Im
Interview mit der
FR spricht der israelische Holocaustforscher
Yehuda Bauer über das Dritte Reich, Antisemitismus damals und heute und die
Flüchtlingspolitik heute. Problematisch findet er, wie Flüchtlinge trotz ihrer Unterschiedlichkeit heute
einheitlich gelabelt werden: "Auch hier bei uns existieren sehr viele verschiedene ethnische Gruppen, von einer Einheit kann man nur sehr bedingt sprechen. Nehmen Sie die
Palästinenser. Es gibt sie seit 1912. Das war das erste Mal, dass Palästina in einer Zeitung in Haifa erwähnt wurde. Bis dahin war das, was jetzt Palästina ist, ein Teil Syriens. Wenn überhaupt, haben sich die Bewohner als
Südsyrer identifiziert. Dann kamen die Kolonialisten, Franzosen und Engländer, erst jetzt entstand Palästina, das Volk der Palästinenser. Es ist
ganz neu. Das heißt aber nicht, dass es kein Volk ist. Es ist natürlich ein Volk. ... Wenn eine große Gruppe von Menschen sagt, wir sind ein Volk, dann sind sie ein Volk. Bleiben wir bei den Palästinensern. Die Masse der Bevölkerung stammt von Bauern ab: Griechen, Juden, Römern, die das Land bevölkerten. Da man
weniger Steuern zahlen musste, wenn man Moslem war, trat man zum Islam über. Mit den Juden war es ähnlich."
In der
NZZ blickt der Philosoph
Reinhard K.
Sprenger skeptisch auf die Weltverbesserer. Er hält es mehr mit den "
Helden der Negativität", die lieber Übel beseitigen, als Gutes schaffen wollen: "Diejenigen, die dem zustimmen, orientieren sich an einer negativen Realität, von der sie sich abgrenzen wollen. Das hat sehr praktische Vorteile: Die Aufforderung, etwas nicht zu tun, umgeht die Versuchung, etwas '
einzig Richtiges'
absolut zu setzen. Sie behauptet keine allein denkbare Wahrheit. Sie bekennt sich zur Mehrdeutigkeit: Im Wahren ist immer auch etwas Falsches, im Vernünftigen immer auch etwas Unvernünftiges, in der Freiheit immer auch etwas Zwang. Eine negative Ethik hat also kein Ziel - außer Schaden zu vermeiden. Sie will keinen Endzustand erreichen, kein Paradies auf Erden. Es ist gerade der
Gegenentwurf zum Perfektionsideal, zur breitbeinigen Basta!-Politik, die überall ins Kraut schießt."
Die
Digitalisierung bedeutet einen gewaltigen Umbruch. Das muss man - bei aller Kritik im Detail - positiv sehen,
meint in der
NZZ der Philosoph
Andy Clark. "Wir leben jetzt in einer Welt, "die mehr durch
Möglichkeit,
Durchlässigkeit,
Wandel und
Verhandelbarkeit geprägt ist denn durch veraltete Vorstellungen oder fest umrissene Wesenheiten und Fähigkeiten. Diese Welt erschließt bemerkenswerte Potenziale, auf individueller wie gesellschaftlicher Ebene. Teilen und Gruppensolidarität sind nun einfacher denn je zuvor, und die Kartografierung neuer Gemeinschaften anhand ihrer Verbindungen und Spuren im Internet führt dazu, dass viele
zuvor verborgene Demografien auf gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Ebene wahrgenommen und respektiert werden."
Außerdem: In der
Welt erklärt Gusti Yehoshua Braverman, Vorsitzende der Diaspora-Abteilung der World Zionist Organization, warum
Antizionismus Antisemitismus ist.