In der
Welt kann
Zelda Biller, Tochter von Maxim, nicht verstehen, warum auch einige
linke Juden die Einzigartigkeit des Holocaust in Frage stellen wollen und die
BDS-Bewegung unterstützen. Damit die Meinungsfreiheit stärken zu wollen, wie etwa
Fabian Wolff kürzlich in der
Zeit (
unser Resümee), findet sie naiv, "weil sie nicht begreifen, dass theoretisch, also wenn morgen plötzlich die wichtigsten BDS-Prediger
die Welt beherrschen und alle ihre aktuell noch extra vage gehaltenen, eigentlich aber sehr durchschaubaren Ziele durchsetzen würden, es
kein jüdisches Israel mehr geben würde. Oder sie wissen es ganz genau, denken aber eigentlich sowieso, dass ein mehrheitlich arabischer Staat genial wäre, weil dann die Palästinenser keinen Grund mehr hätten, die Juden zu hassen, alle in Frieden zusammenleben könnten und die Juden in diesem Staat als jüdische Minderheit endlich wieder zu den
guten,
unterdrückten Völkern der Erde gehören würden. Dass das so natürlich nicht ablaufen wird, zumindest nicht, bis wir in einer friedlichen antisemitismusfreien Disney-Welt leben, verstehen Leute wie Fabian Wolff nicht, und tun den Juden, die das ziemlich gut verstehen, deshalb nicht gerade einen Gefallen, wenn sie den Deutschen vorwerfen, durch ihre
angebliche Holocaust-
Neurose blind zu Israel zustehen und Antisemitismus nicht von angemessener Kritik an der Politik Netanjahus unterscheiden zu können."
Das Blog
newfascismsyllabus.com setzt seine Debatte zur Durchsetzung von
A. Dirk Moses' "Katechismus" weiter fort. Der Holocaust-Historiker
Alon Confino, Mitunterzeichner der "Jerusalem Declaration",
stimmt Moses zu und ergänzt, dass es sich im Grunde nicht um eine Debatte über die "Singularität" des Holocaust handelt, sondern um eine
Debatte über Israel. Die Singularität infrage zu stellen, bedeutet
Israel infrage zu stellen - was Confono gutheißt. Dass
in Deutschland noch weithin "geglaubt" zu werden scheint, dass der Holocaust ein singuläres Ereignis war, scheinen die doch weithin in Amerika und im Kontext der heute angesagten Codes lehrenden Professoren als ein Hindernis zu empfinden: "Der Wert von Moses' Intervention... liegt darin zu zeigen, wie Erinnerung an den Holocaust in Deutschland, die wir mit Werten wie Menschlichkeit und Gerechtigkeit assoziieren, zu einem
legitimierenden Schutzschild und einer Rechtfertigung für die Diskriminierung von Palästinensern durch israelische Juden geworden ist. Das ist meiner Meinung nach das dringendste und wichtigste Problem der deutschen Vergangenheitsbewältigung in diesen Tagen."
Der Historiker
Helmut Walser Smith, einer der Autoren der Debatte in
newfascismsyllabus.com, hat in einem
Leserkommentar in
Perlentaucher angemerkt, dass unsere Presseschau einige Beiträge zur Debatte (unter anderem
seinen eigenen) übersehen hat - wir haben die Debatte, die schon seit einigen Tagen an dem für uns eher abgelegenen Ort läuft, nicht sofort entdeckt, versprechen aber nachzulesen!
Es gibt wirklich völlig unterschiedliche Bedeutungen des Worts "
Singularität". Der Autor
Matthias Pfeffer spricht in einem Vortrag, den die
Welt abdruckt, von der "Singularitätstheorie" in der "
kalifornischen Ideologie". Dahinter verbirgt sich "die Überzeugung, dass die
digitale Technik aufgrund der ihr innewohnenden, angeblich exponenziellen Entwicklung zwangsläufig eine
Superintelligenz hervorbringen wird, die dem Menschen in jeder denkbaren Hinsicht überlegen ist." Für Pfeffer eine
äußerst fragwürdige Lehre: Der Mensch wird darin "zum Datenzwischenwirt auf dem unbarmherzigen Weg der Evolution, die mit der Superintelligenz eine neue,
überlegene Spezies hervorbringt."