Es gibt keinen Grund, die
Oktoberrevolution zu feiern,
meint Arno Widmann in der
FR. Von Beginn an war sie ein
Verbrechen gegen die Menschlichkeit, schreibt er etwa mit Blick auf das Frauenbataillon, das den Petersburger Winterpalais vergeblich gegen die Erstürmung verteidigen wollte, jedoch von den Bolschewiki überrannt, vergewaltigt und nach Finnland deportiert wurde: "Es gibt keinen Grund, der Sowjetunion nachzutrauern. Die
größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts war nicht der Zusammenbruch der Sowjetunion, sondern ihre Etablierung. Bis heute wird sie als 'gescheiterte Hoffnung' verkauft, als ein verzweifelter Versuch, dem Kapitalismus etwas entgegenzuhalten. Wer das behauptet, der zeige einen einzigen Augenblick, in dem die Sowjetunion so gehandelt hat.
Die Räte, auf die sich die Revolution doch stützen sollte, wurden, so wie sie nicht der Partei gehorchten,
zerschlagen,
ihre Führer erschossen."
Außerdem zum Thema:
Heinrich August Winkler klärt ebenfalls in der
FAZ über den Unterschied zwischen bürgerlicher und
proletarischer Revolution auf. Ebenfalls in der
FAZ (aber im politischen Teil) legt der Historiker
Manfred Hildermeier dar, dass Lenin seinen Staat von vornherein auf Terror aufbaute.
Vor fünfzig Jahren zeigten zwei Hamburger Studenten bei einer Rektorenkonferenz das berühmt gewordene Transparent mit dem Spruch "
Unter den Talaren / Muff von 1000 Jahren". Jan Feddersen
bestreitet in der
taz Nord, dass damit in erster Linie eine Kritik an der
Nazivergangenheit der Professoren gemeint war: "Tatsächlich geht aus den - protokollierten - Sitzungen der Gremien von Professoren und Studenten nicht mal in einer Nebenbemerkung hervor, dass das Publikum, die Kritisierten wie die Kritiker, irgendeinen Hintersinn in Sachen Nazi im Blick hatten. Auch wenn Gert Hinnerk Behlmer aktuell sagt, 'die Anspielung auf das 'Tausendjährige Reich' (...) war von mir
gewollt, allerdings damals
kaum beachtet.'"
Pawel Ukielski, Direktor des Museums des Warschauer Aufstands beklagt in der
FAZ bei dem neuen
Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel "ein stark ideologisiertes Narrativ, das sich auf eine
neomarxistische Vision der Geschichte Europas stützt. In deren Sinne befindet sich Europa seit der Französischen Revolution auf dem Weg eines
unaufhaltsamen Fortschritts mit Richtung auf eine ideale, klassenlose und der Nationen entledigte Gesellschaft. In einer solchen Erzählung gibt es praktisch keinen Raum für das, was vor der Französischen Revolution stattfand - etwa für die
berühmte Trias der Grundlagen unserer Zivilisation, die griechische Philosophie, das römische Recht und den jüdisch-christlichen Geist."