Der Aufruf der "Initiative GG 5.3 Weltoffenheit" wirkt an vielen Stellen absichtlich vage, in einem Punkt wird er aber konkret, bei der Benennung
Achille Mbembes als Beispiel für die Folgen der BDS-Resolution. "Dies ist nun gleich in mehrfacher Hinsicht ein
sehr schlechtes Beispiel",
meint der Grünen-Politiker
Volker Beck im Blog
starke-meinungen.de: "Der afrikanische Philosoph verleugnete nämlich sein
Engagement für den BDS, wurde aber unzähliger Aktionen für und im Kontext von BDS überführt. Und er ist nicht nur ein Kritiker israelischer Politik, sondern auch klassische antijudaistische Ressentiments wie der
jüdische '
Rachegott' gehören zum rhetorischen Repertoire des von erzkonservativen katholischen Geistlichen unterrichteten Philosophen. Er wurde auch nirgendwo ausgeladen oder mundtot gemacht. Im Gegenteil: Die Ruhrtriennale fiel zwar aus, seine deshalb nicht gehaltene Rede wurde gleichwohl in der
Süddeutschen Zeitung abgedruckt."
Beck wirft noch einen anderen Punkt auf. Es handelt sich in dem Aufruf bekanntlich um
höchste Repräsentanten renommierter Kulturinstitutionen: "Wer sich anschickt,
als Institution und nicht nur als leitende Persönlichkeit derselben, einer Entscheidung des
Bundestages entgegenzutreten, hat und muss sich dafür
in seinen Gremien die Legitimität geholt haben oder holen." Ob das geschehen ist?
In der
Welt (
und seinem Blog) ist Thomas Schmid empört über die Dreistigkeit, mit der sich die "Initiative GG 5.3 Welt-offenheit" - "ein Who's Who der staatlich nicht schlecht subventionierten Kultur- und geisteswissenschaftlichen Institutionen" Deutschlands - als
verfemte Samisdatgruppe gebärdet, nur weil der Bundestag "keine Staatsknete für BDS-Aktivitäten" rausrücken will. Dass der BDS ansonsten völlig ungehindert in Deutschland agieren kann, wird dabei unter den Tisch gekehrt. Auch die angebliche Sorge um die Redefreiheit Achille Mbembes hält Schmid für einen Vorwand: Es gehe in Wahrheit um eine
neue Form der Schlussstrich-
Debatte, diesmal von links, schreibt er wie schon vor einigen Monaten Perlentaucher Thierry Chervel (
hier). "Das gänzlich haltlose Argument, die 'starre Fixierung' auf die Shoah hindere uns daran, andere Verbrechen, die Europäer begangen haben, angemessen zu würdigen, ist im Grunde ein Plädoyer dafür, mit der
Singularität des Holocaust ein Ende zu machen. Auch von links her gibt es seit geraumer Zeit das Bedürfnis, die '
Auschwitzkeule', von der Martin Walser einst vor einem zugeneigten Publikum in der Paulskirche sprach, endlich aus dem diskursiven Handwerkskasten
auszusortieren. Es ist beunruhigend, dass jene Unterzeichner der 'Initiative GG 5.3 Weltoffenheit', die das Existenzrecht Israels nie in Frage stellen würden,
diesen Subtext des Manifests offensichtlich nicht heraushören können."
In der
FR findet Stephan Hebel den Antisemitismusvorwurf gegenüber der "Initiative 5.3 GG" übertrieben, er möchte
mehr Diskussion: "Als wahrer
Spreng-
Satz für deutsche Debatten kann allerdings die folgende Passage verstanden werden: 'Wir erkennen das Bekenntnis Deutschlands zu seiner historischen Verantwortung für den Holocaust an und schätzen es zutiefst. Gleichzeitig verurteilen wir die ungeheure Nachlässigkeit des deutschen Staates, wenn es darum geht, die deutsche Täterschaft für vergangene koloniale Gewalt anzuerkennen. Der Kampf gegen
Antisemitismus kann nicht nach Belieben von parallelen Kämpfen gegen
Islamophobie,
Rassismus und Faschismus entkoppelt werden. (…) Wir lehnen die Vorstellung ab, dass die Leiden und Traumata von Opfern politischer und historischer Gewalt gemessen und
in eine Rangfolge gebracht werden können.' Besser lässt sich nicht demonstrieren, wie viel Auseinandersetzung gerade der deutschen Öffentlichkeit noch bevorsteht. In welchem Verhältnis steht die Kolonialismus-Debatte, die bei uns gerade erst begonnen hat, zur Verantwortung für die Vernichtung der Juden?
Welche Priorisierungen unter Opfergruppen lassen sich, wenn überhaupt, aus der Geschichte ableiten?"
Die Kulturpotentaten aus fast allen wichtigen deutschen Häusern behaupten, Vielfalt zu unterstützen, wenn sie
Israelboykotteure einladen. Dabe gäbe es noch ganze
andere Vielfalt, die man in Deutschland diskutieren könnte, schlägt Stefan Laurin in einem
konstruktiven Beitrag in den
Ruhrbaronen vor: "Warum ist
Fridays for Future und der mit der Bewegung einhergehende
Verzichtsethos vor allem bei reichen, weißen Kindern aus Mittel- und Nordeuropa so beliebt? Sicher, der Klimawandel ist ein globales Problem, aber dem Lösungsweg, den Deutschland eingeschlagen hat, mag niemand folgen. Die US-Demokraten haben sich
wieder der Kernkraft geöffnet, weltweit werden zahlreiche neue Meiler geplant. Auch da wäre es doch spannend zu hören, was 'internationalen und lokalen Stimmen' sagen. Vielleicht kann man sogar etwas von ihnen lernen?"
All die Enthüllungen über
John F. Kennedy haben dem
Mythos - zum Erstaunen der Enthüller - nichts anhaben können. Richard Herzinger
lernt davon etwas über das
Wesen des Mythos selbst: "Rationale Kritik, die nicht begreift, dass der Mythos keineswegs nur 'falsches Bewusstsein' ist, sondern durchaus auch Wahrheit enthält,
konserviert und tradiert, verfehlt ihrerseits ihren Gegenstand."