um die Neubesetzung des Bundesverfassungsgerichts gezeigt. "Das Parlament wählt die Richter. Ein Kandidat oder eine Kandidatin findet
Zustimmung oder nicht. Das ist eine ganz normale demokratische Prozedur. In der Regel werden die Kandidaten aber in den Hinterzimmern vorsortiert, so dass sie ohne weitere Auseinandersetzungen gewählt werden. Jetzt haben wir ausnahmsweise einen offenen Streit über eine Kandidatin. Das ist
urdemokratisch, schließlich geht es um ein sehr bedeutendes Amt. Doch die SPD, die Grünen und ein Teil der Presse sagen, dass dies die Demokratie beschädige. Ja mein Gott, wenn nach den Regeln der Demokratie
vor der Entscheidung öffentlich gestritten wird, dann ist das eine Stärkung der Demokratie und keine Schwächung!"