Wolfgang Streeck antwortet in der
Zeit empört auf
Colin Crouch, der letzte Woche Sahra Wagenknechts Sammlungsbewegung "
Aufstehen"als fremdenfeindlich kritisiert hatte und lieber auf eine modernisierte SPD setzt (
unsere Zusammenfassung): "Ist Fremdenfeind, wer
Einwanderer als Konkurrenten um Arbeits-, Kita- und Wohnplätze erlebt und deshalb Einwanderung begrenzt sehen will? Wer für seine Kinder funktionsfähige öffentliche Schulen braucht, weil er nicht umziehen oder auf private Schulen ausweichen will oder kann? Wer um seine traditionelle,
regional geerdete Lebensweise fürchtet? Wer zwischen erwünschten und unerwünschten Neuankömmlingen unterscheiden will?"
Die Islamwissenschaftlerin
Johanna Pink verreißt in der
Zeit Thilo Sarrazins neues Buch "Feindliche Übernahme" wie zu erwarten als unfundiert und pauschal, ohne allzu skandalöse Stellen zu zitieren: "In einer überwältigenden
Vortäuschung von Sachlichkeit präsentiert er die Begründung dafür, warum das in 'Deutschland schafft sich ab' geschilderte Schreckgespenst auf nichts anderes als den Islam zurückgehe." Schwächen findet sie gerade bei Sarrazins Steckenpferd, der
Demografie: "So führt er wiederholt die Nettoreproduktionsrate mehrheitlich muslimischer Länder des subsaharischen Afrikas an, ohne zu erwähnen, dass es um mehrheitlich
christliche Länder dieser Region wie etwa die Demokratische Republik Kongo nicht besser bestellt ist. Seine
selektiven Statistiken ergänzt Sarrazin darüber hinaus noch um die unzutreffende Behauptung, dass in Ländern wie Tansania, Nigeria und Äthiopien die muslimische Minderheit zu einer Mehrheit geworden sei."
Viel polemischer
schreibt Sonja Zekri in der
SZ, obwohl sie sich vorgenommen hat, "sine ira et studio" zu schreiben. Für sie disqualifiziert sich Sarrazin schon, weil er den Koran
nicht auf arabisch lesen kann (womit auch die meisten Muslime als Gesprächspartner bei dem Thema ausfielen). Dann wirft sie ihm aber wieder vor, dass er den Koran
wörtlich nimmt: "Nun gibt es durchaus Muslime, die - wie Sarrazin - jede Historisierung und Kontextualisierung noch der blutrünstigsten Stellen ablehnen. Allerdings nicht sehr viele. Sie tragen meist
lange Bärte und gelegentlich einen Sprengstoffgürtel."
Weitere Kritiken von Eren Güvercin
im Freitag, Torsten Krauel in der
Welt, Bert Rebhandl
im Standard.
Für radikale,
antiwestliche Linke ist "der
weiße Mann" oder "der Westen" längst zur Projektionsfläche für die
Erbsünde geworden,
schreibt der marokkanische Schriftsteller
Kacem El Ghazzali in der
NZZ. Dabei entsorge die Linke Menschenrechte gleich mit: "
Menschenrechte sind keine universellen Rechte, die für alle Menschen gleichermaßen gelten, sondern nichts anderes als ein Mittel des Westens, um
imperialistische Ambitionen durchzusetzen. Und Verteidiger der Universalität der Menschenrechte in den Gesellschaften der Dritten Welt sind keine mutige Verbündete, sondern 'Verräter, die ihre Kultur hassen'. Die Leugnung der Universalität der Menschenrechte ebnet den Weg zur Tyrannei und Unfreiheit."