Die Praxis mag einigermaßen liberal sein, die Gesetzeslage ist es nicht,
sagt Juristin Ulrike Lembke im Gespräch mit Patricia Hecht von der
taz zur Frage, wie es kommt, dass nun in Berlin schon wieder ein neuer Fall zum
Paragrafen 219a verhandelt wird. Zwar sollte es nach der Wiedervereinigung eine Liberalisierung geben: "Das
Bundesverfassungsgericht akzeptierte das aber nicht und gab detailliert den Inhalt jener Regelungen vor, die 1995 als §§ 218ff in Kraft traten. Im Urteil legte das Gericht auch fest, dass eine ungewollt Schwangere
die Pflicht hat, die Schwangerschaft auszutragen. Wenn ich das meinen Studierenden sage, glauben die, ich mache Witze. Aber das steht da, das gilt und das ist auch so gemeint. Als Frau liest man das einmal und vergisst es nie wieder."
Die
SPD ist schuld, dass heute wieder gegen Ärztinnen prozessiert wird,
schreibt Chantal Louis bei
emma.de. Es geht um die Berliner Ärztinnen Bettina Gaber und Verena Weyer, die so auf ihrer Website informierten: "Auch ein medikamentöser, narkosefreier Schwangerschaftsabbruch gehört zu den Leistungen von Frau Dr. Gaber." Der Kompromiss, dem die SPD zustimmte, funktionierte laut Louis so: "ÄrztInnen dürfen nämlich laut der Gesetzesreform, die im März 2019 in Kraft trat, ausschließlich 'auf
die Tatsache hinweisen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche (...) vornehmen.'
Jede weitere Information über diese 'Tatsache' hinaus wird nach wie vor mit Geld- oder Haftstrafe geahndet."
Der
Paragraf 175 immerhin wurde irgendwann abgeschafft - genauer: auch erst
vor 25 Jahren. Daran
erinnert in der
taz Martin Reichert: "Erst im Jahr 1994 war es dann endgültig vorbei mit den '175ern',
nach 130 Jahren wurde der Paragraph 175 abgeschafft, also rund vier Jahre nach der '
größten Wunderheilung der Weltgeschichte', nämlich der Streichung der Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten durch die WHO im Jahr 1990."
Hubertus Knabe geht im politischen Teil Verschwörungstheorien über eine angebliche IM-Tätigkeit
Angela Merkels nach. Belege findet er nicht: "Man mag Merkel vorwerfen, dass sie als Bundeskanzlerin nicht
wirklich offen über ihre DDR-Vergangenheit spricht. Ein Beleg für eine Tätigkeit für den Staatssicherheitsdienst ist ihre vergleichsweise unbedeutende Funktion in der FDJ in jedem Fall nicht."
Im Interview mit dem
Tagesspiegel ärgert sich Jagoda Marinic, dass der
Feminismus in Deutschland so lahmarschig und #metoo hier praktisch folgenlos geblieben ist: "Reale Folgen? Gab es kaum, auch bei uns hätten
mindestens 50 Männer ihre Posten räumen müssen, wenn es #MeToo gegeben hätte. Und wenn es die Öffentlich-Rechtlichen nach #MeToo nicht schaffen,
Talkshows gleichberechtigt zu besetzen, ist nicht viel angekommen, das ist im gesamten Medienbereich so. Problemlösungsstrukturen gibt es, die schaffen wir immer sofort, Kommissionen, Gleichstellungsbeauftragte etc. und dann
bewegt sich nicht viel weiter, Konsequenzen bleiben aus. Schauen Sie mal bei
CNN! Wieviele sogenannte Expertinnen es dort gibt. Da diskutieren einfach mal so vier Frauen mit sichtbarem Migrationshintergrund die Politik von Trump."
Eigentlich würden die Obamas ihre
Presidential Library gern in der South Side von Chicago bauen, aber darum gibts jetzt Streit,
berichtet Anna Lea Berg in der
SZ. (
Weiße)
Umweltgruppen "kritisieren, dass die Stadt den öffentlichen Park für das Center zur Verfügung stellt und damit eine Ressource für die Bewohner gegen eine andere austauscht, anstatt eine der unzähligen Freiflächen in der South Side zu nutzen. Besonders skeptisch sind die Kritiker gegenüber den Plänen der Stadt, einen von Tiger Woods designten Golfplatz im Süden des Parks einzurichten, für den ein Naturschutzgebiet und ein kleiner öffentlicher Golfplatz weichen müssten." In der
schwarzen Community streitet man sich unterdessen darum, ob man sich von weißen Ökos was diktieren lassen soll, oder ob die
drohende Gentrifizierung des Viertels nicht doch ein Problem werden könnte.