Erstaunlich, wie schnell die jüngste Aktion des "Zentrums für politische Schönheit" (das bekanntlich zu weltanschaulichen Zwecken die Asche ermordeter Juden recyceln wollte, unsere
Resümees) wieder in Vergessenheit geriet. Die
Schriftstellerin Nora Bossong greift sie in der
taz nochmal auf und vergleicht
Philipp Ruch mit Super Mario, allein und männlich im Kampf gegen das Böse und alle übrigen Intellektuellen verachtend: "Dabei ist die intellektuelle Öffentlichkeit ja unübersehbar da, sie heißt nicht mehr Böll und Grass, sondern reicht von Eva Menasse und Juli Zeh über Enis Maci und Carolin Emcke bis hin zu Rahel Jaeggi und Aleida Assmann, um nur einige wenige zu nennen. Sie haben übrigens auch ein Gewissen, sie sprechen über Politik und mitunter über Moral, sie sind manchmal sogar moralapostolisch, aber, das scheint mir bei allen Genannten zuzutreffen, es wird
kein Alleinherrschaftsanspruch gestellt, wie es das Zentrum und einige andere, auffälligerweise besonders gern männliche Akteure mitunter tun."
Shammi Haque
porträtiert für die
taz die saudi-arabischen Schwestern
Khulud und
Maha A. , die es im Alter von 23 und 17 wagten, ihrer Familienhölle zu entfliehen und in Deutschland Asyl bekamen: "Wie kommt es, dass Khulud und ihre Schwester den Ausbruch wagen? Für die Ältere ändert sich alles, als sie
an die Universität kommt. Sie schließt Freundschaften, trifft bei Twitter auf mutige Frauen und liest online die Artikel der ägyptischen
Schriftstellerin Nawal El Saadawi. Sie kauft ihre Bücher, die in Saudi-Arabien verboten sind, unter der Ladentheke. 2017 überlegt Khulud das erste Mal, Saudi-Arabien zu verlassen. Doch es ist unmöglich, ohne die Erlaubnis des Vaters Pass und Visum zu beantragen..."
Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts kannten die Menschen noch ihre Bedeutung: Sie waren die
Krone der Schöpfung und lebten auf dem Planeten, um den sich alles drehte. Das änderte sich mit den Entdeckungen Tycho de Brahes, Keplers und Galileis. Plötzlich wusste niemand mehr, welchen Platz er im Universum hatte,
schreibt der Historiker
Volker Reinhardt in der
NZZ. Aber Gott sei Dank gibt es heute
Selfies! "Jedes Selfie legt ja Zeugnis ab: Hier war ich, an diesem Ort und zu dieser Zeit, und dadurch bin ich ein Teil der Geschichte und daher wichtig. Verbreitet und versiegelt wird diese Bedeutung dann auf Facebook und/oder Instagram. Gott ist zur Speicherkapazität geworden, das Jüngste Gericht setzt sich aus der Zahl der Follower zusammen; wer mehr als eine Million davon hat, darf sicher
mit Freispruch rechnen."