Als das Bundesverfassungsgericht entschied, ein "
drittes Geschlecht" anzuerkennen, rechnete es mit
160.000 Menschen in Deutschland, die nach dieser Definition als "divers" oder intersexuell gelten könnten. In Wahrheit dürfte die Zahl derer, die den
Status der Intersexualität (der auch ein wichtiger Baustein der Gendertheorien ist) beanspruchen würden, wohl eher bei 1.600 liegen, schätzt Martin Spiewak, der für die
Zeit in Krankenhäusern und Behörden recherchiert hat: "Eine Nachfrage der
Zeit bei den Standesämtern der elf größten deutschen Städte ergibt: Insgesamt haben
zwanzig Personen beantragt, ihren Geschlechtseintrag auf 'divers' ändern zu lassen (Stand Mitte April). Neun von ihnen leben in Berlin, zwei in München. Rechnet man die Zahlen, die von ähnlichen Umfragen bestätigt werden, auf ganz Deutschland hoch, sind es rund 150 Fälle. Eltern intersexueller Neugeborener, die ihr Kind als divers eintragen ließen, gibt es in den befragten Städten bislang keine." Natürlich, so Spiewak, könne es sein, dass sich noch nicht alle in Frage kommenden Personen gemeldet hätten, doch "mit einer Fallzahl von
über tausend Betroffenen rechnet kaum jemand". Hinzukomme, dass sich die meisten der Personen, die medizinisch als intersexuell gelten, sehr wohl entweder
als Mann oder Frau definieren. Aber die Betroffenen haben gute
Lobbyarbeit geleistet, meint er.
Nicht die "
Identitätspolitik" ist das Problem, sondern die
Politik der Ausgrenzung, die soziale Minderheiten schafft,
schreibt indes die Publizistin Carolin Emcke in der
SZ: "Zu den mehr oder minder mutwilligen Missverständnissen über 'Identitätspolitik' gehört die Unterstellung, Angehörige von Minderheiten lehnten liberale Gesellschaftsmodelle oder
universale Prinzipien ab, weil sie Werte kulturell relativierten. Das Gegenteil ist üblicher: Um Diskriminierung zu kritisieren, braucht es keine aufgeladenen Konzepte von essenzieller Identität, sondern gerade eine Orientierung an den universalen Prinzipien von Freiheit und Gleichheit. Allein: Um eine konkrete Diskriminierung zu belegen, braucht es eine dichte Beschreibung der Art und Weise, in der benachteiligt wird - und da kommen dann Hinsichten wie Körpergröße oder
Hautfarbe ins Spiel."
Erstaunlich, in wie kurzer Zeit sich die Stimmung zum
Kopftuch in den Feuilletons gedreht hat. Gerade präsentierte das Frankfurter Museum für Angewandte Kunst einen beschönigenden Blick auf "Muslim Fashions", und allenthalben verteidigte man das Kopftuch als modischen Schmuck
keuscher Weiblichkeit (unsere
Resümees), doch nach der @
schroeter_raus-Aktion an der Frankfurter Uni (unsere
Resümees) sind nun alle für die Kritik an diesem Symbol der Unterwerfung, so auch Thomas Thiel, der heute für die
FAZ über die Konferenz von
Susanne Schröter schreibt. "Man muss dazu sagen, dass die Frankfurter Konferenz nicht die dominierende Stimmung in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik wiedergab. Susanne Schröter hat
mit großer Widerstandskraft einen Raum geschaffen, in der Meinungen ausgesprochen werden können, die sonst zurückgehalten oder, wie die Konferenz selbst, mit Rassismus-Parolen niedergehalten werden (sollen).
Necla Kelek findet beispielsweise akademisch kein Podium mehr." Thiel feiert Schröters Konferenz als "
Markstein bei der Rückbesinnung der Universitäten auf ihre intellektuellen Prinzipien". Ähnlich argumentiert Cigdem Toprak in der
Welt und betont: "Kritik muss, darf und soll sein. An allen Religionen - und auch am Islam."
Andreas Wilkens
erzählt in einem schönen Feuilleton bei
heise.de, warum er gern
zu Fuß geht, und warum das immer schwieriger wird: wegen
Radfahrern auf Gehwegen, "und während ich dies schreibe, berichtet das Radio, 'nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes im Jahr 2007 wurde deutschlandweit noch rund 689.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren eine
Fahrerlaubnis erteilt, 2017 nur noch rund 345.000'. Sie fahren also weniger mit dem Auto, sondern radeln womöglich immer mehr ahnungslos an diesen
seltsamen runden blauen Schildern mit der Frau und dem Kind drauf vorbei."