Ian Buruma hat Hals über Kopf die Leitung der
New York Review of Books aufgegeben,
berichtet Cara Buckley in der
New York Times. Er hat einen
Essay des kanadischen Autors und prominenten Radiomoderators
Jian Ghomeshi veröffentlicht, der sich mit den zahlreichen Anklagen von Frauen wegen
sexueller Belästigung auseinandersetzt (er ist vor Gericht freigesprochen worden). "Der Essay hat sofort
für Aufruhr gesorgt, einige kritisierten den als selbstmitleidig empfundenen Ton, und die
Beschönigung von Anklagen, die immerhin von Schlägen und Würgen sprachen. Es waren
über zwanzig Frauen und nicht 'einige', wie Ghomeshi schrieb. Buruma zog weiteren Zorn auf sich, weil er ein
Interview gegeben hatte, dem vorgeworfen wurde, dass er kein Interesse an den Beschuldigungen gegn Ghomeshi zeige." Ob Buruma aus eigenen Stücken gegangen ist oder gefeuert wurde, konnte die
New York Times nicht in Erfahrung bringen.
Der israelische
Historiker Yuval Noah Harari skizziert im Interview mit der
Zeit die großen Gefahren, die uns drohen: Ein Nuklearkrieg, Klimawandel und die
Digitalisierung. Letztere vor allem können unsere Gesellschaften fast unbemerklich verändern - freier Wille, Individualität war mal. "Das Individuum war mächtig, solange es
eine Blackbox war, solange kein äußerer Beobachter meine individuellen Präferenzen, Wünsche und Gedanken kennen konnte. Die gesamte liberale Ordnung gründet auf dieser Annahme: Keiner weiß es besser als der Wähler, keiner weiß es besser als der Kunde. Aber wenn wir ein System haben, das tatsächlich in die alte Blackbox Individuum reinschauen und entsprechend dessen
tiefste Bedürfnisse vorhersagen und manipulieren kann, dann gibt es das klassische Individuum nicht mehr."
Tilman Baumgärtel
schreibt den Nachruf auf
Paul Virilio in der
taz: "Wer den Fortschritt analysieren will, muss auch die Unfälle verstehen, die er ausgelöst hat, fand Virilio, und hatte auch dafür einen griffigen Slogan: 'Die Erfindung des Autos war auch die Erfindung des Autounfalls.'" Und in der
Welt schreibt Ulf Poschardt: "Gegen den Eskapismus, das Eckenstehertum, die Orchideen-Akademie setzte Virilio ein radikales,
unverschämtes '
Denken, was ist'. Er ahnte die geistige Leere der neuen Lenker der Welt voraus und versorgte sie mit jenen Begrifflichkeiten, die erhellten, auf welche disruptiven Herausforderungen die Menschheit zuraste."