Die
taz stellt heute einigen prominenten Linken zwei Fragen aus Anlass von
hundert Jahren Oktoberrevolution: "1. Gehört der Kommunismus auf den
Müllhaufen der Geschichte - oder ist noch etwas recycelbar? 2. Welche Revolution wird die nächste sein?" Die Antwort des britischen Autors
Tariq Ali auf Frage 1 gibt Aufschluss über den Geisteszustand der britischen Linken: "Echte demokratische Organisationen wie die Räte in der Frühzeit der Sowjetunion bleiben eine gute Idee. Ebenso von
genialen Architekten entworfene Wohnungen für Arbeiter und Arme, Widerstand gegen imperialistische Kriege und Kolonialismus, das Recht auf nationale Selbstbestimmung und der Schutz der Natur (sogar heute verfügt Russland noch über mehr natürliche geschützte Lebensräume als andere Länder). Die Rote Armee brach dem deutschen Faschismus das Rückgrat und 1917 war Blaupause der
chinesischen,
vietnamesischen und
kubanischen Revolution. Also ja, es gab Gutes. "
Gaga auch
das Statement des
FAZ-Redakteurs
Dietmar Dath: "Mehr als jedes andere Wort in unserem politischen Vokabular ist der Kommunismus die
radikale Negation des herrschenden Regimes, welches Ausbeutung und Ungleichheit zelebriert. Die Kommunismen, die im Schwarzen Loch von 1989-1991 verschwunden sind, beinhalten die heroische Wiederherstellung von Gemeinschaften ohne Eigentum, kommunale indigene Gesellschaften,
Realsozialismus mit seinen Errungenschaften und Verbrechen. Sie beinhalten die lange Geschichte antifaschistischen Widerstands,
egalitären Mystizismus, die dialektische Abschaffung des Kapitalismus durch seine inneren Dynamik und die unerforschten, unausbeutbaren Reserven des Widerstands, die sich der Kapitalismus nicht aneignen kann."
Illusionsloser ist der Blick des Hongkonger Politologen
Willy Lam, der im
Interview mit Felix Lee über den gerade stattfindenen Parteitag der KP Chinas unter
Xi Jinping spricht: "Chinas heutiges politisches System hat natürlich nichts mit dem kommunistischen Gedanken im marxschen Sinne zu tun, sondern lehnt sich eher am
Leninismus-Stalinismus der Sowjetunion an. Auch dort hatte der KGB einen
Polizeistaat errichtet, der die totale Kontrolle über das Land vorsah. Das heutige China entwickelt sich in diese Richtung. Xis ausgerufene Antikorruptionskampagne dient auch nicht nur dazu, korrupte Parteikader zu entlarven, sondern sich
seiner Widersacher zu entledigen."
In seiner am 18. Oktober im Schloss Bellevue gehaltenen und heute in der
Welt abgedruckten Gedenkrede zum 40. Todestag von
Hanns Martin Schleyer fordert Stefan Aust die vollständige
Offenlegung der Stammheim-
Akten inklusive der geheimgehaltenen Abhörprotokolle: "diejenigen, die bei der Fahndung versagten, sollten nicht den Deckel über ihre Versäumnisse schlagen, sondern offen dazu stehen. Nur wenn klar wird, was schiefgegangen ist bei dem Versuch, einen Menschen aus der Geiselhaft zu befreien, kann daraus gelernt werden.
Vertuschen ist die Grundlage des nächsten Versagens. Der Spruch des Geheimdienstkoordinators aus dem Kanzleramt zum Schreddern der NSU-Akten, ausgesprochen vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages, darf niemals zur Maxime behördlichen Handelns werden: 'Es dürfen keine Staatsgeheimnisse bekannt werden, die Regierungshandeln unterminieren.'"
Außerdem:In einem größeren Essay
sucht tazler Stefan Reinecke Aufschluss über die Frage, ob heute ein
gewaltsamer Umsturz wie 1917 noch möglich sei.