Zeit-Redakteur Thomas E. Schmidt schreibt einen kritischen Artikel an die Adresse der eigenen Leserschaft: Das Milieu,
das grün wählt und das er offenbar noch als Avantgarde ansieht: "Politische Avantgarden haben immer so funktioniert: Was ihnen inneren Halt gab, war das
Misstrauen anderen und sich selbst gegenüber. Eine Faust musste
die Wahrheit umschließen, sonst drohte die zu entwischen. Aus Verzicht musste Sinn werden, und die Emanzipation ließ sich nur durch Unterwerfung erreichen. Im grünen Fall heißt das: Die technische Naturbeherrschung kann nur überwunden werden, indem man die
eigene innere Natur beherrscht."
Die "Glauben und Zweifeln"-Seite der
Zeit lässt
zum Kopftuch diskutieren. Nurhan Soykan vom Zentralrat der Muslime und die Theologin Johanna Rahner sind gegen ein Verbot des Kopftuchs für Mädchen.
Abdel Hakim Ourghi, von der Initiative Säkularer Islam aber mahnt: "Kein kleines Mädchen käme vor der Pubertät von allein auf die Idee, dass es seinen Körper verschleiern oder seine Haare mit einem Tuch bedecken müsste - damit sein Körper nicht zum Objekt der Begierde wird. Ein Mädchen aber, das mit Kopftuch in den Kindergarten oder in die Grundschule geht, hat gelernt, warum es sich verhüllen muss. Seine Freiheit wird
früh unterdrückt, damit sie später nicht vermisst werden kann." Susanne Schröter unterstützt seinen Standpunkt. Und die Redakteurin Evelyn Finger beobachtet: "Es ist .. seit einiger Zeit Mode geworden, den Islam
gegen Kritik zu immunisieren, indem man seine Kritiker ächtet: als islamfeindlich, rassistisch, religionsfeindlich, diskriminierend, rechts und was man sonst an K.-o.-Wörtern entsichern kann. Und wenn einem gar nichts mehr einfällt, dann halt menschenverachtend."
Auf
Zeit Online fordert der an einem Gymnasium im Ruhrgebiet unterrichtende islamische Religionslehrer
Mansur Seddiqzai, eine Abschaffung, zumindest aber eine Reform der "
Idschaza" - also jenes
islamischen Beirats, in dem aktuell noch im Probelauf vor allem Vertreter von
Islamverbänden zusammenkommen, um angehenden Religionslehrern eine gewissensbasierte
Lehrerlaubnis zu erteilen. Mit dem Professor für islamische Theologie
Mouhanad Khorchide habe der Beirat nur einen liberalen Vertreter: "Nach dem Verzicht der Ditib auf ihren Sitz im Beirat in Folge der Spitzelvorwürfe steht er im Beirat nun sechs Mitgliedern gegenüber, die eher dem konservativem Spektrum zuzuordnen sind. (…) Immerhin fünf der derzeit sieben Beiratsmitglieder sind Frauen. Eine
fortschrittliche Frauenquote. Aber alle tragen sie
Kopftuch. Damit repräsentieren sie nur gut 30 Prozent der muslimischen Frauen in NRW. Einige meiner Mitbewerberinnen haben mir erzählt, dass sie deshalb untereinander diskutierten, ob sie für das Idschaza-Gespräch ein Kopftuch aufziehen sollten, obwohl sie im Alltag keines tragen."
Für die
NZZ ist der marokkanische Schriftsteller
Kacem El Ghazzali nach Kairo ins
Merit-Verlagshaus
gereist, um dort in einer den
Pariser Aufklärungssalons ähnelnden Atmosphäre über Freiheit und Religionskritik zu diskutieren und Frauen zu beobachten, die ihren Schleier bei Betreten von Merit wie "Müll" auf den Boden werfen. Merit sei das Gegenteil amerikanischer "Safe Spaces", meint er: "Merit, die Frauen Irans, die liberalen Aktivisten Saudiarabiens und alle Freunde der Freiheit in der muslimischen Welt konfrontieren uns mit einem beunruhigenden Paradox: Wir leben in einer Zeit, in der die Stimmen der westlichen sogenannten Progressiven immer lauter werden, um Kunst und Literatur zu
zensieren. Sie tun dies mit dem Vorwand, dies habe aus Respekt vor den Einstellungen und
Gefühlen sensibler Menschen zu geschehen. Derweil melden sich in der islamischen Welt immer mehr mutige Stimmen, die sich sämtlichen Formen der Zensur, Schikane und der Überwachung entgegenstellen."
Weiteres: Ebenfalls in der
NZZ schildert Marc Neumann, wie sich die University of the Arts in Philadelphia hinter ihre streitbare feministische und als Trans auftretende Professorin
Camille Paglia stellt, der nach einer Vorlesung von Trans-Aktivisten
Transfeindlichkeit vorgeworfen wird.